Bei den NEW' Elephants Grevenbroich ersetzt Jahad Thomas John Murry. 

Basketball : Elephants tauschen Rollstuhl gegen Bulldozer

Der Basketball-Regionalligist aus Grevenbroich sorgt schon vor dem Saisonstart für Gesprächsstoff. Jahad Thomas ersetzt John Murry.

Als Hartmut Oehmen vor zweieinhalb Wochen den im Vorfeld mit großen Vorschusslorbeeren bedachten US-Profi John Murry am Düsseldorfer Flughafen abholte, wähnte sich der TV-erfahrene Manager des Basketball-Regionalligisten NEW’ Elephants in einer Folge der Unterhaltungssendung „Verstehen Sie Spaß?“ Denn sein 24 Jahre alter Schützling saß in einem vom Servicepersonal geschobenen Rollstuhl. Er sei im Abschlusstraining umgeknickt, zum Saisonstart am 14. September aber definitiv fit, teilte der in Indianapolis geborene Combo-Guard mit.

Oehmen ist freilich schon zu lange im Geschäft, um sich auf derlei Aussagen verlassen zu können und ließ sich aus den USA flugs die Röntgenbilder schicken. Die Diagnose: Haarriss in einem der fünf Mittelfußknochen. Mehr als Fahrradfahren und Oberkörpertraining ist für Murry deshalb erstmal nicht drin. „Und da die Chance, dass ein Mittelfußbruch innerhalb von sechs Wochen komplett ausgeheilt ist, nicht existiert“, ließ der auch international gut vernetzte Manager seine Kontakte spielen. Mit Liga-Topscorer Mike Nwabuzor (BG Dorsten) sei er sich schon einig gewesen, „doch sein Agent riet ihm, auf ein besseres Angebot zu warten.“

Dann legte ihm ein befreundeter Spielerberater Jahad Thomas ans Herz. Auf den ersten Blick ein Hochkaräter: Seine vierjährige Karriere an der  staatlichen Universität in Lowell im US-Bundesstaat Massachusetts (kurz: UMass Lowell) beendete er, so das renommierte Basketball-Magazin „Street & Smith’s“, als bester Punktesammler (21), Rebounder (8), Passgeber (4) und Balldieb (1,5) der River Hawks. Durchschnittswerte wie sie auf höchstem College-Niveau (NCAA Division I) in den vergangenen 25 Jahren nur ein gewisser Anfernee „Penny“ Hardaway (Mitglied des Dream Team III, das bei den Olympischen Spielen in Atlanta die Goldmedaille gewann) aufzuweisen hatte. Zur weiteren Einordnung: In den Staaten nehmen am Spielbetrieb der Beletage 351 Unis in 32 Ligen („Conferences“) teil.

Die in den Neuenglandstaaten Massachusetts und New Hampshire erscheinende Tageszeitung „Lowell Sun“ schrieb zum Abschied von Jahad Thomas vor ziemlich genau einem Jahr: „Dieser 1,88 Meter große und 100 Kilogramm schwere Linkshänder aus Williamsport in Pennsylvania füllte die Statistikblätter regelmäßig mit der Schnelligkeit und der Ballsicherheit eines Aufbauspielers sowie der Muskelkraft und der Stärke eines zum Power Forward mutierten Linebackers.“ Will Brown sagte nach einer Partie der von ihm trainierten UAlbany Great Danes gegen UMass Lowell sogar: „Er ist eine Laune der Natur! Ich bin jetzt schon so lange in dieser Liga, da gab es einige große Spieler. Aber er ist einzigartig.“ Auch Oehmen war sofort hin und weg: „Wenn wir bisher Farid Sadek als Kraftpaket bezeichnet haben, ist Jahad ein Bulldozer.“ Ein bisschen erinnere ihn der 24-Jährige an den Gangsta-Rapper und Schauspieler „50 Cent“. Er kenne keine Angst, attackiere selbst in Duellen mit 2,08 Meter großen und knapp 130 Kilogramm schweren Giganten den Korb. „Er ist wie ein Pit Bull.“

Sein Problem: Bereits am College erlitt er zwei Kreuzbandrisse – und auch sein erstes Profiengagement beim BC Zaporizhya in der ukrainischen „Super League“ endete bereits vor dem ersten Spiel mit einer schweren Knieverletzung. Erst seit drei Monaten ist Thomas wieder bei 100 Prozent. Die Elephants sind für ihn so etwas wie eine Testrampe, „denn eigentlich gehört er mindestens in die Pro A“, weiß Oehmen, der seine Elephants allerdings nicht als reinen Durchlauferhitzer sieht: „Er hat keine Freigabeklausel. Ohne unsere Zustimmung kann er in dieser Saison nirgendwo anders hin.“ Seinen Einstand gibt er am Mittwoch im ersten Vorbereitungsspiel beim Liga-Rivalen SV Hagen-Haspe.

Das Kraftpaket Jahad Thomas landete erst am Montag in Düsseldorf, fehlt also noch auf dem Mannschaftsfoto der Elephants. Foto: goriverhawks.com

Und damit zurück zu Murry: Der Unglücksrabe könnte frühestens Ende September wieder ins Training einsteigen. Bis dahin bleibt er (auf eigene Kosten) in Grevenbroich, wohnt im Appartement von Trainer Jason Price, der wie schon zu seiner aktiven Zeit bei den Panthers bei seinem Spezi Hartmut Oehmen in Krefeld unterkommt.

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