Blut für ein besseres Training

Genau dreieinhalb Wochen vor dem Neusser Sommernachtslauf am 2. Juni betraten sieben der insgesamt 22 Teilnehmer der NGZ-Aktion Asics -Roadrunner völliges Neuland.

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Genau dreieinhalb Wochen vor dem Neusser Sommernachtslauf am 2. Juni betraten sieben der insgesamt 22 Teilnehmer der NGZ-Aktion Asics -Roadrunner völliges Neuland.

Leistungsdiagnostik, das bedeutete in diesem Fall einen Laktatstufentest. Auf der Laufbahn wurden vorher festgelegte Strecken in immer schnellerem Tempo absolviert, die Intensität stieg also kontinuierlich.

Los ging's mit einer Geschwindigkeit von acht Kilometern pro Stunde, die Besten hielten bis 18 km/h durch. Nach jeder Intensitätsstufe wurden die Herzfrequenzen notiert und aus dem rechten Ohrläppchen ein kleine Menge Blut entnommen.

"Mein Ohrläppchen ziert ein hübscher dunkelblauer Bluterguss", wusste Silke Bruch am nächsten Tag zu berichten. Doch das ist ein rein optisches Problem, der kleiner Pikser im Vorfeld des Tests ist so gut wie gar nicht zu spüren. Und er muss sein, damit über das Blut der Laktatwert bestimmt werden kann.

Der ist nötig, um Rückschlüsse auf den Trainingszustand zu ziehen und daraus am Ende Trainingsempfehlungen abzuleiten. Denn Laktat entsteht bei Muskelarbeit, je mehr, je intensiver trainiert wird.

Sportler in einem besseren Trainingszustand haben aber im Vergleich bei derselben Intensität weniger Laktat im Blut, weil ihr Stoffwechsel die Energie für die Muskelarbeit länger unter Verwendung von Sauerstoff produzieren kann. Steigende Laktatwerte im Blut sind ein Zeichen für eine zunehmende Übersäuerung im Muskel, was dazu führen kann, dass die Belastung abgebrochen werden muss.

Und genau das war auch der Grund dafür, wieso einige der Roadrunner schon bei der Intensitätsstufe von 14 km/h die Segel streichen mussten, während andere sich noch mit 18 km/h über die Laufbahn quälen konnten. Wobei Rüdiger Hübbers-Lücking, bei der medicoreha zuständig für Leistungsdiagnostik, vorher betont hatte: "Die Gesundheit steht im Vordergrund.

Es geht nicht darum, das Letzte aus sich herauszuholen. Es kommt darauf an, wie man sich fühlt und wie man mit den Bedingungen zurecht kommt." Hinterher war Hübbers-Lücking sehr zufrieden. Alle haben seiner Ansicht nach gut mitgezogen und waren auch sehr kooperativ. Denn beim Blutabzapfen kann es schon mal zu kleineren Verzögerungen kommen.

Die gewonnenen Werte wird der Trainings-Experte jetzt mit den von Dieter Baumann erstellten Trainingsplänen vergleichen, um dort, wo es sinnvoll ist, noch die ein oder andere Trainingsempfehlung zu geben. "Bis zum Sommernachtslauf wird das zwar nicht mehr viel bringen, aber vor allem für die Zeit danach kann das sehr hilfreich sein", meinte Hübbers-Lücking.

Nach einer ersten groben Analyse konnte er zumindest den beiden Frauen Silke Bruch und Ulrike Fries mit auf den Weg geben, dass es für sie eher sinnvoll ist, noch an ihrer Grundlagenausdauer zu arbeiten. Zu häufige intensive Läufe sind für sie tabu, weil sonst die Gefahr besteht, dass sich ihr Trainingszustand verschlechtert. "Jede Übersäuerung muss abgepuffert werden und das verbraucht Ressourcen im Körper.

Das kostet Zeit und es besteht die Gefahr, dass die Muskeln nicht mehr wollen", erklärt Hübbers-Lücking. Dieter Engemann verfügt dagegen über die Grundlagen, um häufiger aufs Tempo zu drücken, ohne sich zu überfordern. "Mir hat es viel Spaß und auch einen Eindruck über meinen aktuellen Zustand gebracht", meinte denn Engemann auch trotz aller Strapazen.

Die restlichen Roadrunner werden es gerne hören, denn sie konnten ihre Neugierde kaum in Zaum halten. Schon am Donnerstagmorgen wurden die ersten E-Mails verschickt. "Würde mich über einen kleinen Zwischenbericht echt freuen", meinte Christine von Groote.

Am kommenden Mittwoch hat das Warten auch für sie ein Ende. Dann macht sich nämlich die zweite Gruppe der Asics-Roadrunner mit Hilfe der medicoreha im Jahnstadion auf die Suche nach dem aktuellen Trainingszustand.