Lokalsport: Betretene Mienen nach dem Missgeschick von Plaz

Lokalsport: Betretene Mienen nach dem Missgeschick von Plaz

TSV Dormagen muss im Abstiegskampf jetzt schon auf den dritten Leistungsträger verzichten

Am Ende, die Hallenuhr ging auf Mitternacht zu, wurde doch noch ein bisschen gelacht in den Katakomben der HRC-Arena. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff herrschte hingegen Grabesstille auf Seiten des TSV Dormagen. Das hatte freilich nichts mit der Leistung zu tun, die der abstiegsgefährdete Handball-Bundesligist bei seiner 23:25-Niederlage gegen Europacup-Anwärter TV Großwallstadt bot (die NGZ berichtete).

Im Gegenteil: "Wie die Jungs heute aufgetreten sind, müsste mich eigentlich in Hochstimmung versetzen", meinte Kai Wandschneider vor allem mit Blick auf den nie versiegenden Kampfgeist seiner Schützlinge, die aus einem scheinbar unaufholbaren Rückstand (17:24, 49.) noch eine hochspannende Schlussphase machten. Was dem Handball-Lehrer die Laune verdarb, war jene Szene aus der dritten Spielminute, als Rechtsaußen Tobias Plaz nach schnellem Anwurf der Hausherren allein in den gegnerischen Wurfkreis sprang und nach seinem Treffer zum 1:2 mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Hallenboden liegenblieb. Die erste Diagnose, von Mannschaftsarzt Dr. Guido Laps vor Ort erstellt, klang niederschmetternd: Verdacht auf Riss des vorderen Kreuzbandes im linken Knie.

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Sollte sich der Verdacht bestätigen, droht der 28 Jahre alte Linkshänder bis zum Beginn der nächsten Spielzeit auszufallen. Die Konsequenz: Dormagen muss den Abstiegskampf ohne drei Akteure bestreiten, die zu Saisonbeginn als Leistungsträger galten, nachdem Kjell Landsberg (Göppingen) und Christoph Schindler (Gummersbach) den TSV verlassen haben. Aus ursprünglich 15 Feldspielern sind zwölf geworden, von denen fünf 22 Jahre und jünger sind.

Die Verantwortung auf Rechtsaußen muss jetzt der niederländische Junioren-Nationalspieler Bobby Schagen (20) übernehmen, der bislang aufgrund seiner Deckungsschwäche kaum Spielanteile hatte. Die Dormagener Hoffnung: Dass er einen ähnlichen Weg beschreitet wie vor Jahresfrist Tim Henkel, der nach dem Ausfall von Plaz (Bandscheibenvorfall) einen enormen Leistungssprung hinlegte. Zwar kann, wie am Freitag praktiziert, auch Kristian Nippes auf die Außenposition rücken. Doch der Juniioren-Weltmeister wird angesichts der starken Leistungsschwankungen von Konstantinos Chantziaras — in Balingen einer der besten, leistete sich der Grieche fünf Fehlwürfe und mindestens eben so viele technische Fehler — dringender im rechten Rückraum benötigt. "Ich werde mir etwas einfallen lassen, ich weiß nur noch nicht, was", kündigt Taktiktüftler Wandschneider an. Eine Verstärkung ist angesichts des Ablaufs der Wechselfrist ausgeschlossen — es sei denn, der TSV findet einen Spieler, der in dieser Saison bislang ohne Vertrag war. Doch da hatte er sich schon nach Schindlers Abgang nur Körbe eingehandelt.

(NGZ)