Jüchen: Christen aus ganz Europa in Jüchen

Jüchen : Christen aus ganz Europa in Jüchen

Die evangelische Hofkirche am Markt in Jüchen war am Wochenende Treffpunkt für Christen aus zahlreichen Ländern. Unter dem Motto "Gemeinsam unterwegs" erfuhren die Jüchener viel über die Kirchenkultur in Italien und Rumänien.

Etwas versteckt hinter Häusern liegt die Hofkirche der evangelischen Kirchengemeinde Jüchen am Markt. Doch nun war sie ein Mittelpunkt für Christen aus vielen Ländern Europas und darüber hinaus — etwa aus Italien und Rumänien, Ungarn, Slowenien und Brasilien. Anlass war das Jahresfest des evangelischen Gustav-Adolf-Hilfwerks (GAW) im Kirchenkreis Gladbach-Neuss. "Unter dem Motto ,Gemeinsam unterwegs' wollen wir mit unserem ,Abend der Begegnungen' die Freundschaft und Partnerschaft zu verbündeten Gemeinden im In- und Ausland aufrecht erhalten", sagt Pfarrer Horst Porkolab.

Über 100 Gläubige versammelten sich dazu im Jüchener Gotteshaus. Das besondere Augenmerk des Begegnungsabends richtete sich auf zwei langjährige Partnerschaften, die das GAW Rheinland seit Jahrzehnten pflegt. Das Hilfswerk beschäftigt sich seit 1832 mit der Kommunikationsförderung zwischen größeren und kleineren Kirchengemeinden.

In welchen Punkten unterscheiden sich evangelische Gemeinden in Rumänien und Italien von den deutschen? Die Pfarrer Johannes Halmen aus Schäßburg in Rumänien und Hiltrud Stahlberger-Vogel aus Ferentino zwischen Rom und Neapel erzählten von der Entwicklung der Gemeinden in ihrer Region und vermittelten den zahlreichen Besuchern anhand von Präsentationen Eindrücke vom Kirchenalltag dort. "In ganz Rumänien gibt es gerade einmal 40 evangelische Pfarrer", berichtet Regionaldekan Johannes Halmen, der Vertreter einer evangelischen Minderheitskirche in dem Land ist. Das Aussterben vieler Glaubensgemeinden sei in seiner Region zu einem Problem geworden, doch er habe es sich zur Aufgabe gemacht, Gottes Auftrag zu erfüllen und Gläubige anzuwerben.

"Wie in Deutschland legen auch in Rumänien viele evangelische Christen immer noch großen Wert auf alte Traditionen, wie das gegenseitige Vergeben vor dem heiligen Abendmahl", schildert Halmen. "Trotz einiger Unterschiede ist es doch der Glaube, die Hoffnung und die Liebe, die uns auch über die Grenzen hinaus verbindet", sagt Pfarrer Horst Porkolab, der große Freude daran hat, "Gott gemeinsam mit Glaubensgeschwistern zu loben". Und Harald Ulland, Pfarrer und Assessor, erklärt: "Trotz der Unterschiede in Sprache und Lebensweise sind wir uns nicht fremd."

Hiltrud Stahlberger-Vogel, die aus Baden-Württemberg stammt, berichtete über die inzwischen 26-jährige Partnerschaft zwischen ihrer Kirche und dem Kirchenkreis Gladbach-Neuss: In Ferentino fungiert ein dreistöckiger Altbau an einem der typisch-italienisch Gässchen als Gotteshaus. "Wir legen sehr viel Wert auf das gemeinsame Beten und Essen", sagt sie.

Die Jüchener erfuhren aber auch, was die Menschen in Ferentino bedrückt: "Viele Bürger erkranken in der Industriestadt früh an Krebs, weil dort ohne Schutz giftige Pestizide hergestellt wurden", erläutert Stahlberger-Vogel.

(NGZ)
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