Lokalsport : Bundesliga-Lehrling

Seinen ersten größeren Auftritt in der Tennis-Bundesliga vor heimischem Publikum hatte Max Dinslaken vorigen Sonntag. Als nämlich der Spanier Marcel Granollers-Pujol nach einer längeren Odyssee endlich auf der Anlage des TC BW Neuss angekommen war, um gegen den TC Solingen seinen Saison-Einstand zu geben, hatte der gerade mal 16 Jahre alte Youngster das Vergnügen, den auf Rang 54 der Weltrangliste platzierten Profi warm zu spielen.

"Da war ich anfangs schon ziemlich nervös, aber nach einigen Schlägen wurde es besser und dann ist es richtig gut gelaufen", erzählt Dinslaken, der nach den Übungsschlägen von dem Spanier auch noch ein kleines Bonbon mit auf den Weg bekam: "Er hat sich bedankt und mir gesagt, dass ich ein guter Trainingspartner bin."

Nicht schlecht für einen 16-Jährigen, für den vor noch gar nicht allzu langer Zeit der Beruf des Tennis-Profis allenfalls ein schöner Traum war. Inzwischen aber hat der Traum ganz konkrete Züge angenommen. Denn seit Dinslaken vor zwei Jahren in die in Neuss und Kaarst angesiedelte Tennis-Akademie "ASICS tennis base" kam und vor einem Jahr vom TC BW Lechenich zum TC BW Neuss wechselte, hat er eine so rasante Entwicklung durchgemacht, dass ihm von vielen der Sprung ins Lager der Berufsspieler zugetraut wird.

Nicht umsonst berief ihn Marc Raffel, Betreiber der "ASICS tennis base" und Teammanager beim TC BW Neuss, in den Kader der Bundesligamannschaft. Dort soll er zusammen mit Kevin Müller, dem zweiten großen Talent in Reihen der Blau-Weissen, schon mal in die deutsche Elite-Liga hereinschnuppern. "Für Max ist es ein sechswöchiges Intensivpraktikum.

Im Moment ist er noch nicht soweit, um in der Bundesliga konkurrenzfähig zu sein. Aber wenn seine Entwicklung so weitergeht, dann ist er im nächsten Jahr eine echte Alternative zu den etablierten Spielern", sagt Raffel im Brustton der Überzeugung. Dass seine Entwicklung so weitergeht, davon gehen Max Dinslaken und seine Eltern offensichtlich ganz stark aus.

Sonst hätten sie sich sicher nicht gemeinsam dazu entschieden, vorerst ganz auf die Karte Tennis zu setzen. Das Gymnasium hat der 16-Jährige jetzt nach Ende der zehnten Klasse verlassen, ab morgen bezieht er ein Zimmer in der Büttgener Tespo, um sich künftig voll und ganz auf seinen Sport zu konzentrieren. Und der junge Mann hat große Ziele: "Ich habe hohe Erwartungen an mich selbst.

Ich will auf der ATP-Tour ganz weit nach vorne kommen", meint Dinslaken, "ich kann zwar nicht sicher sein, dass es klappt. Aber ich will alles probieren, um es zu schaffen." Größtmögliche Sicherheit sollen ihm die Strukturen der Tennis-Akademie und von BW Neuss bieten.

Ob Sponsorensuche, Management, Training oder Physiotherapie - der Youngster kann sich auf professionelle Partner verlassen. Mit diesen Stützpfeilern im Rücken soll Max Dinslaken behutsam an den Profizirkus herangeführt werden. Für den Herbst sind die ersten Einsätze bei Future-Turnieren in Deutschland und im benachbarten Ausland geplant.

Zunächst gilt aber noch der Bundesliga die volle Konzentration. Und Max Dinslaken ist überzeugt davon, dass er sich dort von den Profis der Gegner und in der eigenen Mannschaft noch viel abschauen kann. Die ersten beiden Unterrichtseinheiten in Halle und daheim gegen den TC Solingen waren jedenfalls schon sehr lehrreich. Die nächste Lektion folg am Sonntag im Heimspiel gegen Aachen.

(NGZ)