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Kommentar zum Spiel gegen Hameln: Bayer steckt weiter in der Krise

Kommentar zum Spiel gegen Hameln : Bayer steckt weiter in der Krise

Das Weihnachtsfest hatte sie alle zusammen geführt in der Dreifachhalle - jene Männer, die den Absturz des Dormagener Handballs vom Europapokalfinalisten zum Abstiegskandidaten zu verantworten haben: Hans-Ulrich Prowe, Dr. Theo Falkenberg, Wilfried Richrath und Ulrich Derad haben mit ihrem Finanzgebaren und ihren Personalentscheidungen den TSV Bayer in den Abgrund getrieben.

Zum Glück können die drei Erstgenannten keinen Schaden mehr anrichten. Ob es trotzdem eine Zukunft des Spitzenhandballs in Dormagen gibt, darf seit Samstag wieder stark in Zweifel gezogen werden. Das kleine Zwischenhoch von vier Siegen in Folge hat nämlich den meisten Beteiligten Sand in die Augen gestreut: Der TSV Bayer steckt weiter in der Krise, vielleicht tiefer denn je. Der Blick auf den Spielplan verheißt nichts Gutes: Mit den letzten Partien dieses Jahres in Wetzlar und Minden sowie dem "Hammer-Programm" zum Wiederbeginn nach der WM-Pause gegen Kiel, in Wallau, gegen Flensburg und in Schwartau drohen 0:12 Punkte - und damit der Abstieg.

Die Krise lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: Führungsschwäche. Führungsschwäche auf dem Parkett, wo Henrik Andersson der schlechteste Spielgestalter ist, den Bayer je hatte. Was ist aus der Kreativabteilung geworden, die einst mit Michael Klemm und Dieter Springel zu den besten der Liga zählte? Selbst ein oft gescholtener Rene Boeriths besaß mehr Autorität und Torgefährlichkeit als der Schwede.

Führungsschwäche aber auch im Umfeld: Da fehlt die eiserne Hand, die die Bayer-Akteure unter Leistungsdruck setzt, anders lassen sich solche eklatanten Ausschläge des Einstellungsbarometers - hier Nordhorn und Lemgo, da Großwallstadt und Hameln - nicht erklären. Jetzt gibt es auch keine Ausreden in Sachen Personalmisere mehr: Das 23:27 war ein Schlag ins Gesicht all jener, die stets gebetsmühlenartig wiederholt hatten: "Wenn wir erst einmal komplett sind .....".

Jetzt ist der TSV (fast) komplett, und blamiert sich prompt bis auf die Knochen. Es wäre interessant zu erfahren, ob Bayer auch bei leitenden Angestellten in anderen Produktbereichen solchen Langmut zeigt wie in Sachen Handball, wenn sie ein florierendes Unternehmen in den Ruin treiben. Volker Koch