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Corona-Interview mit Georg Otten, Vorsitzender der Crash Eagles Kaarst.

Interview mit Georg Otten : „Wir alle liegen in einem künstlichen Koma“

Der auch als Trainer tätige Vorsitzende des Skaterhockey-Erstligisten Crash Eagles Kaarst verliert in der Corona-Krise nicht den Mut.

Der Deutsche Inline-Skaterhockey-Verband (ISHD) hat die wegen Covid-19 am 12. März ausgesprochene Spielbetriebssperre bis zum 28. Juni verlängert. Der Vorstand um Ingo Goerke geht derweil sogar davon aus, dass eine Freigabe des Spielbetriebs frühestens Ende August/Anfang September zu erwarten sei. Bis Ende April sind damit bereits 300 Partien ausgefallen, bis zum 30. Juni werden es insgesamt 730 sein – fast 70 Prozent der am 15. Februar eröffneten Saison.

Trotzdem ist es dem ISHD-Vorstand wichtig, die Spielzeit 2020 bis Ende Dezember abzuschließen und keinen Wettbewerb mit ins neue Jahr zu nehmen. Mit Blick auf das immer kleiner werdende Zeitfenster und die daraus resultierende Hallenproblematik präferiert der Verband eine Teilung der einzelnen Ligen in jeweils zwei Gruppen, um die Anzahl der Spiele massiv zu reduzieren. Sollte wider Erwarten die Möglichkeit bestehen, den Spielbetrieb früher starten zu können, gäbe es entsprechende Pläne. Wie sich die Situation in den Vereinen darstellt, sagt Georg Otten, Vorsitzender des deutschlandweit für seine vorbildliche Jugendarbeit geachteten viermaligen Deutschen Meisters Crash Eagles Kaarst, im Gespräch mit der NGZ-Sportredaktion.

Herr Otten, wie ist die Lage?

Georg Otten Mies! Unser Problem ist, wir brechen jetzt nicht eine Saison ab, sondern haben noch gar nicht richtig angefangen. In der Bundesliga konnten bis zum 8. März insgesamt gerade mal fünf Begegnungen ausgetragen werden, manche Kinder haben noch kein einziges Spiel gemacht. Wenn sich nicht signifikant was tut, wird es ganz schwierig.

Was heißt das?

Otten Bitter ist das vor allem für die Kinder- und Jugendlichen. Rund 170 unserer aktiven Vereinsmitglieder sind unter 18, denen fällt zu Hause langsam das Dach auf den Kopf. Sauer macht mich darum, wenn es heißt, in der Corona-Krise sei der Sport total unwichtig. Das ist er für viele Menschen nämlich sehr wohl. Ich wünschte mir da einfach eine größere Akzeptanz in Politik und Gesellschaft.

Viele Sportvereine klagen zudem über massive finanzielle Probleme, sind sogar von der Insolvenz bedroht. Wie sieht das bei den Crash Eagles aus?

Otten Wirtschaftlich betrifft uns der Corona-Lockdown nicht. Wir sind in den vergangenen Jahren mit den Play-off-Teilnahmen gut durch die Saison gekommen, haben sogar Rücklagen für Anschaffungen bilden können. Unsere Trainer sind fast ausschließlich aktive Spieler, für die ist der Job im Verein ohnehin nicht mehr als ein Zubrot. Für ihre während der Krise geleistete Arbeit wollen wie sie demnächst zumindest mit einer kleinen Geste belohnen. Aber was nützt mir das auf diese Weise eingesparte Geld? Ich will am Jahresende nicht 20.000, 30.000 Euro auf dem Konto haben. Ich will spielen! Dinge, die ich vorher nur sehr ungern erledigt habe, etwa die Verwaltung der Hallenzeiten, würde ich jetzt liebend gerne machen.

Was tut der Verein, um seinen Nachwuchs in der erzwungenen Zwangspause bei Laune zu halten? Wie halten die Adler trotz aller verordneten Einschränkungen Kontakt zu ihren Spielern?

Otten Ich sag’s mal so: Die Crash Eagles liegen – und das gilt auch für alle anderen Skaterhockeyvereine – sprichwörtlich im künstlichen Koma. Die beiden Nachwuchstrainer Marcus Drücker und Jochen Nowak haben daher nach Möglichkeiten gesucht, mit den Teams zu kommunizieren und haben nun eine interne Hockey-Challenge ins Leben gerufen. Dabei können die Nachwuchscracks ihr Können beweisen und das Ergebnis dann per Video an die Trainer schicken. Dem Wochengewinner winkt ein kleiner Preis.

Wie sehen diese Herausforderungen aus?

Otten Ach, nichts Besonderes. Felix Wuschech, Spieler unserer Bundesliga-Mannschaft, hat zum Beispiel mit dem Ball um eine Klorolle herum gedribbelt. Das konnte man dann nachmachen – und der Gewinner bekam einen Gutschein für die Pizzeria, die PlayStation oder Amazon im Wert von zehn Euro. Denn Preise gibt es für die Jungs – zumindest international – dieses Jahr ja nicht zu gewinnen. Die Europapokale im Nachwuchsbereich werden 2020 nicht ausgespielt, was gerade für uns bitter ist, schließlich hätten sowohl die U13 als auch die U16 und die U19 teilgenommen – den EuroCup der U16 hätten wir Ende Juni sogar ausrichten dürfen. Eine Veranstaltung, die auch ganz wichtig für uns als Verein gewesen wäre, denn bei diesen Events helfen alle Mitglieder mit, rücken alle ganz eng zusammen.

In welchen Bereichen trifft die Eagles die Corona-Krise noch?

Otten Wir waren mit großem Elan ins Jahr gestartet, hatten viel vor: Hockeycamp für den Nachwuchs, Kooperation mit einer Grundschule, neuer Internetauftritt, einen Online-Shop ... Im Rahmen der Corona-Krise geht übrigens ein Euro pro Einkauf an das Kultur-Cafe Einblick – und einen weiteren Euro legen die Crash Eagles dann noch obendrauf. Auch der Förderverein Eagles-Plus hatte hier schon zu Beginn der Krise geholfen.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, wie lautete der?

Otten Jeder Schritt zurück zur Normalität zählt, mag er auch noch so klein sein. Mein erster Wunsch ist, dass wir wieder in den Trainingsbetrieb kommen, von mir aus auf einem Außenplatz ohne Inliner, nur mit Schläger – und natürlich mit ausreichendem Abstand. Darum haben wir schon unsere Fühler nach Uedesheim ausgestreckt, um mit den Chiefs über die Nutzung ihrer Anlage zu sprechen. Wenn das klappt, würden wir das sofort machen. Wir müssen positiv denken. Et hätt noch immer jot jejange.

Gibt es etwas, was Sie aus dieser schweren Zeit für sich persönlich mitnehmen?

Otten Man lernt Demut und Dankbarkeit für alles, was man vorher hatte.