Regentin stammt aus einer alten Schützenfamilie: Beim Brote schmieren muss die Königin mit ran

Regentin stammt aus einer alten Schützenfamilie : Beim Brote schmieren muss die Königin mit ran

Sie ist seit 27 Jahren verheiratet und hat schon lange gemerkt, dass ihr Mann gerne mal den Vogel abschießen würde. Als es im vergangenen Jahr dann soweit war, war Anneliese Schlösser innerlich längst darauf vorbereitet. Vielleicht fällt es ihr auch deshalb nicht schwer, Königin der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft zu sein, weil sie aus einer alten Schützenfamilie stammt. Sebastianer-Königin Anneliese Schlösser hat Schützenblut in ihren Adern: Ihr Urgroßvater war der legendäre Oberst Friedrich Kreutzer. NGZ-Foto: L. Berns

Sie ist seit 27 Jahren verheiratet und hat schon lange gemerkt, dass ihr Mann gerne mal den Vogel abschießen würde. Als es im vergangenen Jahr dann soweit war, war Anneliese Schlösser innerlich längst darauf vorbereitet. Vielleicht fällt es ihr auch deshalb nicht schwer, Königin der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft zu sein, weil sie aus einer alten Schützenfamilie stammt. Sebastianer-Königin Anneliese Schlösser hat Schützenblut in ihren Adern: Ihr Urgroßvater war der legendäre Oberst Friedrich Kreutzer. NGZ-Foto: L. Berns

Als Königin sind ihr Standesdünkel übrigens fremd: Sie bügelt nicht nur die königlichen Hemden, sondern auch die weiße Hose von Sohn Michael, der seit einigen Jahren ebenfalls mitmarschiert. Vater Franz ist seit einem halben Jahrhundert Mitglied der Bruderschaft, der Urgroßvater mütterlicherseits ist der langjährige Oberst Friedrich Kreutzer, genau der, der auch im Pfingstlied vorkommt. Anneliese Schlösser hat also das, was man "Stallgeruch" nennt. Die 49-Jährige wurde in Herrenshoff geboren und arbeitete nach Beendigung der Schulzeit als Bankkauffrau in Mönchengladbach. Bis sich Nachwuchs einstellte: Der Sohn ist 20 Jahre alt und im fünften Jahr aktiver Schütze. Auch sonst tritt er in die Fußstapfen der Eltern - er beginnt nämlich nach den Sommerferien eine Ausbildung zum Bankkaufmann.

Die 18-jährige Tochter ist da ein wenig aus der Art geschlagen: Sie hat sowohl am Bankberuf, als auch am Schützenwesen wenig Interesse, möchte nach dem Abitur Wirtschaftsrecht studieren. Trotzdem wird sie sich zum Schützenfest einbringen, indem sie die Eltern fährt. Die Königin trinkt nämlich gern in guter Gesellschaft ein gepflegtes Bier. In der Bruderschaft fühlt sie sich als Frau bestens aufgehoben. Erstens ist sie dort von alten Bekannten umgeben und zweitens wird im Königszug "Edelweiß" viel mit der Familie unternommen. Die Schützenfrauen haben sich zudem als sehr hilfsbereit erwiesen. Was sie ein wenig bedauert: Die Residenz ist beim Schwager aufgebaut worden, Am Waldfriedhof, rund anderthalb Kilometer von der Novalisstraße, ihrer Adresse, entfernt.

Gern hätte sie die Gäste zu Hause bewirtet, doch die Novalisstraße gehört zu einem anderen Bruderschaftsbezirk. Das war übrigens ganz schöner Stress am Montag Morgen: Um vier Uhr morgens war die Nachtruhe vorbei, es galt, mit vereinten Kräften 1.000 Brötchen zu schmieren, 400 Eier zu kochen und Unmengen von Kaffee aufzubrühen, um 600 Besucher zu bewirten. Die Minister-Frauen Josi Schlösser und Gerti Fiethen kennt die Königin schon eine kleine Ewigkeit, man versteht sich bestens. Wie man sich als Königin so fühlt: "Man ist schon ein wenig kribbelig, hofft, dass man alles auf die Reihe kriegt." Was macht die 49-Jährige sonst so? Nun, als Hausfrau und Mutter ist sie ziemlich ausgelastet. Trotzdem bleibt noch Zeit zum Lösen von Kreuzworträtseln und für ein Engagement bei der Katholischen Frauengemeinschaft.

Anneliese Schlösser betreut ältere, alleinstehende Menschen, die sich über ihren Besuch immer riesig freuen und hoffen, dass sie viel Zeit mitbringt. Im Herbst ist wieder eine Flugreise in den Süden geplant. Ist die Königin eitel? Zum Schützenfest hat sie ihre Friseurin ins Haus kommen lassen: "Besondere Ereignisse erfordern nun mal besondere Maßnahmen." Und die Kleider hat sie gemeinsam mit dem König und den Ministerpaaren ausgesucht. Wer sich mit ihr freut: Vater Franz Richter ist leidenschaftlicher Schütze und wäre gern selber König geworden. Mutter Maria hatte jedoch nie der Sinn danach gestanden. Trotzdem wird sie ein wenig stolz auf ihre Tochter sein. barni

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