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Korschenbroich/Meerbusch: Chefarzt gegen Therapieklinik: Gütetermin gescheitert

Korschenbroich/Meerbusch : Chefarzt gegen Therapieklinik: Gütetermin gescheitert

Bei dem Verfahren vor dem Arbeitsgericht in Düsseldorf zwischen der St.-Mauritius-Therapieklinik und dem Ex-Chefarzt dürfte es um einen Millionenbetrag gehen. Der Mediziner klagt gegen die fristlose Kündigung.

Summen wurden am Mittwoch keine genannt. Doch es dürfte um einen Millionenbetrag gehen. Der fristlos entlassene Chefarzt und sein früherer Arbeitgeber – die St.-Mauritius-Therapieklinik in Osterath – trafen sich zum Gütetermin vor dem Arbeitsgericht in Düsseldorf. Doch von Güte keine Spur. Schon bei privaten Schlichtungsgesprächen am Montag habe es keine Annäherung gegeben, erklärte der Anwalt der Klinik, die durch Geschäftsführer Christian Röhrl vertreten wird.

Zum Hintergrund: Nachdem das Landgericht Stuttgart das Verfahren gegen den 56-jährigen Chefarzt aus Korschenbroich wegen des Verdachts der Bestechlichkeit beim Bau der Klinik vor gut zehn Jahren eröffnet hatte, entließ die Meerbuscher Therapieklinik den Mediziner jetzt fristlos. Der Strafprozess hat inzwischen begonnen. Ein Urteil wird im Juni erwartet. Das Vertrauensverhältnis zu dem führenden Mitarbeiter sei durch die Vorgänge erheblich erschüttert gewesen, argumentierte der Klinikanwalt. Deshalb sei eine Verdachtskündigung ausgesprochen worden. Selbst wenn der frühere Angestellte die Zahlungseingänge des ebenfalls angeklagten Bauunternehmers erklären könnte, wäre das für die erfolgte Kündigung nicht erheblich. Durch das Annehmen des Geldes etwa als Berater sei ein Interessenkonflikt entstanden, der von dem 56-Jährigen der Klinik nicht offenbart worden sei, sagt der Jurist. Jeder Bankangestellte müsse seine Nebentätigkeiten angeben.

Eine Verdachtskündigung sei grundsätzlich möglich, wenn ein dringender Tatverdacht bestehe, erklärte der Vorsitzende Richter Dr. Michael Gotthardt. Ob allerdings die formalen Anforderungen – wie die Anhörung der Mitarbeitervertretung und die des Beschuldigten – in ausreichendem Maße beachtet worden seien, daran hegte Gotthardt offenbar Zweifel. Lediglich eine Seite Protokoll bei diesen massiven Vorwürfen, das erscheine ihm doch recht wenig.

Der Rechtsbeistand des Ex-Chefarztes führte an, dass der Zeitpunkt der Kündigung nicht plausibel sei. Spätestens seit den Hausdurchsuchungen hätte der Arbeitgeber Kenntnis von den Ermittlungen gegen seinen Mandanten haben müssen. Außerdem sei in den bisherigen Vergleichsgesprächen stets von der Schuld des Mediziners ausgegangen worden. Was sich wohl nachteilig auf die Höhe einer möglichen Abfindung auswirkt. Der Vorschlag Gotthardts, beiden Parteien doch noch ein schriftliches Vergleichsangebot zukommen zu lassen, wurde akzeptiert. Mündlich kam es am Mittwoch zu keiner Übereinkunft. Gotthardt machte ferner deutlich, dass er nicht daran denke, das Verfahren bis zum Urteil in der Strafsache auszusetzen. Am 6. April will er in der arbeitsrechtlichen Streitsache verhandeln.

(NGZ)