Bodybuilding : Auf natürlichem Weg zum gestählten Körper

Bei den in Bukarest ausgetragenen Europameisterschaften im Naturalbodybuilding belegte der Neusser André Förster den zweiten Platz. Für den 27-Jährigen ist die Beschäftigung mit dem eigenen Körper mehr als Sport. „Es ist eine Lebenseinstellung.“

Auf den Begriff Bodybuilding wird vermutlich jeder schon einmal in seinem Leben gestoßen sein. Die Vorstellung von aufgepumpten Muskelprotzen, die Tag ein Tag aus vor dem Spiegel posen, dürfte dabei besonders prägnant sein. Dass Bodybuilding fernab von diesem Klischee eine komplexe Sportart ist, wissen nur die wenigstens. Ein Neusser will mit diesen Vorurteilen aufräumen und feiert dabei beeindruckende Erfolge.

Eigentlich hatte André Förster denselben Traum wie Millionen Jugendliche in Deutschland. „Ich habe früher Fußball gespielt und wollte Profi werden“, scherzt der 27-Jährige. Heute kaum vorstellbar, doch damals war Förster ein „eher dürrer Typ“. Deswegen fing er an, zu Hause zu trainieren. Damals erlaubten seine Eltern ihm noch keine Mitgliedschaft im Fitnessstudio. Nach einem Jahr Heimtraining an der Hantelbank des Vaters durfte er mit 17 Jahren in Fitnessstudio. „Meine Eltern haben damals noch den Vertrag unterschrieben“, kann sich Förster genau erinnern. Es war der Beginn einer neuen Liebe zum Sport – und gleichzeitig der Beginn einer erfolgreichen Karriere.

In der Anfangszeit spielte der gebürtige Neusser weiter Fußball beim VfR 06 Neuss. „Ich spielte in der A-Jugend und in der ersten Mannschaft. Das hieß vier Mal die Woche Fußballtraining und dreimal Fitness. Das klappte irgendwann nicht mehr“, erinnert sich Förster. Er entschied sich damals für den Fitnesssport. Doch nach kurzer Zeit vermisste er ein bestimmtes Element, dass ihm der Fußball wöchentlich geboten hatte. „Mir fehlte der Wettbewerb beim Fitnesstraining. Ich wollte nicht zwingend gegen andere antreten, aber mich selber zur Topform treiben“, erklärt Förster die Entscheidung, seine Liebe zur Sportart zu machen. Beim Entschluss, Bodybuilding als Leistungssport zu betreiben, wählte der Neusser einen Weg, auf den er rückblickend besonders stolz ist. Er entschied sich für das „Naturalbodybuilding“. Anders als bei den großen Verbänden ist beim Naturalbodybuilding kein Doping erlaubt. Förster: „Viele denken beim Bodybuilding an Steroide oder andere Substanzen. Ich wollte aber immer eine weiße Weste haben. Bodybuilding steht in einem schlechten Licht. Ich will damit aufräumen!“

Mit knapp 21 Jahren startete Förster erstmals bei einem Wettbewerb. Die Verbände, die Meisterschaften veranstalten, werden immer organisierter. Führend ist da in Deutschland der GNBF. Vereine gibt es für Bodybuilder nicht. Förster brachte sich den größten Teil selber bei. „Viele nehmen sich einen Coach. Ich habe höchstens von Freunden gelernt oder Leuten, die Wettbewerbserfahrung hatten. Die haben mir dann beim Posen geholfen.“ Nach ersten kleinen Wettbewerben und Erfolgen entschied sich das Kraftpaket dieses Jahr noch einmal anzugreifen. Nach sechs Monate Vorbereitungszeit trat Förster bei den Deutschen Meisterschaften in der Athletikklasse an. Er zog ins Finale ein und erfüllte sich damit einen großen Traum. Am Ende wurde er Vierter. Zwei Wochen später setzte der Neusser bei den Europameisterschaften noch einen oben drauf. In Bukarest wurde Förster Vize-Europameister. Es war sein bisher erfolgreichstes Jahr. Der Preis, den Förster dafür zahlen musste, ist auf Anhieb gar nicht zu ermessen. „Dein soziales Leben leidet enorm darunter, wenn man sich auf Wettkämpfe vorbereitet. Bodybuilder ist mehr ein 24/7-Job. Entweder man lebt dafür oder man lässt es sein.“ In der unmittelbaren Vorbereitungszeit konnte er nicht mehr auswärts essen. Seine Küchenwaage und eine Handy-App, die jede Kalorie zählt, waren seine treuen Begleiter während der Diät. „Glücklicherweise hat meine Freundin mitgemacht. Das hat die Sache erträglicher gemacht.“

Aus finanziellen Motiven hat sich Förster nicht für seine Sportart entschieden. Bei der Europameisterschaft gab es eine Tüte mit Eiweißpulver als „Preisgeld“. Mit Wassermelonengeschmack! „Das ist direkt in Bukarest geblieben“, verrät Förster lachend.

André Foerster. Foto: Foerster

Der Lehramtsstudent hat seiner Hobbykarriere einiges verdanken. „Man lernt beim Bodybuilding viel über sich selber. Mein Durchhaltevermögen und meine Disziplin haben mir auch beim Studium geholfen.“ Vorerst plant Förster keine weitere Teilnahme bei Wettbewerben. Er will sich zunächst ganz auf sein anstehendes Referendariat konzentrieren. Bodybuilder bleibt er dennoch. Denn das ist für ihn eine Lebenseinstellung– und damit so viel mehr als reines Gewichte stemmen.