Jüchen: Burgruine unter Rittergut Leuffen

Jüchen: Burgruine unter Rittergut Leuffen

Otzenrath (S.M.) Die durch den Tagebau bedingten Umsiedlungen bieten Archäologen Chancen, von denen sie andernorts nur träumen können.

Bereits seit den 70-er Jahren unterhält das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege daher eine Außenstelle in Titz, die exklusiv für die Braunkohleregion zuständig ist.

Nachdem sich die vor Jahren in Garzweiler vorgenommenen Grabungen als überaus ergiebig erwiesen haben, wurden die Experten um Amtsleiter Dr. Udo Geilenbrügge jetzt auch in Otzenrath nicht enttäuscht.

Im Mittelpunkt ihres Interesses steht derzeit das geschichtsträchtige Rittergut Leuffen: Dieses existierte schon, bevor es überhaupt einen Ort Otzenrath gab.

Folglich war zu erwarten, dass hier manches gefunden werden kann. Urkundlich erstmals 1170 erwähnt, reichen die Aufzeichnungen des ehemaligen Klosterhofs bis mindestens 1301 zurück.

Seit dem frühen 19. Jahrhundert befand sich das Rittergut infolge der Säkularisation im Besitz der Familie Leuffen, die mittlerweile nach Allrath umgesiedelt ist.

Grabungen im Innenhof haben die Überreste einer mittelalterlichen Burg zutage gefördert, entdeckt wurden auch ein Ochsen- und ein Pferdeskelett.

Was den Burgtyp angeht, kommen zwei Möglichkeiten in Betracht.

Entweder handelt es sich um eine der in der hiesigen Region nicht seltenen Wasserburgen oder aber um eine so genannte "Motte": Der sich vom französischen "Klumpen" herleitende Begriff kennzeichnet eine frühe Burgform, die sich auf einem Erdhügel befand.

Gebaut wurden "Motten" bis zum Jahr 1000, in manchen Gegenden noch bis ins frühe 13. Jahrhundert hinein. Weitergehende Aufschlüsse erhoffen sich die Experten, wenn die Grabungen in einigen Wochen fortgesetzt werden können.

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Die seit Anfang Februar laufenden Grabungen ruhen nämlich zurzeit, wie Dr. Ulla Münch vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege sagt.

Zunächst müssen die Hofgebäude abgerissen und die Bäume gefällt werden, ehe "weit nach Ostern" wieder die Archäologen am Zuge sind.

Den Kern der historischen Burganlage vermuten sie unter der bisherigen Scheune.

Die Überreste der Burg sind freilich nicht der einzige Fund, der bei den bisherigen Ausgrabungen gemacht wurde.

Ein der Viehhaltung dienendes Oval, das in den vergangenen Monaten freigelegt wurde, verweist auf den großen Wirtschaftshof, der hier im 19. Jahrhundert existiert hat. Die jüngeren Bauten datieren die Archäologen auf das Jahr 1875.

Ist der Leuffen-Hof archäologisch erschlossen, wird das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege seine Grabungen in Otzenrath fortsetzen, ehe der Ort endgültig dem Erdboden gleich gemacht wird.

Dabei lassen dann insbesondere die Pfarrkirche St. Simon und Judas Thäddäus und auch die 1910 gebaute evangelische Kirche wohl noch so manchen archäologisch wertvollen Fund erwarten lassen.

Die Grabungen müssen zwar zügig erfolgen, Hektik ist angesichts der vorrückenden Braunkohlebagger gleichwohl nicht nötig.

"Man kennt sich, und die Abbruchtermine stimmen wir miteinander ab", verweist Thomas Kolbe, der bei RWE Power für Umsiedlungsfragen verantwortlich ist, auf die enge Kooperation mit den Archäologen.

(NGZ)
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