Bogenschießen : Stilles Glücksgefühl mit Pfeil und Bogen

Bei den im Erzgebirge ausgetragenen Europameisterschaften belegt die Neusserin Corny Schwarz den 15. Platz.

Oberwiesenthal im wunderschönen Erzgebirge, anerkannter Luftkurort, mit 914 Metern die höchstgelegene Stadt Deutschlands – und für Cornelia „Corny“ Schwarz das Tor zur Hölle ...  Am letzten Tag der „European Bowhunter Championships“, den kontinentalen Titelkämpfen der Bogenschützen, stapfte die Neusserin mit ihrem Langbogen den 1215 Meter hohen Fichtelberg hinauf. „Den kannte ich vorher nur mit Skiern unter den Füßen.“ Schlimmer noch: Ein Temperatursturz von „25 Grad gegenüber dem Vortag, dazu Sturm und Dauerregen“, hatten den bis dahin traumhaften Parcours schockgefrostet. „Es war gruselig. Wir hatten klamme Finger und haben alle so schlecht geschossen.“ Kein Wunder bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt.

Und doch hätte die 39-Jährige nirgendwo anders sein wollen. „Es war toll! Klasse, wie sich die einzelnen Startgruppen gegenseitig gefeiert haben.“ Dass sie in ihrer Altersklasse (19 bis 53 Jahre) unter 54 Frauen den 15. Rang belegte, geriet da fast zur Nebensache, zumal sie wegen einer kleinen Operation am Ringfinger erst knapp vier Wochen vorher ins Training eingestiegen war. Trotzdem lieferte sie ein feines Turnier ab, arbeitete sich nach Platz 27 zu Beginn der vier Wettkampftage noch weit nach vorne. Die 2017 in Italien ausgetragene WM hatte sie als beste Deutsche auf Rang 17 beendet.

Als lupenreine Amateurin nutzte sie das internationale Sportfest, an dem insgesamt 2029 Schützen aus mehr als 20 Nationen teilnahmen (Gäste aus Brasilien, Neuseeland und den USA sorgten für zusätzliche Farbe), auch als Kontakthof. „Ich habe so viele liebe Menschen wieder getroffen und neue kennengelernt.“ Zum Beispiel den ehemaligen Skispringer Jens Weißflog: Der Olympiasieger von Sarajevo (1984) und Lillehammer (1994) betreibt in seinem Heimatort Oberwiesenthal ein Appartementhotel und war sich nicht zu schade, die Neusserin und ihre Sportkolleginnen mit abgekochtem Wasser für ihre Trinkflaschen zu versorgen. Zu ihrem Programm gehörte auch ein Abstecher ins benachbarte Tschechien samt kulinarischem Angebot. Ihr Urteil „Mega gute Küche für wenig Geld.“

Und weil der Zusammenhalt unter den in freier Natur tätigen 3D-Bogenschützen, die nicht auf flache Scheiben, sondern zumeist auf Tierfiguren schießen und dabei regelmäßig hügeliges Gelände sowie Hindernisse zu überwinden haben, so außergewöhnlich ist, sind die Tickets für die nächsten Weltmeisterschaften schon so gut wie gebucht. 2019 geht es nach Yankton, einer knapp 15.000 Einwohner zählenden Stadt im US-Bundesstaat South Dakota.

Praktisch: Einen Teil der anfallenden Kosten in Höhe von knapp 3500 Euro übernimmt netterweise ihr Arbeitgeber, die mit der Betreuung von Einkaufszentren (Shopping Malls) befasste City Immobilien Verwaltungsgesellschaft (CIV) an der Immermannstraße in Düsseldorf. Im Jahr darauf startet sie selbstverständlich bei den nächsten Europameisterschaften im französischen Confolens.

Die dazu nötige Form holt sich Corny Schwarz quasi vor der Haustüre: Von Ende August bis Mitte Oktober ist sie bei Turnieren in Eschweiler, Altenkirchen, Kerpen, Hilchenbach, Wegberg, Mülheim, Brüggen oder dem niederländischen Doorwerth an fast jedem Wochenende mit ihrem Langbogen im Einsatz.

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