Tennis : BW soll wieder eine Marke werden

Der TC Blau-Weiss Neuss hat in den vergangenen Jahren an Mitgliedern ebenso wie an Image eingebüßt. Der neue Vorsitzende Andreas Jülich, der bereits in Weimar und Wetzlar Erfahrung in der Führung von Tennisklubs sammelte, will diese Entwicklung stoppen und umkehren

Eigentlich war Andreas Jülich vor vier Jahren mit dem Auftrag zur Jahnstraße gekommen, sich um die Instandsetzung des langsam vor sich hin bröckelnden Klubhauses des TC Blau-Weiss Neuss zu kümmern. Jetzt hat der 60-Jährige gleich die Sanierung eines ganzen Vereins an der Backe.

Denn Jülich, vor drei Wochen von der außerordentlichen Mitgliederversammlung des zehnfachen Deutschen Mannschaftsmeisters als Nachfolger des zurückgetretenen Jochen Hierl zum Vorsitzenden gewählt, weiß genau, was ihn im neuen Amt erwartet: "Wir haben jede Menge Baustellen."

Das meint der gebürtige Sachse, dessen Eltern allerdings aus dem Rheinland stammen, zunächst einmal wörtlich. Denn neben dem Klubhaus, das im Inneren bereits in neuem Glanz erstrahlt, wartet auch die vereinseigene Tennishalle auf die Sanierung. "Und das dringend", sagt Jülich, beruflicherseits Fachmann für Energie und deren Einsparung, vor allem mit Blick auf die Heizung, die immer noch mit inzwischen unrentabel gewordenen Nachtstromaggregaten erfolgt.

Er meint das aber auch im übertragenen Sinne. Denn Jülich, seit vier Jahren BW-Mitglied und vor seiner Wahl an die Klubspitze Vorsitzender des Ältestenrates, ist in dieser Zeit nicht verborgen geblieben, das das einstige Aushängeschild des linksrheinischen Tennissports viel von seiner Anziehungskraft und in der Folge auch von seiner Mitgliederzahl verloren hat. Sie liegt derzeit nur noch bei 370. "Fast alle Tennisklubs haben Probleme, aber bei uns kommen noch ein paar hausgemachte dazu", sagt Jülich ohne Umschweife.

Als erstes hat er sich deshalb vorgenommen, wieder "so etwas wie ein Vereinsleben zu installieren. Die Leute müssen wieder hierher kommen und sich wohlfühlen." Da freute es ihn besonders, dass die blau-weisse Weihnachtsfeier "ausverkauft" war und sich selbst Bundesliga-Spitzenspieler Jesse Huta Galung angesagt hatte.

Denn die Bundesliga hat in seinen Augen "nach wie vor einen interessanten Stellenwert." Er verhehlt auch nicht, dass es "die Klubhistorie" war, die ihn motiviert habe, sich bei Blau-Weiss zu engagieren. Erfahrung in der Führung von Tennisvereinen besitzt Andreas Jülich reichlich: 20 Jahre gehörte er zum Vorstand des TC Weimar, nachdem es ihn beruflich ins Hessische verschlug, war er in gleicher Funktion in Wetzlar tätig. Kein Zufall, dass beide Klubs inzwischen eine innige Freundschaft verbindet.

So etwas schwebt ihm auch an der Jahnstraße vor. Wo der 60-Jährige keineswegs eine "One-Man-Show" betreiben möchte. "Wir müssen die Aufgaben auf breite Schultern verteilen." Bei diesem Unterfangen kann er inzwischen auf Gesichter zurückgreifen, die nicht ganz unbekannt sind bei Blau-Weiss: Norbert Reiß, vor Hierl Vorsitzender, und Dietmar Skaliks, einige Jahre Pressesprecher des Bundesligateams, sind aus dem Schmollwinkel in die Vereinsarbeit zurückgekehrt.

Auch wenn sie für die Außendarstellung wichtig ist, oberste Priorität genießt die Bundesliga nicht bei Andreas Jülich: "Das wichtigste ist die Jugendarbeit. Aber in erster Linie wollen wir wieder den Breitensport forcieren." Dafür soll es im September 2012 ein stark besetztes Seniorenturnier an der Jahnstraße geben. Womöglich spielt der Vorsitzende dann selbst mit.

(NGZ)