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Botic van de Zandschulp macht die Tennisfans in Neuss stolz.

Spieler des TC BW Neuss : „Nüsser Jung“ macht die Tennisfans stolz

Auch wenn er sein erstes Finale auf der ATP-Tour gesundheitlich angeschlagen schon im ersten Satz beenden musste, ist der in der Tennis-Bundesliga seit 2017 für den TC BW Neuss spielende Niederländer Botic van de Zandschulp auf dem Weg in die absolute Weltspitze. 

Obschon dem gemeinen Tennisfan (nicht nur) am Rhein die korrekte Aussprache des Namens immer noch größte Schwierigkeiten bereitet – zu empfehlen ist dazu der YouTube-Clip von einer Pressekonferenz bei den US-Open in New York 2021 –, der 26-Jährige gilt nach mittlerweile fünf Jahren in der Quirinusstadt fast schon als Familienmitglied. „Er wird als Neusser wahrgenommen“, weiß Marius Zay aus vielen Gesprächen zu berichten. Der Teamchef des TC Blau-Weiss hatte das „riesige Potenzial“ van de Zandschulps bereits 2016 als Akteur des Regionalligisten RTHC Leverkusen erkannt und ihn umgehend an die Jahnstraße geholt. Dort gab die damalige Nummer 346 der Weltrangliste ihr Bundesliga-Debüt, stieg mit Neuss auf Anhieb ins Oberhaus auf, ging 2018 mit in die 2. Liga und gehörte 2019 zur Mannschaft, die am letzten Spieltag im Duell mit dem TC Bredeney die abermalige Rückkehr in die Eliteklasse schaffte. In der abgelaufenen Saison war er ganz maßgeblich daran beteiligt, dass der Deutsche Rekordmeister auf dem sensationell starken vierten Platz durch Ziel ging.

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Obwohl der Holländer kurz darauf bei den US-Open als Qualifikant erst im Viertelfinale am Weltranglistenzweiten Daniil Medvedev scheiterte und im internationalen Ranking einen Satz auf Platz 42 machte, hielt er den Blau-Weissen, die am 3. Juli mit dem Derby beim Rochusclub Düsseldorf in ihre 39. Erstliga-Spielzeit gehen, die Treue, ja stimmte sogar seine Einsätze auf der Profitour mit seinem Engagement in Neuss ab. „So reist er ganz bewusst erst später in die USA“, weiß Zay, den mit dem stillen „Shooting Star“ längst eine enge Freundschaft verbindet. Sein Ticket für den Trip zum Finale des ATP-Turniers in München war darum schon gebucht, als ihn ein Krankheitsfall in der Familie am Abflug hinderte. Glück im Unglück: Er verpasste nichts, denn zwar ging van de Zandschulp gegen den Youngster Holger Rune (19) zunächst mit 4:1 in Führung, gab dann aber zwei Spiele in Folge ab und ließ beim 4:3 den Turnierarzt kommen. Er fasste sich immer wieder an die Brust und verließ anschließend den Platz. Nach seiner Rückkehr spielte er noch vier Punkte, bevor er aufgab und in der Kabine verschwand. „Ich hatte Atemprobleme und es war unmöglich zu spielen. 30 Minuten nach meiner Aufgabe war aber schon wieder alles ok“, schrieb der Niederländer später auf Twitter.

Wie für Rune, der im Achtelfinale gegen Top-Favorit Alexander Zverev mit 6:3 und 6:2 gewonnen hatte, war es auch für den „Nüsser Jung“ das erste Finale auf der großen Tour. Während sich der Däne („Ich habe unfassbares Tennis gespielt.“) in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 250 Plätze in der Weltrangliste verbesserte, setzt auch die Nummer eins des TC BW Neuss ihren Höhenflug fort. Wie von Zay schon vor Monaten prophezeit, steht der Rechtshänder als 31. unmittelbar vor dem Sprung in die Top 30. „Er liefert einfach stabil ab.“ Schon am Dienstag trat er bei den Madrid Open zum Duell mit dem Spanier Pablo Carreno Busta an. Das vierte (von neun) 1000er-Masters in dieser Tennis-Saison bestreitet Alexander Zverev als Titelverteidiger, bei den Buchmachern hoch im Kurs stehen zudem das junge Ass Carlos Alcaraz sowie die Altmeister Novak Djokovic und Rafael Nadal. Eine Gesellschaft, in der sich auch Botic van de Zandschulp immer wohler fühlt. Den in München noch unerledigten Job würde er gerne möglich schnell abschließen. Er hofft darum, „dass weitere Endspiele folgen werden.“

Dass Einsätze für Blau-Weiss mit jedem weiteren Erfolg schwieriger werden, sieht Zay ausgesprochen gelassen: „Wenn es passt, kommt er und spielt für uns. Wir sind einfach nur stolz und glücklich.“