Lokalsport: Blau-Weiss Neuss startet als Außenseiter

Lokalsport: Blau-Weiss Neuss startet als Außenseiter

Mit sechs neuen Spielern peilt der Aufsteiger den Verbleib in der Tennis-Bundesliga an. Ungur und Nielsen sollen die "Leitwölfe" sein.

Nur ein Jahr hat sie gedauert, die Abwesenheit des Bundesliga-Rekordmeisters aus dem Oberhaus des Deutschen Tennisbundes. Ein Fahrstuhlteam möchte der TC Blau-Weiss Neuss jedoch nicht werden: "Unser Saisonziel lautet Klassenerhalt", sagt Teamchef Marius Zay mit Blick auf die am 8. Juli mit dem Heimspiel gegen den aktuellen Vizemeister TK Grün-Weiss Mannheim startende Spielzeit der Tennis-Bundesliga, die 48. insgesamt und die 37. mit Neusser Beteiligung.

Kein leichtes Unterfangen. Denn der Etat gestattet seit Jahren keine großzügigen Einkaufstouren mehr auf dem Transfermarkt der Tennisspieler. Was die Weltranglistenpositionen der gemeldeten Spieler angeht, ist die blau-weisse Kaderliste die mit Abstand bescheidenste aller zehn Bundesligisten. Der Rumäne Marius Copil, zum Zeitpunkt der Meldung Mitte März auf Rang 75 geführt, ist der einzige Spieler aus den Top-Einhundert, der an der Jahnstraße angeheuert hat.

Im Weißrussen Uladzimir Ignatik (ATP 189) steht nur ein weiterer Blau-Weisser unter den besten Zweihundert. Zum Vergleich: Der Gladbacher HTC hat sechs Akteure aus den Top-Einhundert gemeldet, Auftaktgegner Mannheim um den Weltranglisten-Siebten Dominic Thiem (Österreich) noch einen mehr. Bei Titelverteidiger Blau-Weiss Halle ist es ein Quartett, bei allen anderen sind es mindestens zwei. Nur Mit-Aufsteiger TV Reutlingen schickt mit dem Serben Viktor Troicki (ATP 66) an der Spitze ein ähnliches Aufgebot ins Rennen.

Foto: Woitschützke Andreas
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Marius Zay ficht das nicht an. "Die Liga ist spektakulär besetzt, aber das war zu erwarten", sagt der Neusser Teamchef. Doch er weiß auch: "Man muss erst einmal abwarten, wer von den gemeldeten Spielern tatsächlich aufläuft - und wie oft und gegen wen er das tut." Gleiches gilt freilich auch für sein eigenes Team. Doch im Vergleich zur Abstiegssaison vor zwei Jahren sieht er die Blau-Weissen deutlich besser aufgestellt: "Natürlich gibt es wieder Spiele, in denen wir besonders stark stellen wollen" - dabei denkt er in erster Linie an die Matches gegen die von ihm als Hauptkonkurrenten ausgemachten TV Reutlingen und TC Weinheim. "Aber auch unsere schwächeren Aufstellungen sind stärker als vor zwei Jahren", sagt Zay. So ist aus dem einstigen Quartett der "Spielertrainer" nur noch Clinton Thomson gemeldet.

Der Kampf um den Ligaverbleib wird ohnehin eher an den unteren Positionen eines Kaders gewonnen als an dessen Spitze. Und da verfügen die Neusser in Adrian Ungur und Frederik Nielsen über zwei "Bänke". Die Davis-Cup-erfahrenen Routiniers - Ungur gehört nach überstandener Verletzung wieder zum aktuellen rumänischen Aufgebot - sollen das ansonsten recht junge Team als eine Art Leitwölfe führen. Die beiden und der letztjährige Publikumsliebling Botic van de Zandschulp - der Niederländer liuef ebensom wie sein Landsmann Niels Lootsma auch in der Winterhallenrunde für Blau-Weiss auf - sollen "den Kern des Teams" bilden.

Dessen geringes Durchschnittsalter Zay als Vorteil ansieht: "Die sind alle heiß, die wollen sich beweisen." Das habe er bereits bei den Vertragsverhandlungen gespürt, bei denen ihm der ein oder andere Spieler in finanzieller Hinsicht entgegen gekommen sei. Bei anderen hatte er das richtige Händchen zum richtigen Zeitpunkt: Der Pole Hubert Hurkacz war bei Vertragsabschluss um Rang 300 gelistet, inzwischen ist der 21-Jährige auf Position 171 geklettert - Tendenz steigend. Trotzdem musste er aus dem Aufstiegskader ein Duo ziehen lassen, das er gerne behalten hätte: Julian Canigna (TK Kurhaus Aachen) und Hans-Podlipnik-Castillo (Rochusclub Düsseldorf) erhielten "Angebote, bei denen wir definitiv nicht mithalten konnten", sagt Zay. Geld erspielt eben doch Punkte - auch in der Tennis-Bundesliga.

(NGZ)