Reitsport : Das Comeback der Königin

Neun Jahre nach ihrem letzten Titelgewinn stand Nadia Ehning, geborene Zülow, beim CHIO in Aachen wieder auf dem Rücken eines Voltigierpferdes. Die dreimalige Weltmeisterin, inzwischen zweifache Mutter, verzauberte mit ihrem Auftritt Fans und auch die Bundestrainerin

Aachen Eigentlich hat sie ihre aktive Laufbahn längst beendet. Die dreifache Weltmeisterin Nadia Ehning,geborene Zülow — im Voltigiersport eine lebende Legende — hing 2003 nach ihrem letzten EM-Triumph im französischen Saumur die Voltigierschuhe an den Nagel. "Ich möchte nie wieder vor Publikum aufs Pferd", hatte die Ausnahme-Athletin nach zahlreichen Showauftritten, bei denen sie ihre Sportart weltweit in die Medien brachte, vor einiger Zeit verkündet.

Am vergangenen Sonntag brach sie ihren Vorsatz. Nicht irgendwo, sondern beim renommiertesten Pferdesportevent des Erdballs, dem Weltfest des Pferdesports, dem sogenannten CHIO in Aachen. Und natürlich nicht für irgendwen, sondern für den erfolgreichsten männlichen Kollegen der Voltigierzunft. Anlass des Überraschungs-Auftritts war die offizielle Verabschiedung von Kai Vorberg. Der dreifache Welt- und Europameister aus Köln, neben Ehning einer der erfolgreichsten Pferdeakrobaten aller Zeiten, wurde am Ort seines größten Erfolgs (WM-Titel 2006 bei den Weltreiterspielen) in den sportlichen Ruhestand verabschiedet.

Seine engsten Wegbegleiter ehrten ihn dabei mit ganz persönlichen Kürauftritten. Mit dabei: Nicola Ströh, Weltmeisterin 2004 und 2008 und langjährige Pas-de-Deux-Partnerin Vorbergs. Ebenfalls am Start: Christoph Lensing, größtes Vorbild des mittlerweile 30-Jährigen Pferdewirtschaftsmeisters. Und selbstverständlich: Miss Vaulting persönlich, Nadia Ehning. Zum Song "What can I do" von "The Corrs" ("Wir haben dieses Lied auf unzähligen gemeinsamen Touren durch ganz Europa gehört") rührte sie Vorberg mit ihrer Darbietung zu Tränen — und sorgte in der restlos ausverkauften Albert-Vahle-Halle in der Aachener Soers für reichlich Gänsehaut im Publikum.

Es war ein wahrhaft magischer Moment. Stille herrschte auf den Rängen, während Ehning — fit wie eh und je — über dem galoppierenden Pferderücken schwebte. "Das hier mache ich nur für dich", gab sie ihrem Kollegen mit auf dem Weg. Innerhalb der Fan-Szene verbreitete sich die Überraschungskür der 34-Jährigen, vor der sie laut eigener Aussage "tierisch aufgeregt war", wie ein Lauffeuer im World Wide Web.

"Still the best vaulting queen ever" (noch immer die Beste aller Zeiten), lautete der Kommentar einer Holländerin, die das Geschehen live vor Ort verfolgt hatte. Zahlreiche Daheimgebliebene bedauerten, den wahrscheinlich (diesmal wirklich) letzten Auftritt der mittlerweile zweifachen Mutter verpasst zu haben. Corinna Weiß-Jander, Trainerin der zweiten Mannschaft von Ehnings ehemaligem Verein RSV Neuss-Grimlinghausen, konnte sich zudem ein Statement zum sportlichen Wert der Darbietung nicht verkneifen: "Du hättest mal locker gegen alle antreten können!"

Das war im Übrigen auch Bundestrainerin Ulla Ramge aufgefallen, die kurz zuvor die deutschen Teilnehmer für die diesjährigen Weltmeisterschaften in Le Mans bestimmt hatte. Die 49-Jährige war sichtlich angetan vom inspirierenden Kurzzeit-Comeback der unbestrittenen Königin des Voltigierens. Stiller O-Ton kurz nach Nadias Abgang: "Schade eigentlich, dass die Nominierungen schon durch sind."

(NGZ/rl)