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Reitsport: CHIO als Trainingswettkampf "de luxe"

Reitsport : CHIO als Trainingswettkampf "de luxe"

Die Voltigierer des RSV Neuss-Grimlinghausen treten mit akuten Personalsorgen beim prestigeträchtigen Reitturnier an.

Der handelsübliche Parallelbarren aus dem Gerätturnen ist im Voltigiersport eines der geeignetsten Sportgeräte zur Trainingsergänzung überhaupt. Schwünge, Stütze, diverse Haltemomente und die unabdingbare Ganzkörperspannung lässt sich auf und zwischen den beiden Holzholmen mit Metallkern hervorragend und abwechslungsreich trainieren. Das weiß auch Jessica Schmitz und lässt ihre EM-Anwärterinnen daher regelmäßig an den Stangen hängen.

Seit vergangener Woche jedoch hat der gute Ruf des Neusser Barrens einen Knacks. Ebenso wie der zweite Brustwirbel von Antonia Fahle. Die 18-Jährige verlor den Halt und stürzt kopfüber auf die Turnmatte. Derlei Fehlversuche kommen sowohl bei Voltigierern als auch bei den Kollegen ohne Pferd des Öfteren vor. Im Falle der Neusserin jedoch verursacht das Malheur eine sechswöchige Trainingspause. Nur so kann gewährleistet werden, dass der Haarriss (so die ärztliche Diagnose) verheilen kann.

Für Schmitz ist es nicht der erste Ausfall. Die Leistungslücke der verletzten Julia Dammer (Kreuzbandriss) sollte eigentlich durch das Comeback von Antje Hill geschlossen werden. Dafür wurde in den vergangenen Wochen hart gearbeitet. Die Bekanntgabe der Neu- beziehungsweise Alt-Besetzung durch die 25 Jahre alte Vize-Weltmeisterin von 2010 war für diese Woche angesetzt. Nun kommt alles anders. Die EM steigt Anfang August im österreichischen Ebreichsdorf. Und da Antonia Fahle in der unmittelbaren Vorbereitung aufgrund des Komplett-Sportverbots sechs Wochen fehlen, mussten für das prestigeträchtige CHIO in Aachen in dieser Woche bereits Saison umfassende Alternativen her. Da sich die Junioren ebenfalls auf die kontinentalen Titelkämpfe vorbereiten und deshalb aus diesen Reihen nicht nachgezogen werden kann, lautet die Lösung: Eine weitere Athletin aus dem Kader der vergangenen Jahre wird reanimiert. Auserkoren wurde Elisabeth Simon, die noch im letzten Jahr aktiv war und sich — unter anderem für die Showreihe in Katar — fitgehalten hatte.

Das Turnier in der ehrwürdigen Aachener Albert-Vahle-Halle, welches die Neusser seit 2006 bereits sechs Mal für sich entscheiden konnten, wird demnach aus Sicht der Rheinländerinnen zum Reservistentreffen. Die Rollen-Umbesetzung in der Kür wäre für Schmitz nicht weiter kompliziert gewesen, wenn die Personalie Fahle für die EM nicht so vakant wäre.

Da auf dem Nixhof aber davon ausgegangen werden muss, dass die Abiturientin bis zu den kontinentalen Titelkämpfen nicht im Vollbesitz ihrer Leistungsfähigkeiten sein wird, muss auf ganzer Linie umdisponiert werden. Heißt für Aachen: Eine bereits komplett auf die neue Besetzung zugeschnittene Version der Kür soll präsentiert werden, um besser für den Ernstfall in Österreich gewappnet zu sein. Dadurch erhält Teammitglied Pauline Riedl noch größere Anteile in der Gesamtchoreografie. "Eine einfache und schnelle Lösung halte ich nicht für sinnvoll. Der Höhepunkt ist die EM, da müssen wir klare Prioritäten setzen", erklärt Schmitz.

In dieser Notlage rückt nun auch der erneute Wettstreit mit den bundesweit stärksten Konkurrenten vom VV Ingelsberg aus Bayern in den Hintergrund. Da vom ursprünglich geplanten Stammteam nur noch zwei Drittel übrig geblieben sind und das neue Gespann aufgrund der knappen Zeit begrenzte Möglichkeiten hatte, sich einzuspielen, wird Aachen als eine Art Trainingswettkampf mit sehr hohem Stellenwert angegangen. Schmitz bleibt dabei gelassen. Die 31-Jährige weiß um die Fähigkeiten ihrer Schützlinge. Ein wenig Nervosität lässt sich aber angesichts einer solchen Lage selbst in Neuss nicht vermeiden.

(NGZ/ac)