BW Neuss steigt aus der Tennis-Bundesliga ab

Tennis-Bundesliga: Friedhofsstimmung an der Jahnstraße

„Verdient abgestiegen“, sagt Marius Zay, nachdem BW Neuss zum zweiten Mal unter seiner Regie die Tennis-Bundesliga verlassen muss.

Die Neusser Tennis-Fans hatten die Hoffnung auf ein weiteres Jahr in der Bundesliga wohl schon vor dem ersten Ballwechsel in den Wind geschrieben. „Hier ist ja gar nichts los,“ wunderte sich (nicht nur) Sascha Karbowiak. Der Neusser SPD-Chef war am Sonntagmittag zur Jahnstraße gekommen, um dort einen leidenschaftlichen Kampf um den Klassenerhalt zu sehen, nachdem er tags zuvor eine politische Initiative zur „stärkeren Förderung von Bundesliga-Sport“ in Neuss auf den Weg gebracht hatte.

Für den TC Blau-Weiss Neuss kommt dieser Antrag erst einmal zu spät. Mit zwei deftigen Niederlagen – 1:5 bei BW Halle, 1:5 gegen BW Krefeld – am letzten Doppelspieltags-Wochenende verabschiedete sich der Immer-Noch-Rekordmeister nach nur einem Jahr wieder aus der Tennis-Bundesliga. Den leidenschaftlichen Kampf blieb er dabei Sascha Karbowiak und den wenigen anderen Fans zumindest am gestrigen Sonntag schuldig.

„Verdient abgestiegen,“ lautete deshalb das Fazit von Teamchef Marius Zay unter eine Saison, die trotz des vermeintlichen Zwischenhochs mit dem Siegen in Aachen und Mönchengladbach alles andere als den Erwartungen entsprach. Auch nicht denen von Clinton Thomson. Während es der Teamchef bei den zwei lapidaren Worten beließ, ging der Co-Trainer bei seiner Analyse ein wenig mehr in die Tiefe. „Klar haben uns die Verletzungen von Attila Balasz und Uladzimir Ignatik hart getroffen. Aber wir hatten in den letzten Partien auch nicht die richtigen Spieler, um solche Matches noch einmal herum zu reißen,“ stellte der 33-Jährige unumwunden fest. Weshalb auch er die Blau-Weissen als „verdienten Absteiger“ einstuft und vorhersagt: „Jetzt wird es spannend, wie es weitergeht.“

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Denn ob Unterstützer und Sponsoren nach dem zweiten Abstieg in Folge so bei der Stange bleiben wie vor zwei Jahren, ist in der Tat eine spannende Frage. Für Jürgen Hauck, mit seinen Augenzentren derzeit Hauptsponsor des Neusser Bundesliga-Teams, war der Abstieg nicht die logische Folge von (spielerischen) Unzulänglichkeiten, sondern einer beispiellosen Serie von Pleiten, Pech und Pannen: „Wir hätten nicht mal Glück gebraucht, um drin zu bleiben, sondern einfach nur nicht dieses Pech haben dürfen.“ Dabei denkt er vor allem an den Ausfall von Attila Balasz, der wegen Leistenbeschwerden drei Wochen kein Tennis spielen darf: „Mit ihm an der Spitzenposition wären die letzten drei Spiele anders verlaufen.“ Mag sein. Doch der Ausfall des Ungarn kann die strukturellen Probleme an der Jahnstraße nicht übertünchen. Das größte stellt der nicht Bundesliga-taugliche Etat dar. Mit ein bisschen mehr Geld in der Hinterhand hätte Marius Zay die an den Spitzenpositionen gemeldeten Marius Copil und Hubert Hurkacz vielleicht überzeugen können, den ein oder anderen (zugesagten) Auftritt im blau-weissen Dress auch tatsächlich zu vollziehen statt in die USA zu reisen, um dort Turniere zu spielen. Und ein bisschen höhere Siegprämien hätten vielleicht den einen oder anderen Spieler aus seiner Lethargie gerissen, um sich für Blau-Weiss den berühmten Hintern aufzureißen. Aufs Ganze gesehen drängen sich für einen Verbleib nur Attila Balasz (der in der Zweiten Liga kaum zu halten sein dürfte) und Bernabe Zapata Miralles auf – alle anderen haben krass versagt.

Das gilt vor allem für Botic Van De Zandschulp. Was der Niederländer, im Vorjahr rasch zum Publikumsliebling aufgestiegen, in den letzten (Heim-)spielen zeigte, hatte mit Bundesliga-Tennis nur entfernt zu tun. Und nicht nur ihm schien die Bedeutung, in einem Team um den Verbleib in der höchsten Spielklasse zu kämpfen, nicht bewusst – oder es ihm nicht richtig vermittelt worden zu sein. Was unterm Strich aufs Gleiche hinausläuft: Dieser Kader war nicht der, mit dem sich der von Marius Zay vor Saisonbeginn erhoffte und als entscheidend angesehene „Teamspirit“ einstellen konnte.

Insofern ist der Abstieg, noch dazu als Tabellenletzter, die logische Konsequenz. Durchaus möglich, dass er gleichbedeutend mit dem Ende des (Bundesliga-)Leistungstennis in Neuss ist. Die SPD-Forderung, „zunächst einmal 50.000 Euro im städtischen Haushalt“ für die „gezielte Förderung des Bundesliga-Mannschaftssports“ einzustellen, darüberhinaus Sportamt und Wirtschaftsförderung in Marsch zu setzen, um zu prüfen, „inwieweit in Neuss ansässige Unternehmen für die Förderung des Bundesliga-Mannschaftssports gewonnen werden können“, könnte da schon zu spät kommen.