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Cecilia Sommerfeld aus Neuss rudert bei U23-EM in Duisburg zu Silber

Rudern : Cecilia Sommerfeld rudert zu EM-Silber

Bei den in Duisburg ausgetragenen Europameisterschaften holen U23-Ruderinnen des Neusser RV im Leichtgewicht zwei Medaillen.

Die mutige Flucht nach vorne des noch sehr jungen U23-Doppelvierers auf der Regattabahn im Sportpark Wedau ist mit der Silbermedaille belohnt worden. Im Finale der Leichtgewichts-Ruderinnen lagen Cecilia „Cece“ Sommerfeld (Neusser RV), Pia Otto (Köln), Natalie Weber (Koblenz) und Antonia Wuerich (Marbach) bei der 250-Meter-Marke sogar noch recht deutlich vorne. Der verwegene Plan, das turmhoch favorisierte Boot der Italienerinnen Sara Borghi, Bianca Saffirio, Ilaria Corazza und Arianna Passini mit der Attacke aus der Fassung zu bringen, schlug zwar fehl, „doch auch Platz zwei ist natürlich klasse“, stellte Trainer Christian Stoffels (Neusser RV) einordnend fest. „Das ist eine großartige Leistung, damit kann man hochzufrieden sein.“

Ihren ersten „Auftritt“ hatte Cece Sommerfeld bereits unmittelbar vor dem Start des lediglich der Bahnverteilung für das Finale dienenden Vorlaufs am Samstag. Mitten in die nur von der Stimme des Starters unterbrochenen Stille platzte das verbale Warnsignal der 19-Jährigen: „Stopp!“ Der Doppelvierer des Deutschen Ruder-Verbandes funkte S.O.S. Und das war passiert: Der Bug des extrem kurzen DRV-Bootes war irgendwie aus dem Startschuh gerutscht. Also alles noch mal von vorne: Konzentration aufbauen, neues Adrenalin in den ohnehin bis zum Anschlag angespannten Körper pumpen. Das gelang dem jungen „Team Deutschland“ gut, nach 500 Metern lagen Cece & Co. vorne. Am Ende holten sich die favorisierten Italienerinnen mit einem Vorsprung von knapp vier Sekunden den Sieg vor den Gastgebern mit der Endzeit von 6:45,89 Minuten. Schon da ahnte der erfahrene Trainer Christian Stoffels: „Da könnte eine Medaille drin sein, denn die anderen Boote haben nicht rausgenommen. Nur die Italienerinnen, auch wenn sie nicht mehr die Mannschaft der vergangenen Jahre haben, sind eine Macht. Die sind vor allem auf der zweiten Hälfte sehr stark gefahren.“

Der deutsche Doppelzweier mit Cosima Clotten am Schlag und Luise Asmussen im Bug fährt auf der Regattabahn in Duisburg-Wedau auf den dritten Platz. Foto: Benno Spanke

Durchaus auf mehr als Bronze gehofft hatten Cosima Clotten (Neusser RV) und Luise Asmussen (Vegesacker RV) im leichten Doppelzweier. Doch schon im Vorlauf machte den beiden die große Anspannung zu schaffen. Ihnen gelang es nicht, die bärenstarken Italienerinnen Giulia Mignemi und Silvia Crosio unter Druck zu setzen. Ihre Dominanz war wie fast schon befürchtet erdrückend. Dass das deutsche Boot auch die Irinnen Aoife Casey und Margaret Cremen ziehen lassen mussten, kam indes überraschend.

Genau in dieser Reihenfolge fuhren die Rivalinnen um EM-Edelmetall jedoch auch im Finale über den Zielstrich. Danach resümierte Stoffels gewohnt nüchtern: „Da muss man mit zufrieden sein, mehr war nicht drin.“ Geradezu in einer anderen Welt sind in dieser olympischen Bootsklasse seit Jahren die Italienerinnen unterwegs. Stoffels: „Bei Gegenwind eine Zeit von 6:58 Minuten zu fahren, ist herausragend. Der Weltrekord im U23-Bereich steht bei 6:55 Minuten – allerdings bei Schiebenwind. Mignemi/Crosio sind jederzeit in der Lage, auch im A-Bereich ganz vorne mitzufahren.“ Der Auftritt der Irinnen, die vor einem Jahr hinter Clotten/Asmussen als Vierte eine EM-Medaille noch knapp verpasst hatten, bestätigte den Neusser Trainer nur in seinem Fazit: „Die Qualität hier war schon enorm hoch.“ Gut möglich, vermutete er, dass deshalb das Teilnehmerfeld nur aus vier Booten bestand. „Die anderen Nationen hatten sich wohl keine Chance ausgerechnet.“ Das unterstrich das Abschneiden der Schweizerinnen Olivia Nacht und Chiara Cantoni, die als Vierte das Treppchen verfehlten.

Für Cosima Clotten und ihre Partnerin aus Bremen ist die Saison damit freilich noch nicht zu Ende. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass das talentierte Duo auch bei den Europameisterschaften im A-Bereich im polnischen Poznan (9. bis 11. Oktober) für Deutschland an den Start geht. Dort ist in der Kleinenbroicherin Alexandra Höffgen noch eine zweite Athletin des Neusser Rudervereins im Einsatz. Der Traum von Olympia 2021 in Tokio lebt also weiter.