Lokalsport : Bye bye, Dritte Liga

Vor einem Jahr spielten noch drei Klubs aus dem Rhein-Kreis in der 3. Handball-Liga, in der neuen Saison keiner mehr.

Eine Liga verabschiedet sich, zumindest vorübergehend, aus der heimischen Sportlandschaft. Besaß der Rhein-Kreis bis vor einem Jahr ein Alleinstellungsmerkmal - drei Handball-Klubs in der Dritten Liga - geht in der Saison 2018/19 dort keiner mehr auf Punktejagd.

Dem HC Rhein Vikings als Nachfolger des Neusser HV fehlen noch zwei Zähler aus fünf Spielen zum sicheren Verbleib in der Zweiten Liga, in die der TSV Bayer Dormagen gerade zum vierten Mal in seiner Vereinsgeschichte aufgestiegen ist. Während der TV Korschenbroich erstmals seit einem Vierteljahrhundert sein Glück in der viertklassigen Regionalliga Nordrhein suchen muss.

Nachtrauern werden der 3. Liga West höchstens die Korschenbroicher. "Wir nehmen den Aufstieg gerne an, denn das war unser Ziel, das wir jetzt sogar ein Jahr früher erreicht haben als ursprünglich geplant", sagt hingegen Dormagens Handball-Geschäftsführer Björn Barthel. Wohlwissend, dass der zweite Aufstieg unter seiner Regie nach dem von 2014 eine große Herausforderung darstellt - sportlich, wirtschaftlich und logistisch.

Logistisch, denn auf die Dormagener warten in der neuen Spielzeit 38 statt 30 Meisterschaftsspiele, was mindestens vier Doppelspieltage (freitags und sonntags) beinhaltet. Kein leichtes Unterfangen mit einem Kader, in dem bislang gerade mal zwei "Profis" stehen (von denen einer nach nur einer Saison den TSV wieder verlässt), der Rest Studium, Ausbildung oder einem Beruf nachgeht. Gleiches gilt für Trainer Ulli Kriebel, der schon für sein Drittliga-Engagement auf das Entgegenkommen seines Arbeitgebers setzen musste. "Aber wir werden unseren Weg der dualen Karriere in jedem Fall weitergehen", sagt Barthel.

Einen mit Vollprofis bestückten Kader könnten sich die Dormagener auch gar nicht leisten, selbst wenn Barthel feststellt, "dass wir wirtschaftlich besser aufgestellt sind als vor vier Jahren." Was auch daran liegt, dass einige Sponsoren im Falle eines Aufstiegs besser dotierte Verträge in Aussicht gestellt haben. Barthel geht davon aus, dass sie nach dem Vollzug - noch steht die definitive Lizenzerteilung durch die Handball-Bundesliga (HBL) aus - auch Wort halten werden.

Auf der anderen Seite bringt die Zweite Liga, unabhängig von Spieler- und Trainergehältern, deutlich höhere Kosten mit sich. War die 320 Kilometer lange Fahrt zum "Aufstiegsendspiel" nach Bremen die weiteste Anreise in der 3. Liga West, stehen nun Lübeck, Dresden, Balingen und, je nach Verlauf des Abstiegskampfes, Aue oder Konstanz auf der Reiseroute. Ziele, die nicht mal eben mit dem Bus angesteuert werden können, sondern teilweise Übernachtungen nötig machen.

Die größte Herausforderung dürfte aber die sportliche sein. Um die 20 Klubs umfassende Liga auf die Sollstärke von 18 zu verschlanken, gibt es in der neuen Saison fünf statt bislang vier Absteiger. Was zu einem beispiellosen Hauen und Stechen führen dürfte. "Wenn man sieht, dass ein Verein wie der ThSV Eisenach akut abstiegsgefährdet ist, weiß man, was da auf uns zukommt", sagt Barthel. Die Eisenacher müssen in den ausstehenden fünf Spielen noch mindestens vier Punkte gegenüber dem EHV Aue auf dem rettenden 16. Tabellenplatz machen, noch schwieriger ist die Situation für HSG Konstanz (5 Punkte) und Eintracht Hildesheim (7), während seit Sonntag die HG Saarlouis als erster Absteiger feststeht.

Und mit ihrem Etat sind die Dormagener zusammen mit den Mitaufsteigern TuS Ferndorf und TV Großwallstadt am untersten Ende der Nahrungskette angesiedelt, alle anderen Zweitligisten inklusive Aufsteiger HSV Hamburg dürften in der kommenden Spielzeit über ein Budget jenseits der Millionengrenze verfügen. "Aber wir nehmen die Herausforderung gerne an", stellt Barthel klar, "auf Dauer macht die Dritte Liga für uns keinen Sinn."

Und gegenüber dem letzten Aufstieg gibt es einen wesentlichen Unterschied: Damals verließen in Simon Ernst ( VfL Gummersbach) und Moritz Preuss (Bergischer HC), die herausragenden Spieler den TSV, weil ihre Verträge ausliefen. Diesmal bleibt der Aufstiegskader bis auf Alexander Kübler, Nuno Carvalhais und Jan Hüfken zusammen. Und in Heider Thomas (HC Rhein Vikings), Benjamin Richter und Joshua Reuland (beide Longericher SC) stehen bereits drei Zugänge fest.

(NGZ)
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