Benjamin Wulschner siegt bei den Gut Neuhaus Indoors

Pferdesport : Ein Vorgeschmack aufs Deutsche Springderby

Bei den Gut Neuhaus Indoors bewiesen die Lokalmatadoren, dass sie fit für die grüne Saison sind. Erfolgreichster Reiter war Benjamin Wulschner, der den Großen Preis und das Rheinische Springderby gewann.

Hadjib war die letzten Jahre immer „nur“ die Nummer zwei im Stall von Springreiter Gilbert Tillmann. Erst stand der braune Wallach im Schatten von Hello Max, dann von Claus-Dieter – trotz eigener Erfolge in schweren Springen, wie Platz sechs im Deutschen Springderby 2016. Zuletzt war er lange verletzt, so dass der unscheinbare Braune bei den Reitsportfans im Rhein-Kreis Neuss fast in Vergessenheit geriet. Ganz anders bei seinem Reiter, der Hadjib bewusst langsam wieder antrainierte, fast zwei Jahre abseits vom Turniertrubel.

Bei den Gut Neuhaus Indoors wurde klar: Jetzt ist Hadjib die Nummer eins. Der 13-jährige Zweibrücker ist endlich wieder fit. Schon im 5. Rheinischen Springderby am Samstagabend sprang das Paar auf Platz vier – zwar mit zwei Abwürfen, aber dennoch guten Runden. Im Großen Preis am Sonntag gelang Gilbert Tillmann und Hadjib dann ein großer Erfolg vor heimischem Publikum. Das Paar sprang im Stechen des mit 4.000 Euro dotierten S-Springens auf den Silberplatz. Als eines von nur drei Paaren blieben die zwei in beiden Umläufen fehlerfrei. Besser waren nur Benjamin Wulschner und sein neunjähriger Oldenburger Quidditsch. Der 30-Jährige aus Mecklenburg-Vorpommern reitet in großen Hufspuren: Sein Vater ist der international erfolgreiche Nationenpreisreiter Holger Wulschner, 2000 auf Capriol Derbysieger in Hamburg. Er ist bis heute der einzige Derbysieger, der beide Qualifikationen und das Derby gewann. Der Junior macht es dem Senior nach, ist nach „Lehr- und Wanderjahren“ seit 2016 im elterlichen Stall in Groß Viegeln beheimatet.

Und er ritt bei den Indoors auf einer Erfolgswelle. Im Sattel von Quidditsch gewann er nicht nur das schwerste Springen des Turniers, sondern auch das 5. Rheinische Derby. Vor voller Kulisse – das Derby war einmal Publikumsrenner – pilotierte Benjamin Wulschner sein Pferd souverän über die Derbyhindernisse und verwies damit den vierfachen Seriensieger Frederic Tillmann mit Quandor de Pilenie auf Platz zwei – und den Derbysieger von 2013 auf Platz vier.

Ende Mai dürften Gilbert Tillmann und Benjamin Wulschner wieder aufeinandertreffen. Beide planen einen Start bei dem legendären schwersten Springen der Welt in Hamburg-Kleinflottbek. Hadjib dürfte, wenn alles gut geht, die Reise nach Hamburg antreten.

Für Wulschner hat sich die Reise von Mecklenburg-Vorpommern ins Rheinland gelohnt. Neben den beiden S-Siegen auf Quidditsch gewann er auf Crystall ein weiteres schweres Springen am Samstag. Mit den drei Siegen avancierte er zum erfolgreichsten Reiter der Indoors 2019. „Es war toll hier“, freute er sich über die perfekten Bedingungen bei den Indoors auf der Reitanlage Tillmann. Neben den Gastgebern vom RC Gut Neuhaus bewiesen auch die weiteren Lokalmatadoren, dass sie weiter zu den dominierenden rheinischen Springreitern gehören. Zum Beispiel Patrick Sandner (PF GutMankartzhof): Er lieferte mit Ambrosio d’Alcy, einem erst neunjährigen Fuchswallach, im Großen Preis den dritten „Doppelnuller“. Das Paar landete auf Rang drei.

Auch Frederic Tillmann schaffte es auf Mr. Carino ins Stechen. Ein Abwurf machte den Traum vom Sieg zunichte – Platz sechs für den Pferdewirtschaftsmeister. „Ich bin dennoch zufrieden. Sportlich, aber auch organisatorisch,“ konstatierte er. Bei der 16. Auflage des größten Hallenturniers im Kreis-Pferdesportverband Neuss lief sowohl im Parcours als auch „Drumherum“ alles rund. Das Team des Reitclub Gut Neuhaus ist so eingespielt, dass nichts die ehrenamtlichen Helfer aus der Ruhe bringen kann. „Ohne unsere ganzen Leute wäre das Turnier nicht zu stemmen“, weiß Frederic Tillmann.