Fußball: Brücken schießt 1978 das "Tor des Monats"

Fußball : Brücken schießt 1978 das "Tor des Monats"

Der ehemalige Profifußballer aus Grevenbroich erzielte für Herne im Spiel gegen Fortuna Köln den goldenen Treffer der ARD-Sportschau.

In seiner langen Profifkarriere absolvierte Karl-Heinz Brücken rund 290 Spiele, in denen er 80 Tore schoss. Der Treffer, den er am 21. Mai 1978 erzielte, wurde jedoch "vergoldet". Damit reihte sich der 1947 geborene Kicker in die lange Liste der prominenten Kollegen wie Lukas Podolski, Rudi Völler, Jürgen Klinsmann, Kalle Rummenigge, Klaus Fischer, Sebastian Schweinsteiger oder Arjen Robben ein.

Die Übergabe der wertvollen Goldmünze, die einen Durchmesser von 40 Millimeter hat, erfolgte 1978 während einer WM-Party im Garten der Familie Brücken in Neu-Elfgen. "Wir sahen uns gemeinsam ein Spiel der deutschen Mannschaft an. Sie verlor leider und schied aus. Es war trotzdem eine schöne Party. Die ARD-Sportschau-Medaille wurde mir von Stefan Lazar überreicht. Danach musste ich aus drei Postsäcken, in den sich die Karten der Einsender befanden, noch drei Gewinner ermitteln", berichtet Karl-Heinz Brücken. An sein Tor des Monats kann sich Karl-Heinz Brücken, der in jenen Tagen das Trikot von "Goldin" Westfalia Herne trug, noch gut erinnern. "Es war ein sehr wichtiges Spiel für uns. Wir mussten gegen Fortuna Köln unbedingt einen Punkt holen, um nicht in den Abstiegsstrudel zu geraten. Bereits in der achten Minute erhielten wir nach einem Foulspiel einen Strafstoß zuerkannt. Ich legte mir den Ball zurecht. Bis zum Tor, das von Franz-Josef Pauly gehütet wurde, waren es 28 Meter. Ich lief an, schoss mit rechts, zielte auf die Torwartecke und hatte Glück, der Ball landete unhaltbar im Winkel," erzählt der Fußballer, der seine Karriere beim SV RW Elfgen begonnen hatte. Die Begegnung am 37. Spieltag der Saison 1977/78 endete in Herne mit einem leistungsgerechten 2:2. Die weiteren Treffer erzielten Möderath und Fritsche für die Fortunen und der Ex-Schalker in den Reihen der Herner, Klaus Scheer (ebenfalls Torschütze des Monats April 1972).

Trainiert wurde das Team, das damals wie folgt spielte: Bradler, Brücken, Etterich, Fromm, Gerresheim, Höfer, Kuczinski, Laufer, Scheer, Bals und Busk, von Peter Stubbe. Zuvor hatte Ivica Horvat (Schalke 04) die Herner trainiert. "Horvat war ein sehr guter Fußball-Lehrer", betonte Brücken, der seine Laufbahn 1967 bei Bayer Leverkusen begonnen hatte, mit dem Team die Meisterschaft in der damaligen Regionalliga West schaffte, den Aufstieg in die Bundesliga aber verpasste. Für die Werksmannschaft absolvierte Brücken, der spätere Wirtschaftsingenieur, 119 Spiele und schoss hier 38 Tore. Dann folgte ein Wechsel auf die Bielefelder Alm. Hier bestritt er am 15. August 1970 sein erstes Bundesligaspiel. Der Gegner: Der BVB. Nach dem Bundesligaskandal verließ der Grevenbroicher nach 61 Spielen mit acht Toren und 14 Regionalligaspielen mit ebenfalls acht Toren die Arminen in Richtung Dortmund, wo Herbert Burdenski und später Janos Bedl als Trainer fungierten. Bei den Schwarzgelben, die damals aber zur Zweitklassigkeit verdammt waren, kam Brücken 42 Mal zum Einsatz mit 15 Toren, dann folgte ein Wechsel zur Fortuna nach Düsseldorf.

Eine trainerreiche Zeit, denn hier waren Heinz Lucas, Sepp Piontek und Manni Kraft seine Fußball-Lehrer. Für die Fortunen streifte sich Brücken in der Bundesliga zehn Mal das Trikot über. Dazu kamen mehrere Einsätze im damaligen UEFA-Pokal. Dann lockte ihn der damalige Herner "Öl-König" Erhard Goldbach ins Stadion am Schloss Strünkede. Hier hatte zwischenzeitlich Ivica Horvat eine schlagkräftige Truppe aufgebaut. Nach 71 Spielen und 15 Toren verließ der Torschütze des Monats 1978 Herne, um von nun an beim TuS Grevenbroich für einige Jahre als Spielertrainer zu fungieren.

Einige Jahre war Brücken, der sich heute noch gerne mit alten Kickerkollegen aus Leverkusener und Düsseldorfer Zeiten — wie Gerd Zimmermann und Dieter Brei — trifft, Mitglied der WDR-Promi-Elf. Doch einmal in der Woche schnürt der mittlerweile pensionierte Wirtschaftsingenieur auch heute noch die Fußballschuhe, denn er hält sich bei den Alten Herren von Rot-Weiß Elfgen, dort wo seine Kickerkarriere einst begann, fit.

Und ab und zu, wenn er im Keller seines Hauses feiert, dort wo etliche Fotos und Wimpel ihn an wichtige Spiele erinnern, holt er auch schon mal die Medaille hervor, die in Kickerkreisen sehr begehrt ist — aber bisher seit 1971 nur rund 450 Mal vergeben wurde.

(NGZ/ac)
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