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Damen-Projekt des HTC SW Neuss von Stadt gefördert

Hockey bei SW Neuss : Stadt fördert Damen-Projekt des HTC

Der HTC SW Neuss will an glorreiche Zeiten im Damen-Hockey anknüpfen. Wie das erreicht werden soll, hat er in einem ausführlichen Projektplan dargestellt. Die Politik ist überzeugt davon und unterstützt das Vorhaben finanziell.

Als der Düsseldorfer HC im Mai mit seinen Hockey-Damen erstmals den Feldtitel als Deutscher Meister feierte, kam ein Problem des HTC SW Neuss mal wieder deutlich zum Vorschein. Bei den Düsseldorferinnen hatten in Luisa Steindor (31), Annika Sprink (25), Patricia Strunk (18) und Lilly Otten (17) gleich vier Spielerinnen mit HTC-Vergangenheit ihren Anteil am Erfolg, während die erste Damenmannschaft aus Neuss auf dem Feld in der Oberliga ganz weit weg ist von der deutschen Spitze. Das heißt, in Neuss wird auch im weiblichen Bereich traditionell exzellente Nachwuchsarbeit geleistet, doch seit dem Bundesliga-Rückzug im Jahr 2014 kann der Verein davon nicht mehr profitieren. Damit das nicht so bleibt, hat der HTC in der Corona-Zeit einen ausführlichen Projektplan aufgelegt, um dem weiblichen Hockey neues Leben einzuhauchen.

Offenbar so überzeugend, dass jetzt auch die Stadt Neuss das Projekt über drei Jahre mit einer stattlichen Summe unterstützt. Der Rat hat entschieden, dass 2021 ein Zuschuss in Höhe von 5000 Euro fließt, danach soll es jährlich mindestens die gleiche Summe geben, maximal aber 10.000 Euro. Der Sportausschuss wird den jeweiligen Zuschuss festlegen. Innerhalb einer Sitzung dieses Gremiums am 15. Juni hatte HTC-Jugendwartin Annette Weeres das professionell aufbereitete und detaillierte Projekt auch erstmals vorgestellt. Dass jetzt klar ist, dass sich die Stadt mit Zuschüssen einbringt, sorgt bei ihr für große Freude. „Das ist überaus großzügig. Wir können jede Hilfe gebrauchen“, sagt Weeres mit Blick auf die geschätzten Kosten von knapp 120.000 Euro für drei Jahre. Den größten Batzen muss der Verein also selbst stemmen „Jetzt wo die Stadt dabei ist, hoffen wir aber, dass auch noch Sponsoren hinzukommen, die uns unterstützen“, erklärt Weeres.

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Dass die Stadt Neuss sich überhaupt finanziell beteiligen kann, liegt an einer Umstellung Sportförderrichtlinien. Neben der Unterstützung von Teams in den höchsten Wettkampfligen können Vereine Zuschüsse für zukunftsweisende und gemeinwohlorientierte Projekte im Sinne des Sportentwicklungsplans bekommen. „Und weil wir der Meinung sind, dass wir die Kriterien für eine Förderung erfüllen, haben wir eben einen Antrag gestellt“, sagt Weeres. Im Sportausschuss stießen die Pläne des HTC jedenfalls auf großes Wohlwollen. Einzig Mario Meyen, Sportpolitischer Sprecher der CDU, warf ein, dass darauf zu achten sei, dass Vereine nicht einzelne Mannschaften in höhere Ligen bringen wollten und das dann mit einem Projektlabel versehen.

Wohl auch mit Blick darauf, dass das HTC-Projekt vorsieht, mit der ersten Damenmannschaft in den nächsten drei Jahren in die Regionalliga aufzusteigen und dabei offen darlegt, dass auch Kosten für externe, aber auch Spielerinnen aus dem eigenen Stall anfallen. Etwa wenn es darum geht, besonderes Training, Fahrtkosten und Material zu unterstützen. Doch das ist für Annette Weeres kein Widerspruch zum insgesamt gemeinwohlorientierten Ansatz des Projekts. „Wenn wir den weiblichen Bereich wieder nach vorne bringen wollen, geht das nur über ein Zusammenspiel von Breiten- und Leistungssport“, betont die HTC-Jugendwartin. Sie bekleidet seit sechs Jahren das Amt und ist schon in etlichen Gesprächen mit aussichtsreichen Talenten damit konfrontiert worden, dass ihnen die Perspektive an der Jahnstraße fehlt. Eine Perspektive, die beim HTC SW Neuss früher in schöner Regelmäßigkeit Nationalspielerinnen bis hin zu WM- und Olympiateilnehmerinnen hervorbrachte.

Jetzt geht es aber zunächst darum, mit Hilfe des im vergangenen Jahr verpflichteten Trainers Jules Smolenaars aus den Niederlanden die Erstvertretung nach oben zu führen, möglichst eine zweite Mannschaft ins Leben zu rufen und parallel dazu, weitere Talente zu entwickeln, die die aktuelle Lücke zum Frauenteam schließen können. Dazu soll zum Beispiel in die Qualifikation von Trainern investiert, sollen aktiv neue Mädchen in den Verein geholt und Mannschaften die Teilnahme an Turnieren im Ausland ermöglicht werden. Annette Weeres: „Wir haben viel Planungszeit und auch Geld in das Projekt investiert und sind froh, dass es jetzt endlich richtig losgehen kann.“