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Bilanz des Handball-Geschäftsführers von Bayer Dormagen im Interview

Dormagens Handball-Geschäftsführer zieht Bilanz : „Wir sind als Verein zusammengewachsen“

Björb Barthel ist sehr zufrieden mit dem bisherigen Saisonverlauf von Bayers Zweitliga-Handballern. Angesichts von Platz vier fällt sein Fazit trotz Corona sowohl organisatorisch als auch sportlich positiv aus.

Die WM-Pause macht’s möglich. Erstmals seit langer Zeit kann Björn Barthel, Handball-Geschäftsführer des Zweitligisten TSV Bayer Dormagen, wieder durchschnaufen. Er, seine Kollegen von der Geschäftsstelle, das Team um die Mannschaft sowie der Trainer und die Spieler haben in dem von der Corona-Pandemie geprägten Jahr 2020 eine sehr anstrengende Zeit hinter sich. Gerade in der Schlussphase des Vorjahres jagte eine Partie die nächste, was der TSV aber gut verkraftete. Mit 17:9 Punkten aus 13 Spielen steht Dormagen als Vierter exzellent da. Unsere Redaktion sprach mit Barthel vor dem Start der Vorbereitung am 15. Januar unter anderem darüber, wie er das bisher geleistete bewertet.

Herr Barthel, wie gut tut es Ihnen, jetzt mal etwas abschalten zu können?

Barthel Es ist schön, erstmals seit Februar 2020 mal wieder zwei Wochen am Stück frei zu haben und das ereignisreiche Jahr verarbeiten zu können. Es ist aktuell zwar schwer, ganz abzuschalten, weil man nicht wegfahren kann. Aber ich genieße es, zum Beispiel durchschlafen zu können. Ich bin ein Mensch, der nachts viel verarbeitet. Und ich musste mich mit vielem beschäftigen, mit dem ich beruflich vorher noch nie zu tun hatte, zudem trage ich die Verantwortung für die GmbH und die Angestellten.

Als Geschäftsführer haben Sie zwei Perspektiven. Wie fällt Ihre Bilanz der bisherigen Saison und der Corona-Zeit aus administrativer Sicht aus?

Barthel Eigentlich positiv, denn ich bin kein Mensch, der viel zurückschaut. Corona hat zwar viele Entbehrungen mitgebracht, aber auch positive Aspekte zutage gefördert. Da fällt mir gleich ein, dass wir in Dormagen oft von der Handball-Familie sprechen. Das hat sich bewahrheitet. Wir sind als Verein zusammengewachsen. Es gab eine gute Kommunikation, sehr transparent und vertrauensvoll. Das hat vieles vereinfacht. Alle sind sehr verhältnismäßig mit der Situation umgegangen.

Was ist Ihnen besonders positiv und was besonders negativ in Erinnerung geblieben?

Barthel Was den Verein betrifft, habe ich das Positive ja schon genannt. Ich persönlich bin an der Herausforderung gewachsen und habe gelernt, dass es wichtig ist, sich in so einer Krise aufs Wesentliche zu konzentrieren und mit klaren Formulierungen zu arbeiten, ohne sich in Details zu verlieren, weil im Zusammenhang mit Corona nicht alle Maßnahmen logisch sind. Toll war zum Beispiel auch die Solidarität der Dauerkarteninhaber und der Sponsoren. Teilweise frustrierend war die Ungewissheit. Etwa wenn man auf Bescheide wartet. Zum Beispiel wissen wir bis heute nicht, ob wir von der Corona-Soforthilfe für den Profisport profitieren können. Das erschwert uns die Planung, wir müssen ja auch noch im Mai/Juni liquide sein und entsprechend unser Budget anpassen.

Und dann gibt es noch die sportliche Seite. Wie zufrieden sind Sie da?

Barthel Die Bilanz ist absolut positiv. Hätte mir vorher jemand gesagt, dass wir zu diesem Zeitpunkt so dastehen, hätte ich das kaum für möglich gehalten. Ich ziehe den Hut vor der Truppe. Wie sie gelernt hat, mit der hohen Belastung und der steten Unsicherheit möglicher Spielabsagen umzugehen, und wie sie Ende Dezember noch mal alles rausgeholt hat, mit dem Unentschieden gegen Gummersbach als Krönung, war schon klasse. Aber ich habe den Eindruck, dass wir noch nicht am Limit sind, sowohl als Mannschaft als auch bei der Entwicklung einzelner Spieler.

Nach der Pleite in Fürstenfeldbruck haben Sie aber auch mal deutlich Kritik geübt.

Barthel Ich hatte den Eindruck, dass die Spieler in diesem Spiel sehr unzufrieden mit sich selbst und genervt waren, es aber niemanden gab, der das Team da rausziehen konnte. Wenn man es aber schafft, in diesen Momenten gegenzuhalten, dann geht man den nächsten Entwicklungsschritt. Den hat die Mannschaft jetzt aber gemacht, sie ist reifer geworden und spielt Männerhandball. Es wird aber auch weiter Rückschläge geben, so eine Entwicklung verläuft immer wellenförmig.

Wie sind ihre Personalplanungen aus dem Sommer aufgegangen?

Barthel Aus meiner Sicht sehr gut, charakterlich passen die Spieler sehr gut zu uns. Dass sie sich sportlich anfangs schwertaten, hatte auch damit zu tun, dass wir wegen Corona keine normale Vorbereitung hatten. Der Österreicher Antonio Juric ist zum Beispiel noch ein junger Spieler und absolviert bei uns seine erste Auslandsstation. Er hat seine Sache zuletzt auch gut gemacht. Martin Juzbasic ist nach der Verletzung von Sven Bartmann sehr gut mit der alleinigen Verantwortung im Tor umgegangen. Die größte Überraschung war für mich Alexander Senden im linken Rückraum. Er ist ein Mentalitätsspieler, der immer 100 Prozent gibt, ein echter Glücksgriff.

Was ist noch möglich in dieser Saison?

Barthel Wir können einen Platz unter den ersten Acht holen. Entscheidend ist, wie Patrick und Ian Hüter von der WM zurückkommen, zudem fehlen sie auf jeden Fall in der Vorbereitung. Antonio Juric und Jakub Sterba sind auch noch WM-Kandidaten. Ich hoffe, wir bleiben von Verletzungen verschont. Wichtig ist auch, dass Julian Köster nach seiner langen Verletzungspause möglichst schnell wieder fit wird.

Wann rechnen Sie wieder mit Zuschauern?

Barthel Ich hoffe einfach, dass irgendwann wenigstens wieder ein paar Leute in die Halle dürfen. Ich habe das Gefühl, dass vielleicht ab März wieder etwas möglich sein könnte.

Sie planen aber schon über die aktuelle Saison hinaus. Wie wichtig waren da die vorzeitigen Vertragsverlängerungen von Leistungsträgern wie den Hüter-Brüdern?

Barthel Extrem wichtig. Wir haben all die Jahre oft wichtige Spieler abgegeben. Wenn man ein Team langfristig aufbaut, braucht man eine Struktur. Dass Wechsel vorkommen, ist ganz normal. Jetzt besteht aber nicht mehr die Gefahr, dass uns gleich eine ganze Achse wegbricht.