Korschenbroich: Bolten-Brauerei trotzt dem Trend

Korschenbroich : Bolten-Brauerei trotzt dem Trend

Seit 2001 ist die Bierproduktion in Nordrhein-Westfalen um 31 Prozent gesunken. Bolten in Korschenbroich allerdings widersetzt sich dem Trend: Die nach eigenen Angaben älteste Altbier-Brauerei der Welt wuchs auch im Frühjahr wieder im zweistelligen Prozentbereich.

19,4 Millionen Hektoliter Bier brauten die 32 größeren Brauereien (ab 20 Beschäftigte) in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2011. Das teilte jetzt das Landesstatistikamt mit. Die Produktion liegt damit 0,3 Prozent unter dem Ausstoß des Vorjahres, gar 31 Prozent unter dem entsprechenden Wert aus dem Jahr 2001, wo allerdings noch 39 Brauereien aufgrund ihrer Größe in die Statistik fielen. Nach wie vor trotzt Bolten in Korschenbroich dem Negativ-Trend.

Kommunikationsmittel Bier

Michael Hollmann, der ehemalige Chef des Dortmunder Getränkekonzerns "Brau und Brunnen", übernahm 2005 die Bolten-Brauerei. Seitdem konnte Hollmann den Ausstoß von 15 000 Hektolitern auf mehr als 50 000 Hektoliter steigern. "Wir haben bisher immer zugelegt. Im letzten Jahr und auch in diesem Frühling im zweistelligen Prozentbereich", sagt Hollmann gegenüber unserer Redaktion. Das Erfolgsrezept sieht der geschäftsführende Gesellschafter unter anderem in der Heimatverbundenheit der Brauerei.

"Wir setzen stark auf Regionalität", unterstreicht Hollmann, der ebenfalls Vizepräsident des Deutschen Brauerbundes ist und im NRW-Verband als Vorstand amtiert. "Wir unterstützen zum Beispiel die Vereine und auch die Schützenfeste in der Region." Insbesondere der Ausstoß an Weizenbier hätte in den vergangenen Jahren um ein Vielfaches zugelegt. Noch braut Bolten kein alkoholfreies Bier, obwohl auch hier die Landesstatistik eine Steigerung um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr notiert. "Der Brauprozess von alkoholfreiem Bier ist sehr aufwendig", sagt Hollmann. "Deswegen lohnt es sich für uns noch nicht." Weshalb der Bierausstoß in NRW in den vergangenen Jahren zumeist gesunken ist — im Jahr 2008 etwa um 2,9 Prozent, im Jahr 2009 um 2,1 Prozent —, kann auch Hollmann nicht definitiv erklären: "Es mag auch am Fitness-Trend liegen."

Jürgen Witt, Geschäftsführer des NRW-Brauereiverbandes, sieht allerdings die Talsohle erreicht. "Die Verbraucher sehen trotz der Krise wieder einen Silberstreif am Horizont", sagt Witt. "Das Kommunikationsmittel Bier ist wieder im Kommen." Der Rückgang der vergangenen Jahre hätte mannigfaltige Ursachen: die demografische Entwicklung, die wirtschaftliche Situation der Verbraucher, ein gewandeltes Gesundheitsbild, auch der Rückzug ins Virtuelle sei verantwortlich. "Doch die Menschen wollen sich wieder persönlich unterhalten, wollen wieder die Geselligkeit. Sie treffen sich in Biergärten und zum Public-Viewing."

Einen Aufwärtstrend stellt der Verband schon dieses Jahr fest. Etwa die Hälfte der rund 100 Brauereien des Landes sind in ihm vertreten. Die Mitglieder verbuchten in den Monaten Januar bis März ein Plus von 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

(NGZ/rl)
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