Fußball : Das Duell der Besten im Kreis

Wer kann sich mit dem inoffiziellen Titel "Nummer eins im Fußballkreis 5 Grevenbroich/Neuss" schmücken? Eine Frage, die Sonntagnachmittag im Erftstadion beantwortet wird, wenn der Platzhirsch SC Kapellen auf den Neuling SV Uedesheim trifft. In der Tabelle liegt der SCK vorne.

Die Experten, und davon gibt es rund um das Erftstadion ja eine ganze Menge, sind tief ins Archiv gestiegen — doch gefunden haben sie nichts. "Die beiden ersten Mannschaften", heißt es auf der Homepage des Oberligisten SC Kapellen, seien "in der nachprüfbaren Fußballhistorie seit 1960 noch nie in einem Meisterschaftsspiel" aufeinandergetroffen. Wenn also der SCK am Sonntag (Anstoß 15 Uhr) den Neuling SV Uedesheim zum Duell der besten Fußballer zwischen Rhein und Erft empfängt, wird kräftig Geschichte geschrieben.

Auch wenn Kapellen seit dem Abstieg des TuS Grevenbroich aus der Verbandsliga in der Saison 2005/06 unangefochten die Führungsrolle im Kreisfußball innehatte, Platzhirschgehabe ist den Erftstädtern völlig fremd. Der Primus schätzt die in Uedesheim geleistete Arbeit sogar außerordentlich und bestätigt damit SV-Chef Klaus Haas: "Mit Jupp Breuer und seinen Kollegen im Vorstand hatten wir immer ein sehr gutes Verhältnis. Kapellen ist für uns in jeder Beziehung ein Vorbild. Davor ziehe ich meinen Hut."

Gästetrainer Ingmar Putz denkt zwar ähnlich, hat für Sonntag indes keinen Geschenkesack schnüren lassen. Statt dessen stellt er klar: "Wir haben eine gute Mannschaft und sind in der Lage, da was mitzunehmen." Vor allem die Offensive des Aufsteigers beeindruckt: Alleine Lukasz Koziatek (7) und Mo Salou (4), die für elf der 19 Uedesheimer Tore zuständig sind, haben genauso viele Treffer erzielt wie das ganze Team des SCK. Dafür stellen die Hausherren als Tabellendritter die beste Abwehr der Liga (5) und haben sechs Punkte mehr auf ihrem Konto als Uedesheim auf Rang sieben. "Genau das ist unser Problem", sagt Putz: "Im Verhältnis zum Aufwand und der bislang gezeigten Leistungen haben wir einfach zu wenig Punkte. Dass wir am Mittwoch in Hamborn schon wieder einen 0:2-Rückstand aufgeholt haben, spricht natürlich für die Mannschaft. Aber wenn uns das in Kapellen passiert, kann das böse ins Auge gehen." In die für seine Mannen vorgesehene Rolle des Außenseiters mag er sich trotzdem nicht fügen: "Wir brauchen uns nicht kleinzureden. Wir fühlen uns nicht als Underdog, und wenn wir dafür mal irgendwann eins aufs Gesicht kriegen, dann ist das halt so!"

Obwohl im Erftstadion die zwei Schwergewichte des Kreisfußballs ihre Klingen kreuzen, wissen sie erstaunlich wenig voneinander. "Kapellen hat eine ausgeglichene Truppe und spielt sehr konstant. Ansonsten haben wir mit uns selber genug zu tun", sagt Putz. Sein Kollege Markus Anfang sieht das ähnlich: "Wir haben immer so viele Baustellen, dass wir uns nur auf uns konzentrieren müssen." Seine Improvisationskunst ist vor allem auf der linken Außenbahn gefragt, wo Stephan Wanneck mit gerissenem Außenband im Knöchel auf Eis liegt. Zudem droht der beruflich verhinderte Frederik Leufgen auszufallen.

Putz überlegt, den Posten des rotgesperrten Adnan Hotic in der Zentrale der Viererkette mit Özkan Teke zu besetzten. Dessen Platz auf der linken Außenbahn könnte Benedikt Günther übernehmen, was wiederum Malte Hauenstein zurück in die erste Elf befördern würde.

(NGZ/ac)
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