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Korschenbroich: Brandschutz auf dem Prüfstand

Korschenbroich : Brandschutz auf dem Prüfstand

Nach dem Feuer im Senioren-Haus Tabita mit einem Todesopfer fordert der Verein "Pro Pflege" eine deutlichere Zuständigkeit für Brandschutz. Auch Kreisbrandmeister Reinhard Seebröker glaubt, dass "noch einiges zu tun" ist.

Der Schock bei den Bewohnern und Mitarbeitern von Haus Tabita sitzt nach dem Brand tief. Das Seniorenzentrum hat Kontakt zu zwei Notfallseelsorgern aufgenommen, die Gespräche mit den sieben Mitarbeitern führen, die Montag vergangener Woche Erste Hilfe geleistet haben.

Eine 62-jährige Bewohnerin, so vermutet die Heimleitung mittlerweile, hatte aus Versehen etwas in ihrem Zimmer mit einer Zigarette in Brand gesteckt. "Bei dem Versuch, das Feuer zu löschen, hat sie sich vermutlich über leicht entzündliche Synthetikkleidung selbst angesteckt", berichtet Haus-Leiter Rainer Gerdau. Die Frau erlitt schwerste Verbrennungen und wurde mit einem Hubschrauber in eine Spezialklinik nach Duisburg gebracht. Dort erlag sie am Mittwochmorgen ihren Verletzungen.

Dennoch ruft der Brand jetzt den Verein "Pro Pflege" mit Sitz in Neuss auf den Plan. Dessen Vorsitzender Werner Schell fordert schon lange klarere Zuständigkeiten für den Brandschutz. Er hat bereits an die Sozialministerien der Bundesländer sowie den Rhein-Kreis Neuss geschrieben und will vor allem wissen: "Wer kümmert sich? Wer übernimmt die Verantwortung für den Brandschutz?"

Das ist eine Frage, die sich laut Kreisbrandmeister Reinhard Seebröker tatsächlich nicht leicht beantworten lässt. "Zuerst einmal liegt die Verantwortung beim Bauherrn, also kann das zum Beispiel bei einem Seniorenheim der Träger sein", sagt Seebröker. Später erfolgen regelmäßige Überprüfungen — automatisch durch die Feuerwehr. Für Korschenbroich ist Seebröker zuständig, die Überprüfung macht Frank Baum, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr in Korschenbroich, der spezielle Zusatzausbildungen besitzt. Nötige Maßnahmen muss der Eigentümer umsetzen.

"Das Problem beim Brandschutz ist, dass vieles, was sinnvoll ist, keine gesetzliche Pflicht ist", sagt Seebröker. Etwa, dass sich Türen bei Feueralarm automatisch schließen. "Dass solche Dinge nicht gesetzlich vorgeschrieben sind, liegt daran, dass das gleich mehr Geld kostet. Eine solche Tür kostet schnell 600 bis 800 Euro mehr als eine herkömmliche."

Den Brand im Haus Tabita hätte laut den Ermittlungen und aus Sicht von Seebröker eine solche Maßnahme allerdings nicht verhindern können. Allerdings wird die Technik vor Ort dennoch verbessert: Die Mitarbeiter können nun direkt auf ihren Handys sehen, in welchem Zimmer Feueralarm ausgelöst wurde. Früher mussten sie dafür zu einem zentralen Gerät.

(NGZ/rl)