Lokalsport: Bayer-Fechter sind das Maß aller Dinge

Lokalsport : Bayer-Fechter sind das Maß aller Dinge

International kämpfen die deutschen Säbelfechter um den Anschluss an die Weltspitze, national führt kein Weg am TSV Bayer Dormagen vorbei: Bei den Deutschen Meisterschaften in Künzelsau gingen alle vier Titel an den Höhenberg.

Wären Benedikt Wagner, Anna Limbach und Co. keine Säbelfechter, sondern Fußballer, trügen sie nicht das Bayer-Kreuz, sondern das Vereinsemblem des FC Bayern München auf Trikot und Trainingsdress. Denn so erdrückend, wie der Meister den deutschen Fußball beherrscht, ist auch die Übermacht des TSV Bayer Dormagen gegenüber der nationalen Säbel-Konkurrenz.

Bei den Deutschen Meisterschaften, die am Wochenende im ostfränkischen Künzelsau ausgetragen wurden, holten sich die Dormagener nämlich vier von vier möglichen Titeln. Und das in den gestrigen Mannschaftswettbewerben so eindeutig, dass die Gegner nicht mehr als Sparringspartner abgaben für die Jungs und Mädels vom Höhenberg.

Bei den Herren konnten es sich die Dormagener sogar leisten, den beiden Finalisten der Einzelkonkurrenz vom Vortag eine Pause zu gönnen. In der Besetzung Max Hartung, Richard Hübers, Raoul Bonah und Lorenz Kempf setzten sie sich trotzdem im Finale mit 45:16 (!) gegen die TSG Eislingen durch, im Halbfinale (ohne Max Hartung) gab es ein nicht minder deutliches 45:14 über den ETV Hamburg. Anna Limbach, Judith Kusian, Lea Krüger und Larissa Eifler wollten da nicht nachstehen: Nach einem 45:22-Sieg im Halbfinale über den FC Tauberbischofsheim schlugen sie im Finale die TSG Eislingen (hatte zuvor Gastgeber FC Würth Künzelsau mit 45:41 aus dem Rennen geworfen) mit 45:28.

Die Dormagener Dominanz hatte sich bereits am Samstag in den Einzelwettbewerben angedeutet: Bei den Herren machten die Schützlinge von Bundestrainer Vilmos Szabo die ersten sechs Plätze unter sich aus, bei den Damen schafften es immerhin vier Dormagenerinnen unter den ersten Sieben. Und in beiden Finalgefechten standen nur Dormagener auf der Planche. "Am Ende haben sich die Favoriten durchgesetzt", sagte Vilmos Szabo.

Das war bei den Damen Anna Limbach, die Judith Kusian mit 8:15 das Nachsehen gab. Kusian hatte sich im Halbfinale mit 15:9 gegen Trainingskollegin Larissa Eifler und im Viertelfinale mit 15:14 gegen Lea Krüger behauptet, mit der zusammen sie gerade erst von den U23-Europameisterschaften aus dem armenischen Jerewan zurückgekehrt war. Limbach warf nacheinander Anna-Lena Bürkert (15:8) und Lisa Gette (15:14, beide FC Würth Künzelsau) aus dem Rennen. "Anna hat hier souverän gefochten, den Titel verdient verteidigt", lobte Vilmos Szabo die 28-Jährige.

Bei den Herren machte Benedikt Wagner von Beginn an seine Titelambitionen deutlich. Der Europameister von 2016 marschierte mit Siegen über Raoul Bonah (15:11) und Richard Hübers (15:14) bis ins Finale. Hier traf er auf Matyas Szabo, der auf dem Weg dorthin Robin Schrödter (15:10) und Max Hartung (15:8) besiegt hatte. Der Kampf um den Titel wurde dann eine äußerst spannende Angelegenheit, in der Benedikt Wagner mit 15:14 die Oberhand behielt. "Dass beide im Finale gestanden haben, hat mich nicht überrascht", sagte der Bundestrainer, "insgesamt haben wir spannende Gefechte gesehen. Jetzt blicken wir langsam in Richtung der kommenden Höhepunkte." Bei den Europameisterschaften im serbischen Novi Sad (16. bis 22. Juni) und der WM im chinesischen Wuxi (15. bis 22. Juli) geht es darum, den Anschluss an die Weltspitze zu halten.

(NGZ)
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