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Historisches Hagelkreuz an der Landesstraße 381: Beten für den Schutz reifer Früchte

Historisches Hagelkreuz an der Landesstraße 381 : Beten für den Schutz reifer Früchte

Verkehrsteilnehmer, die sich mit dem Auto über die Raitz-von-Frentz-Straße - die Landesstraße 381 - in Richtung Weilerhöfe (Büttgen) oder von dort kommend nach Kleinenbroich bewegen, passieren - meistens ohne es zu bemerken - ein historisches Hagelkreuz. Dieses Kreuz blickt auf eine fast dreihundertjährige Geschichte zurück und erinnert gleichzeitig an die Familiengeschichte "derer von Randerath", die seit dem 11. Jahrhundert in Kleinenbroich beheimatet waren. Von vielen Verkehrsteilnehmern unbeachtet: das historische Hagelkreuz an der Landesstraße 381 in Kleinenbroich. Es blickt auf eine fast dreihundertjährige Geschichte zurück. NGZ-Foto: M. Reuter

Verkehrsteilnehmer, die sich mit dem Auto über die Raitz-von-Frentz-Straße - die Landesstraße 381 - in Richtung Weilerhöfe (Büttgen) oder von dort kommend nach Kleinenbroich bewegen, passieren - meistens ohne es zu bemerken - ein historisches Hagelkreuz. Dieses Kreuz blickt auf eine fast dreihundertjährige Geschichte zurück und erinnert gleichzeitig an die Familiengeschichte "derer von Randerath", die seit dem 11. Jahrhundert in Kleinenbroich beheimatet waren. Von vielen Verkehrsteilnehmern unbeachtet: das historische Hagelkreuz an der Landesstraße 381 in Kleinenbroich. Es blickt auf eine fast dreihundertjährige Geschichte zurück. NGZ-Foto: M. Reuter

Der Sohn des Raitz von Frentz, Winand Hieronimus, heiratete die Tochter des Reitergenerals Jan van Werth, Lambertina Irmgardis, und ihr Sohn, der sich Herr zu Berg, Odenkirchen, Kellenberg, Chrumbach und Stommeln nannte, ließ 1705 das Hagelkreuz zwischen Kleinenbroich und den Weilerhöfen neu errichten. Laut des Kleinenbroicher Heimatchronisten Hubert Köhnen ist es ein Patriarchenkreuz mit zwei Querbalken. Über einer Inschrift ist das Wappen der Raitz von Frentz zu erkennen, in dem man in der linken oberen Ecke ein Schwein findet, angeblich, weil Jan van Werth in seiner Jugend auf dem Felshof in Büttgen (der zu Haus Randerath gehörte) Schweinehirt war.

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Nach der Überlieferung, so Hubert Köhnen, soll vor der Errichtung dieses Hagelkreuzes an der selben Stelle ein Holzkreuz gestanden haben, mit der Inschrift "Jan van Wiet - wor geweß ene Ferkelshiet". ("Jan van Werth war gewiss ein Schweinehirt".) Die Inschrift des Hagelkreuzes lautet: "Der erlauchte und adlige Herr Franz Winand Freiherr Raitz von Frentz aus Schlenderhan, Herr in Kleinenbroich, hat mich zur größeren Ehre Gottes errichtet, 1705." So erinnert das Hagelkreuz auch heute noch, wie sehr die Geschichte des Hauses Randerath mit den Erinnerungen des Dreißigjährigen Krieges verknüpft war.

Gleichzeitig erinnert das Hagelkreuz aber auch an jene Zeiten, als die gottesfrommen Menschen zum Hagelkreuz gingen, um für den Schutz der reifenden Saat und der Früchte vor "Hagelschlag" und Unwetter zu beten. In den meisten Gemeinden - sicherlich auch in Kleinenbroich - stand am Freitag nach Christi Himmelfahrt die so genannte Hagelfeier auf dem offiziellen Zeitplan. "Die Gemeinde zog an diesem Tag in Prozession wie an den Bitt-Tagen zum Hagelkreuz. Und auch die Armen waren dabei, deren Gebet man für besonders wirksam hielt", so der Chronist Dr. Jakob Bremer. "Sie fanden unter dem Hagelkreuz reiche Spenden." Franz Winand, der Erbauer des Hagelkreuzes, war Personator an der Büttgener Pfarrkirche, zu der damals das Kleinenbroicher Kirchspiel gehörte. Ein Personator war - laut Köhnen - ein Pastor ohne Weihen, der aber die Einkünfte eines Pastors bezog.

Die so genannte "Hagelfeier" wurde dann im Laufe des 17. Jahrhunderts eingestellt, weil auch die kirchliche Behörde dagegen war. Als man allerdings unter der preußischen Regierung (1825) in der vierten Woche nach Ostern den "Bettag" einführte, nannte man ihn kirchlicherseits auch wieder "Hagelfeier". Das Hagelkreuz an der heutigen L.381 ist übrigens in der Denkmalliste der Stadt Korschenbroich vertreten. Im sehenswerten Heimatarchiv des Kleinenbroicher Heimatvereins im ehemaligen Bahnhof sind mehrere Hagelkreuz-Bilder ausgestellt. Auf Wunsch der Besucher können auch historische Unterlagen über die Entstehung des Hagelkreuzes eingesehen werden. P. Mabe

(NGZ)