Tennis-Bundesliga : Neulinge laufen der Musik hinterher

Wer in die Tennis-Bundesliga aufsteigt, hat es schwer – so wie aktuell die immer noch sieglosen TV Reutlingen und TC BW Neuss.

Sie teilen das Schicksal mit vielen Aufsteigern in den meisten Teamsportarten: Sie sind nah dran, doch zum zählbaren Erfolg fehlt meist ein gewisses Quäntchen. Und so zieren der TV Reutlingen und der TC Blau-Weiss Neuss nach drei Spieltagen einträchtig das Tabellenende der Tennis-Bundesliga, sind allein noch ohne Punktgewinn in der laufenden Saison.

Klingt nach Chancenlosigkeit. Doch so verliefen die bisherigen Begegnungen keineswegs aus Sicht der Neulinge. „Ich könnte jetzt genau das gleiche sagen wie nach unserem letzten Spiel – das hätte heute auch ein Unentschieden verdient gehabt,“ fasste Reutlingens Coach Daniel Stöhr am Sonntag in Krefeld nach der dritten 1:5-Niederlage in Folge die Stimmungslage zusammen.

Die ist an der Neusser Jahnstraße nicht viel anders. War die 1:5-Auftaktschlappe gegen Titelanwärter GW Mannheim einkalkuliert und deshalb zu verschmerzen, tun die nachfolgenden Resultate richtig weh. Denn sowohl beim 2:4 am Freitag in Weinheim als auch zwei Tage später bei der mit dem gleichen Ergebnis verlorenen Partie bei RW Köln war zumindest ein Unentschieden möglich. In Weinheim verloren die Blau-Weissen ein Einzel und ein Doppel im Champions-Tiebreak, in Köln waren es zwei Einzel, die erst im Entscheidungssatz verloren gingen. „Das ist extrem ärgerlich“, stellte Teamchef Marius Zay anschließend fest.

Ärgerlich vor allem, weil die Neusser am Doppelspieltag mit ihrer Nummer eins Marius Copil geplant hatten. Mit dem Rumänen, in der aktuellen Weltrangliste auf Position 92 geführt, wären die Chancen ungleich größer gewesen, obwohl der an die Spitzenposition gerückte Uladzimir Ignatik (ATP 216) vor allem in Köln gegen den an Nummer 47 gelisteten Franzosen Benoit Paire eine starke Leistung abrief.

Für Zay steht fest: „Jetzt wird es ganz eng.“ Denn in den restlichen sechs Partien warten bis auf den TV Reutlingen, der am 5. August an der Jahnstraße gastiert, und den schwächelnden Ex-Meister Kurhaus Lambertz Aachen, zu dem die Blau-Weissen im nächsten Auswärtsspiel (27. Juli) müssen, nur noch jene Mannschaften, die aktuell den Ton angeben in der Liga. Als nächstes der Düsseldorfer Rochusclub, der am Sonntag ab 11 Uhr seine Visitenkarte auf der anderen Rheinseite abgibt. Und das, davon ist Marius Zay überzeugt, „bestimmt mit der bestmöglichen Aufstellung“ tun wird.

Das kennt der BW-Teamchef schon aus den beiden Partien des Wochenendes: Weinheim lief mit den Nummern 1 ,2, 5 und 10 seiner Mannschaftsmeldung auf (Quersumme 18), Neuss mit den Positionen 4, 6, 10 und 13 (Quersumme 33). Nicht ganz so krass war das Verhältnis am Sonntag: Köln 2, 4, 6, 8 (20), Neuss 4, 6, 7, 10 (27). Dort gaben letztlich die Doppel den Ausschlag, in denen die Gastgeber in Wimbledon-Viertelfinalist Andreas Mies und Wesley Koolhof zwei auf diese Disziplin spezialisierte Akteure einsetzen konnten. Blau-Weiss hat da allein Frederik Nielsen zu bieten, der nach seinem Aus im Halbfinale von Wimbledon direkt nach Weinheim flog – doch allein kann es der Däne auch nicht richten.

Alles (auch) eine Frage des Etats. Und der ist – auch das keineswegs eine Besonderheit der Tennis-Bundesliga – bei Aufsteigern meist dünner gestrickt als bei den Etablierten. Was zur Folge hat, dass der Weg der meisten Neulinge gleich wieder dahin führt, wo sie her gekommen sind. Rühmliche Ausnahmen in den letzten fünf Jahren: Der TC Weinheim eroberte in der vergangenen Spielzeit Platz sechs, BW Aachen wurde 2016 Siebter, alle anderen Aufsteiger stiegen direkt wieder ab.

Für Marius Zay kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. „Wir kämpfen bis zum letzten Ballwechsel“, setzt der Neusser Teamchef auf den berühmten Teamspirit. Doch was in der Zweiten Liga bei sechs Einzeln und drei Doppeln funktionierte, muss eine Etage höher mit nur vier Akteuren nicht zwangsläufig zum Erfolg führen.