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Korschenbroich: Bücherei-Leiterin gibt die Verantwortung ab

Korschenbroich : Bücherei-Leiterin gibt die Verantwortung ab

Veronika Dackweiler, unterstützt von Ehemann Heinz-Josef, hat die katholische öffentliche Bücherei Kleinenbroich zu dem gemacht, was sie heute ist. Nach 30 Jahren tritt Claudia Kampers die Nachfolge an.

Klar, gelesen hat Veronika Dackweiler immer schon gerne. Aber an das Ehrenamt in der Bücherei war sie eher durch Zufall gekommen. Sie erinnert sich: "Ich hatte Katechetenunterricht gegeben, als mein Sohn Ulli zur Kommunion ging. Anschließend bin ich gefragt worden, ob ich nicht Lust hätte, die Bücherei aufzubauen." Sie hatte Lust – und die 61 Jahre alte Bankkauffrau erlebte zunächst eine böse Überraschung: "Mein Mann und ich hatten die Säcke und Kartons ausgeschüttet und festgestellt, dass die Bücher nicht mehr zu gebrauchen waren." Also starteten sie die Aktion "Kleinenbroich liest" und sammelten jede Menge gut erhaltener Bücher für Kinder und Jugendliche, aber auch für Erwachsene.

Mit fünf anderen Frauen besuchte Veronika Dackweiler einen Basiskurs für Bibliotheksarbeit, der aus zwölf Einheiten bestand. "Wir haben das Gelernte immer sofort umgesetzt", erinnert sich die 61-Jährige. 1984 standen dann rund 1500 Bücher in den Regalen, alle ordnungsgemäß registriert. "Alles hatte seine bibliothekarische Ordnung. Und erst, als das so war, haben wir die Medienfachstelle des Bistums Aachen informiert. Angesichts des Geleisteten konnte man uns die Förderung nicht versagen, der Stein kam ins Rollen", erzählt Veronika Dackweiler. In dem 35 Quadratmeter großen Raum im alten Pfarrhaus sei bald die Hölle los gewesen. Bei bis zu 3500 Büchern auf engstem Raum standen die Leute während der Ausleihzeiten bis auf die Straße.

Dann sollte der Neubau kommen neben dem alten Pfarrhaus – rund 100 Quadratmeter groß. Veronika und Heinz-Josef (65) Dackweiler kümmerten sich darum, als sei es ihr eigenes Haus. Das Team wuchs ebenso schnell wie der Bücherbestand. Längst war das Büchereisystem gegründet worden, es galt im Bistum als Vorzeigemodell.

Nach dem Rückzug wird Veronika Dackweiler in kein tiefes Loch fallen – dafür hat sie einfach zu viele Interessen. Möglicherweise wird sie Lesepatin. Fest steht, dass die Eheleute Dackweiler verstärkt in die Pedale treten werden: Sie sind ADFC-Mitglieder, planen mit Begeisterung Radtouren. Die 61-Jährige kümmert sich außerdem gern um ihre Enkeltochter (13), die in Neuss lebt, liebt ihre Aqua-Fitness, gehört dem Netzwerk ZWAR ("Zwischen Arbeit und Ruhestand") an und plant, einen Teil des Winters auf ihrer Lieblingsinsel Teneriffa zu verbringen. Dort wird dann bei frühlingshaften Temperaturen gewandert.

Lief während der 30 Jahre immer alles reibungslos? "Eigentlich ja." Aber Veronika Dackweiler erinnert sich daran, dass sie aufgrund der Beschwerde eines Lesers das Buch "Ein Mann namens Jesus", einen historischen Roman, aus dem Programm nehmen sollte. Sie stellte auf stur: "Wenn ich das Buch entfernen muss, gehe ich auch." Diese Drohung half: Das umstrittene Werk blieb in der Ausleihe und Veronika Dackweiler blieb – bis jetzt die gute Seele der katholischen öffentlichen Bücherei in Kleinenbroich.

(NGZ)