Jüchen : Bunte Laternen zaubern Lichtermeer

An St. Martin ziehen Kindergarten- und Grundschulkinder durch die Straßen, singen Martinslieder und präsentieren ihre selbst gebastelten Laternen. Wir haben Kinder, Erzieher und Lehrer bei den Vorbereitungen begleitet.

Behutsam holt Marina (8) ihre Laterne hervor, richtet den funkelnden Leuchtstab noch einmal aus und schaltet dann das Licht der Laterne ein. Ein Wald aus roten, gelben, braunen und grünen Blättern leuchtet auf und mit ihm Marinas Augen. Sie besucht die Klasse 2a der Grundschule In den Weiden und freut sich seit Wochen auf den großen St. Martinszug, der am Dienstag, 13. November, durch das Jüchener Zentrum zieht. "Die Blätter so ordentlich auszuschneiden, das war am schwersten", erzählt Marina. Damit beim Martinszug alles sicher zusammenhält, hat ihre Mutter bei den Klebearbeiten geholfen. "Aber die Blätter habe ich alleine gemacht", betont die Achtjährige voller Stolz. Stolz ist auch Julia (8) auf ihre Blätterlaterne. "Bis St. Martin bleibt die aber zu Hause, damit sie nicht kaputt geht", erklärt die Zweitklässlerin und hat sich zum Üben in der Schule kurzerhand beim Laternen-Repertoire ihres Bruders bedient. "Die Laterne hat dafür einen Boden aus bunter Glitzerfolie", schwärmt Julia und hält sich das Exemplar über den Kopf.

Mit dem Ende der Herbstferien beginnen in der Grundschule In den Weiden die Vorbereitungen für St. Martin. Die Geschichte des Heiligen, der seinen Mantel selbstlos mit einem Bettler teilt und diesen so vor dem Erfrieren rettet, ist Stoff für gleich mehrere Schulfächer. "Im Deutschunterricht wird die Martinsgeschichte besprochen und die Kinder lernen, was es heißt zu teilen und füreinander da zu sein", erklärt Schulleiterin Brigitte Sokolowski. Im Musikunterricht übt der Nachwuchs Lieder wie "St. Martin", "Durch die Straßen" oder den Ohrwurm "Ich geh mit meiner Laterne." Das Lied beherrscht auch Luca (8) aus der Klasse 2b schon seit dem Kindergarten, wie er sagt, und stimmt es lauthals an. Seine Laterne ist ebenfalls aus dieser Zeit und zeigt einen Apfel mit Wurm und buntem Blätterwerk an den Seiten. "Die finde ich am schönsten", begründet der Achtjährige seine Wahl für den diesjährigen Zug.

Die Motive für die bunten Laternen sind in jedem Jahr andere. "Die Themen Herbst mit Blättern und Igeln kommt immer wieder, aber wir basteln auch Klassentiere, wie Bären oder Elefanten oder beziehen Motive aus dem Unterricht ein ", erzählt Sokolowski. Wichtig sei es, dass die Laternen einfach herzustellen sind, hell leuchten und den Kindern sicher gelingen. "Deswegen basteln wir mit den ersten Schuljahren einfachere Formen, wie beispielsweise Sonnen", erklärt die Schulleiterin, die selbst eine erste Klasse betreut.

Eine besondere Gelegenheit die liebevoll gebastelten Fackeln zu präsentieren, hatten die 260 Kinder der Lindenschule in Gierath-Bedburdyck bei einer großen Laternenausstellung vor dem Martinsfest. "Im Trend sind hier Tier-Laternen, die Frösche, Drachen, Schnee-Eulen oder Tigerenten zeigen", sagt Konrektorin Birgit Lorleberg.

Flechtlaternen, Eulen und Weckmänner wurden in diesem Jahr im katholischen Kindergarten St. Martinus gebastelt. Auch dort wurde das gemeinsame Basteln thematisch einbezogen. "Wir haben im Vorfeld das Thema Sinne mit den Kindern durchgenommen. Sie haben als Laterne einen Körper mit überdimensional großen Nasen, Ohren, Mund und Armen gebastelt", erzählt Leiterin Margret Mölders. Zum Üben der Martinslieder sind in dem Kindergarten auch die Eltern eingeladen. "Das gemeinsame Singen veranstalten wir im Vorfeld an einigen Nachmittagen, damit beim Zug auch wirklich alle laut mitsingen können", erklärt Mölders.

Nur an den Gymnasien haben die fröhlich bunten Laternen keine Relevanz mehr. Zwar könne man mit Kindern der fünften und sechsten Klassen noch Laternen basteln, jedoch passe dies thematisch oft nicht in den Unterricht. Die Kinder seien dann einfach schon zu alt, meint eine Kunstlehrerin.

(NGZ)