Korschenbroich : Busverbindung mangelhaft

Heinz-Georg Brass kritisiert die schlechten Busanbindungen. Wer von Glehn neuerdings zum Finanzamt nach Grevenbroich fahren muss, ist mehr als eine Stunde unterwegs. Braas: "Für Senioren ist das eine Zumutung."

Mit der Inbetriebnahme der neuen Finanzämter in Neuss und Grevenbroich gibt es für alle Steuerpflichtigen nicht nur eine neue Steuernummer. Viele müssen sich auf andere Ansprechpartner und nicht zuletzt auf einen neuen Standort einstellen. Und genau dafür hat Heinz-Georg Brass (77) kein Verständnis: "Für mich war Neuss immer zuständig, jetzt werde ich in Grevenbroich geführt." Und damit ist Brass schon beim Grundproblem: "Wie kommt ein älterer Mensch von Glehn nach Grevenbroich?"

Brass, im Schulhaus in Elfgen geboren, bezeichnet Grevenbroich als seine Heimatstadt. Die Verbindungen zur Schlossstadt sind nicht nur verwandtschaftlicher Natur. Gerne denkt er an seine Jahre als Lehrer zunächst in Elsen und dann in Laach zurück, bevor er über 29 Jahre den Kindern in Glehn das Schreiben, Lesen und Rechnen beigebracht hat. Mit der Rektorenstelle verlegte er 1964 seinen Wohnsitz nach Glehn. Natürlich fühlt er sich dort mit Frau Hedwig heimisch. Das ist der Grund, weshalb der vitale Senior genau hinschaut. Das Übel macht er an der kommunalen Neugliederung von 1974 fest: Seither lassen für ihn die Busanbindungen zu wünschen übrig.

Und im Alter betrachtet der Vater von fünf Kindern und sieben Enkeln die Situation noch einmal anders: "Was mutet man uns Senioren alles zu?" Braas, der sich bei gutem Wetter noch aufs Fahrrad schwingt und nach Grevenbroich strampeln könnte, streitet aber für seine Generation. Er vermisst den Respekt: "Wir werden immer älter, damit unsicherer, kränker, unflexibler", sagt er. Die drei möglichen Bus- und Bahnverbindungen nach Grevenbroich seien mangelhaft: Wählt er die Anreise über Kleinenbroich und Mönchengladbach, ist er mindestens 69 Minuten unterwegs. Wählt der 77-Jährige die Anreise über Neuss, trifft er nach 72 Minuten am Bahnhof Grevenbroich ein. Bei allen Varianten muss er mindestens zweimal, maximal viermal umsteigen. Brass: "Eine Zumutung."

Bärbel Dahmen, stellvertretende Finanzamtsvorsteherin, hat zwar Verständnis für die Wünsche des Glehners, sagt aber: "Herr Brass kann alles auf dem Postwege abwickeln." Und zur Streichung der Finanzamtsaußenstelle im Bürgerbüro Korschenbroich, führt Daniel Moritz nicht nur Kostengründe an. Der Pressereferent im NRW-Finanzministerium wirbt für mehr Bürgerservice durch integrierte Service-Stellen: "Das macht die Arbeit im Finanzamt wesentlich effektiver und flexibler planbar." Damit bleibt die Frage der Anreise immer noch unbeantwortet. Während die NVV im Auftrag der Stadt den Schulbusverkehr in Linienverkehr umgewandelt hat, versucht der Bürgerbusverein seit einem Jahr die Lücken zu schließen. Das freiwillige Angebot endet aber an der Stadtgrenze zu Grevenbroich.

(NGZ)