Cosima Clotten vom Neusser RV ist NGZ-Sportlerin des Monats Oktober

Rudern: Nur bei Eis wird Cosima Clotten schwach

Ansonsten ist die 18 Jahre alte Leichtgewichtsruderin des Neusser RV extrem ehrgeizig, sehr zielstrebig und ungemein konsequent.

Zum zweiten Mal nach Juni 2017 „NGZ-Sportlerin des Monats“ – Cosima Clotten findet’s klasse. „Das freut mich, klar“, sagt die 18-Jährige, als die gute Nachricht sie am Freitagmorgen erreicht. Da hat die Leichtgewichtsruderin des Neusser RV ihre erste Trainingseinheit auf dem Essener Baldeneysee bereits hinter sich. Von nix kommt nix! Und doch ist die bei den Deutschen Sprintmeisterschaften in Münster zweimal mit Gold bedachte Frühaufsteherin nicht vollends zufrieden. Denn eigentlich, fügt sie freundlich, aber bestimmt an, stünde ihrer Partnerin Cecilia „Cece“ Sommerfeld diese Ehrung ebenfalls zu. „Sie hatte schließlich genau den gleichen Anteil an den Siegen, für die ich jetzt auszeichnet werde.“

Mit den auf dem Aasee eingebrachten Titeln im Doppelvierer ohne Steuerfrau (mit Olivia Clotten und Helena Spanke) und Doppelzweier verabschiedet sich Cosima Clotten von den Juniorinnen und rückte in die Altersklasse U23 auf. Die Ambitionen bleiben unverändert hoch: „Das Ziel ist die U23-WM 2019“, sagt ihr Heimtrainer Christian Stoffels (NRV). „Und das kann sie schaffen, denn sie ist extrem ehrgeizig, sehr zielstrebig und ungemein konsequent.“ Das gilt freilich nicht nur für den Sport, sondern auch fürs Studium. Am 1. Oktober hat sie an der Ruhr-Universität Bochum ihre akademische Laufbahn im Fachbereich Philosophie begonnen, parallel zu ihrem Wechsel an den Bundesstützpunkt Nachwuchs in Essen. Ihr Alltag sieht seither so aus: Punkt 8 Uhr rauf aufs Wasser, danach zur Uni und hinterher direkt die zweite Trainingseinheit. „Freitags habe ich ich keine Vorlesungen, dann kann ich auch mal nach Hause fahren.“ Welch ein Luxus!

Doch Stress ist relativ. „Das passt schon“, versichert die 18-Jährige, die sich fest vorgenommen hat, die Regelstudienzeit einzuhalten. „Klar, man kriegt während der Vorlesungen nicht direkt alles in den Kopf, muss sehr viel  vor- und nacharbeiten. Aber während meiner Schulzeit am Marienberg-Gymnasium habe ich gelernt, das Richtige zu lernen.“ Richtig lernen ist die eine Sache, richtig essen die andere, denn für eine Leichtgewichtsruderin kann die Waage leicht zum größten Feind werden. 61 Kilogramm im Winter, sogar nur 57 Kilogramm im Sommer – mehr ist für sie bei einer Körpergröße von knapp über 1,70 Meter nicht drin. „Da musst du dich beim Essen schon ein bisschen disziplinieren“, räumt sie ein, „musst dich daran erinnern, dass du den Schokoladenkeks lieber weglässt.“ Gleich komplett auf Süßigkeiten zu verzichten, käme ihr und ihren Disziplinkolleginnen freilich niemals in den Sinn. Die Jumbo-Portion Eis nach einem fordernden Wettkampf muss einfach sein. „Darauf freuen wir uns immer alle.“ Freudlose Hungerhaken haben im Ausdauer- und Kraftsport Rudern keine Chance.

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 Und dann wäre da noch die Sache mit dem Wintertraining. Bei eisigem Wind und Nieselregen ins Boot, um in 1:45 Stunde insgesamt bis zu 18 Kilometer abzureißen, ist eine ziemlich spaßbefreite Beschäftigung. Sicher, der Baldeneysee hat als Trainingsquartier schon rein landschaftlich mehr zu bieten als der Neusser Hafen, doch gegen die Kälte hilft die schöne Optik nicht. Für die Füße gibt es spezielle Schoner, Handschuhe für die klammen Finger sind bei Riemen-Athleten indes verpönt. „Das fühlt sich irgendwie nicht richtig an, außerdem werden die sofort nass“, sagt Cosima Clotten. Für eine kurze Auszeit sorgt darum lediglich die obligatorische Wende nach vier Kilometern. Ruderer sind nicht nur gesellige, sondern ganz offensichtlich auch sehr genügsame Menschen.

Also macht die angehende Psychologin unverdrossen weiter, bereitet sich auf die Langstrecke (mit Ergometertest)  am ersten Adventswochenende in Dortmund vor. Die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio sind dagegen bestenfalls ein Randthema, darf doch nur der stark frequentierte Doppelzweier in den Kampf um die Medaillen eingreifen.  „Um einen von nur zwei Startplätzen mitzufahren, ist für mich in meiner ersten U23-Saison eher unrealistisch“, sagt sie. Aber: Geduld, Vernunft und Zeit macht möglich die Unmöglichkeit ...

Bernd Kluth aus Neuss erhält den Trainingsgutschein der medicoreha Neuss, Preußenstraße 84a. Der Gutschein wird auf dem Postweg zugesandt, bitte einen Termin unter 02131/8900 vereinbaren.

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