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Corona im Rhein-Kreis: Nach den Lockerungen im Sport bleiben fragen

Fakten & Hintergrund : Sport atmet auf – doch es bleiben Fragen

Nach den in der Bund-Länder-Runde vereinbarten Lockerungen machen sich Vereine an schwierige Umsetzung.

Die Erleichterung bei den rund 18.300 Sportvereinen in Nordrhein-Westfalen nach den am Mittwoch verkündeten Ergebnissen der Beratungen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Länder war riesig: Wie vom Landessportbund NRW nach intensiven Vorgesprächen erhofft, durfte nämlich auch der unverzichtbare Vereinssport bereits ab Donnerstag seine rund 5,1 Millionen Mitglieder wieder unter freiem Himmel in Bewegung bringen. Ab Montag soll die wochenlang vermisste sportliche Betätigung dann sogar in Sporthallen, Kursräumen und in Fitnessstudios erlaubt sein – natürlich unter strengster Beachtung der gültigen Abstandsregeln und Hygienevorschriften.

Überzeugendes Konzept „Es soll nicht überheblich klingen, aber in Zusammenarbeit mit der Landesregierung und unseren Mitgliedsorganisationen haben wir unsere Hausaufgaben ordentlich erledigt und ein überzeugendes Konzept ausgearbeitet, wie sich Breitensport-Aktivitäten mit den besonderen Umständen vernünftig unter einen Hut bringen lassen“, stellte LSB-Präsident Stefan Klett zufrieden fest. „Deshalb hätte uns eine weitere Verlängerung der Zwangspause wirklich sprachlos gemacht.“ In der nur allzu verständlichen Euphorie entging den meisten indes die von NRW-Regierungschef Armin Laschet im Hinblick auf die Lockerungen gemachte Einschränkung: „Das werden vielleicht nicht alle am Montag machen, weil die Konzepte noch nicht fertig sind. Aber die rechtliche Möglichkeit besteht.“

Der Teufel steckt im Detail I Genau das ist das Problem von Michael Ritters, Vorsitzender des Tennis-Clubs Grün-Weiß Neuss: „Die Politik hat das Go für kontaktlose Sportarten im Freien gegeben – und viele meinen nun, dass auch unsere Anlage ab sofort wieder geöffnet wäre. Aber dies ist leider nicht der Fall!“ Die Details zur Freigabe der Plätze, zu Reservierungen für Stoßzeiten sowie zu Abläufen und Vorschriften, die einzuhalten seien, müssten erst der Landesregierung NRW bzw. dem Deutschen Tennis-Bund (DTB) und dem Tennisverband Niederrhein offiziell vorliegen. „Entwürfe unsererseits gibt es natürlich bereits, aber die müssen wir erst entsprechend anpassen und umsetzen, wenn denn endlich die offiziellen Vorgaben der entsprechenden Behörden vorliegen – unter anderem von der Stadt Neuss.“

Der Teufel steckt im Detail II Die anfängliche Sektlaune war auch bei Klaus Ehren, Geschäftsführer des mit 5613 größten Neusser Sportvereins schnell verflogen. Der Plan, wie das rund 400 Quadratmeter große Außengelände hinter dem Vereinsheim der Turngemeinde Neuss an der Schorlemerstraße sowie die angeschlossene Sporthalle jetzt zu nutzen sind, liegt zwar fertig auf dem Schreibtisch, doch bereitet nun eine nicht ganz eindeutige Formulierung in den vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ausgearbeiteten zehn Leitplanken zur Wiederaufnahme des vereinsgebundenen Sportbetriebs Kopfzerbrechen.

Es heißt: „Durch die Bildung von kleineren Gruppen beim Training (bis zu fünf Personen), die im Optimalfall dann auch stets in der gleichen Zusammensetzung zusammenkommen, wird das Einhalten der Distanzregeln erleichtert und im Falle einer Ansteckungsgefahr ist nur eine kleinere Gruppe betroffen bzw. mit Quarantäne-Maßnahmen zu belegen.“ Die Frage, ob pro Trainingsgruppe tatsächlich nur fünf Sportler erlaubt sind, trieb am gestrigen Donnerstag Sportamtsleiter Uwe Talke und Jörg Geerlings, der in seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender der TG deshalb sogar bei der Staatskanzlei NRW vorstellig wurde, um. Ehren: „Bis das nicht geklärt ist, können wir eigentlich gar nichts anbieten.“

Der Teufel steckt im Detail III  Für Verunsicherung sorgt auch die Ankündigung der Bund-Länder-Runde, dass „Fitnessstudios, Tanzschulen und Sporthallen/Kursräume der Sportvereine“ ab Montag wieder geöffnet werden könnten. Ob mit der Formulierung „Sporthallen der Sportvereine“ ausschließlich vereinseigene Hallen gemeint sind, ist auch Christian Stoffels, Stellvertretender Leiter des Neusser Sportamts, nicht ganz klar. Die große Sporthalle an der Schorlemerstraße sei zwar städtisch, werde aber von der TG Neuss betrieben. Am Montag sollen dort die Neusser Zweitliga-Basketballerinnen wieder ins Training einsteigen.

Radsport witterte seine Chance Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) hofft angesichts der Lockerungen indes auf eine zügige Rückkehr von kleineren Breitensport-Veranstaltungen. Er sei optimistisch, dass mit einem umfangreichen Hygienekonzept „Radtourenfahren, Countrytourenfahren, Radwandern, Marathons und Jedermannrennen noch im Verlauf des Sommers möglich sind“, sagt der stellvertretende Präsident Peter Koch.

Freitag soll Klarheit bringen In einer Pressekonferenz kündigte Andrea Milz, NRW-Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt, an, dass es bis heute Mittag passgenaue Ausführungsbestimmungen geben werde.  Sie warnte jedoch davor, sich auf den 30. Mai zu stürzen, wenn Wettkämpfe in allen Sportarten wieder möglich sein sollen. „Das ist nur eine Richtgröße.“  Es müsse immer wieder neu geprüft werden, was gelockert werden könne und was nicht. Wer unsicher sei, dem empfahl sie einen Blick in die geltende Coronaschutzverordnung. „Die ist in jedem Fall maßgebend.“