Korschenbroich: Bufdis statt Zivis: Wechsel gemeistert

Korschenbroich : Bufdis statt Zivis: Wechsel gemeistert

Zu Jahresbeginn haben die letzten Zivildienstleistenden ihren Dienst beendet. Vermisst werden die Zivis inzwischen nicht mehr: Beinahe alle Stellen in Korschenbroich konnten mit Freiwilligen besetzt werden – nur in der Niederrhein-Klinik bisher nicht.

Zu Jahresbeginn haben die letzten Zivildienstleistenden ihren Dienst beendet. Vermisst werden die Zivis inzwischen nicht mehr: Beinahe alle Stellen in Korschenbroich konnten mit Freiwilligen besetzt werden — nur in der Niederrhein-Klinik bisher nicht.

Sie betreuten Patienten, pflegten Schwache, lasen Senioren vor, brachten ihnen das Essen und begleiteten sie beim Einkauf — für Wohlfahrtsverbände, Kommunen, Krankenhäuser und Altenheime schien eine Welt ohne Zivildienst nicht vorstellbar. "Auch wir haben uns gefragt: Wer macht denn jetzt ihre Arbeit?", erinnert sich Hans-Josef Leuchtges, der Leiter des Korschenbroicher Amtes für Personal und Soziales. Im Dezember 2010 beschloss das Bundeskabinett eine Aussetzung der Wehrpflicht und des Zivildienstes zum 1.

Juli 2011. Am 31. Dezember schieden die letzten Zivildienstleistenden aus dem Dienst. Fast neun Monate später zeigt sich: Es geht in Korschenbroich auch ohne Zivildienstleistende. Beinahe alle Stellen konnten mit Freiwilligen besetzt werden. Stadt Vier Zivildienstleistende im Umweltamt und drei in den Kindertagesstätten beschäftigte die Stadt. "Die Stellen waren immer gut besetzt", sagt Leuchtges. "Bewerbungen von Freiwilligen erhielten wir zunächst nur schleppend.

Doch inzwischen können wir wirklich zufrieden sein." Lediglich eine der vier Stellen sei im Umweltamt im vergangenen Jahr vakant geblieben. Auch in diesem Jahr werden dort drei Jugendliche ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr absolvieren. Noch offen ist die Bundesfreiwilligenstelle. In den Kindertagesstätten sprangen junge Frauen für die Zivis ein. "Das Bundesfreiwilligenjahr ist sinnvoll für junge Erwachsene, die sich beruflich noch nicht orientiert haben", erklärt der Amtsleiter.

"Einer Freiwilligen hat es in der Kita so gut gefallen, dass sie jetzt Erzieherin wird." Tabita und Timon Schleppend gestaltete sich der Übergang auch im Seniorenzentrum Tabita. Sechs Zivildienstleistende unterstützten früher die Mitarbeiter. "Die Umstellung kam sehr plötzlich. Ich glaube, viele junge Leute waren verunsichert", sagt Leiter Rainer Gerdau. Inzwischen gebe es allerdings für die Plätze ausreichend Bewerber. "Viele unserer Freiwilligen streben einen Beruf im Sozialbereich an und nutzen das Jahr, um hineinzuschnuppern.

" Als "unglücklich" empfindet Gerdau die Koexistenz von Bundesfreiwilligendienst und Freiwilligem Sozialem Jahr. "Für beide Gruppen werden identische Kurse angeboten. Es besteht kein Unterschied zwischen den Programmen — und der bürokratische Aufwand ist immens." Niederrhein-Klinik "Die helfenden Hände fehlen uns sehr", sagt Corinna Dönges, Pressesprecherin der Sankt Augustinus-Kliniken, zu der die Niederrhein-Klinik gehört. Drei Zivis leisteten dort ihren Dienst ab.

Bisher sind sie nicht ersetzt worden — auch weil die Bewilligung durch das zuständige Amt fehlte. "Zurzeit stehen wir aber in Kontakt zu Bundesfreiwilligen", berichtet Dönges.

(NGZ)
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