Boxen: Der Skorpion will als Boxer ganz nach oben

Am Samstag bestreitet Armin Arjulaj seinen ersten Profikampf. Der 18-Jährige trainiert erst seit vier Monaten im Recover Fight Club in Neuss.

Armin Arjulai ist keine Plaudertasche. Er wählt seine Worte mit Bedacht. Sein in die Tiefe gehender Blick, dessen ungeheure Intensität wirkt geradezu verstörend. Er beobachtet, saugt die Schwäche des Gegners förmlich auf und schlägt dann gnadenlos zu. Wie ein Skorpion, sein Kampfname. Am Samstag bei der „3. Essener Boxing Fight Night“ in der Halle des Skaterhockey-Bundesligisten SHC Rockets an der Raumerstraße in Frohnhausen gibt der Norfer sein Debüt. Natürlich bei den Profis – Skorpione machen keine halben Sachen. Und schon jetzt steht für ihn fest: „Das wird Hammer!“

Dass er erst seit rund 18 Monaten trainiert, dass er zu Beginn sogar heimlich in den Ring steigen musste, „weil meine Eltern Angst um mich hatten, stört ihn nicht. „Boxen ist mein Leben.“ Genau auf so einen Typen hatte Andreas Büdeker irgendwie gewartet. „Als ich den Jungen das erste Mal am Sandsack gesehen habe, wusste ich, dass ist ein Rohdiamant. Er bringt alles mit, was man zum Profiboxen braucht, ist intelligent, diszipliniert, aufmerksam, wissbegierig und dazu blitzschnell.“ Dieser Mann mit seinem muskelbepackten und von Tattoos verzierten Körper atmet Boxen, war zudem als erbarmungsloser Drill Instructor bei TV-Formaten wie The Biggest Loser, Big Brother, Schluss mit Hotel Mama, Abenteuer Leben, Comedy-Falle und RTL Aktuell im Einsatz. Vor vier Monaten nahm er Armin Arjulai unter seine Fittiche, seither trainiert das Talent jeden Tag in der von Büdeker vor drei Jahren an der Forumstraße im Taubental (direkt an der B9) eröffneten Dependance des etablierten Recover Fight Clubs in Essen.

Und dann ist der Coach nicht der Houdini der coolen Sprüche („Ende 2019 boxt Armin um die Deutsche Meisterschaft – und mit 25 um den WM-Titel“), sondern der kühle Analytiker. Weil im Sport letztlich der Kopf entscheidet, ließ er seinen Schützling am Dienstag von einem Experten sogar in Hypnose versetzen. „Denn wenn im Ring zwei gleichstarke Gegner aufeinandertreffen und keiner einen Fehler macht, gewinnt der mit der besseren Psyche.“ Auch wenn für ihn am positiven Ausgang der Premiere absolut kein Zweifel besteht, „sein Gegner verfügt über die Erfahrung von 14 Kämpfen, aber Armin hat als klassischer Konterboxer das Auge, kann jedoch auch in den Angriff gehen“, räumt er lächelnd ein: „Ich bin schweinenervös.“ Ganz im Gegensatz übrigens zu seinem Boxer. Der versichert: „Ich bin ganz locker.“ Das hört der Coach natürlich gerne, schließlich „gehört die mentale Stärke unbedingt dazu.“ Druck ist dabei für ihn ein Fremdwort, vielmehr stellt er klar: „Gewinnt er, ist das sein Verdienst. Verliert er, habe ich als Trainer versagt.“

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Menschen zu motivieren, das ist genau sein Ding, vor allem im Umgang mit seinen oft vollkommen untrainierten und übergewichtigen Kunden im Club. „Unser Fokus“, erklärt er, „liegt auf Kraft- und Ausdauer. Wir wollen die Leute gesund und fit machen. Das Boxen verändert als Erstes den Kopf und dann erst den Körper.“ Das wissen auch Profis aus anderen Sportarten durchaus zu schätzen, so zählt Büdeker unter anderem Fußball-Nationalspieler Jonathan Tah (Bayer 04 Leverkusen) zu seinen Klienten. Und stolz fügt er an: „70 Prozent der rund 200 Mitglieder in Neuss sind Frauen.“

Und weil Armin Arjulai das Herz am rechten Fleck hat, hat er den hoffnungsvollen Nachwuchsboxer, der sich nach Abschluss seiner Ausbildung als Mechatroniker in einem mit der Präsentation der britischen Top-Marken Jaguar und Land Rover befassten Autohaus in Düsseldorf ganz aufs Boxen konzentrieren möchte, schon jetzt als Coach verpflichtet. „Die Mitglieder lieben ihn, er hat Stimme und das richtige Auftreten.“ Was im Moment noch fehlt, ist eine breitere finanzielle Basis, denn auf dem Weg nach oben kommt es nicht nur auf Ehrgeiz, Talent und Ausdauer, sondern eben auch auf den schnöden Mammon an.