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Bayer Dormagen vor dem Mittelrhein-Derby gegen Gummersbach

2. Handball-Bundesliga : Zwickmühle vor dem Derby-Klassiker in Dormagen

Am Mittwoch wird in der 2. Handball-Bundesliga das 33. Derby zwischen Dormagen und Gummersbach nachgeholt. Im Vergleich zum ersten Termin sieht die Lage für Bayer zwar besser aus, dennoch sorgt die Paarung für ein Dilemma. 

Als der VfL Gummersbach am 4. März ins TSV-Bayer-Sportcenter kommen sollte, um gegen den TSV Bayer Dormagen die inzwischen 33. Auflage des geschichtsträchtigen Derby-Klassikers zu spielen, hätte der Kontrast nicht größer sein können. Die Gummersbacher standen schon damals an der Tabellenspitze, während Dormagen das Schlusslicht der 2. Handball-Bundesliga war. Doch dann wurde die Partie kurz vorher abgesagt, weil beim TSV mehr als die Hälfte aller Spieler aus dem Kader krankgeschrieben waren. Wenn am Mittwoch (19.30 Uhr) das Nachholspiel am Höhenberg ansteht, hat sich die Lage für die Gastgeber dank fünf Siegen aus den jüngsten sieben Spielen deutlich verbessert, sie haben die Abstiegsränge verlassen. Doch so positiv diese Entwicklung ist, mit Blick auf das Derby sorgt sie auch für eine Zwickmühle beim TSV.

Auch weil es in der Partie nicht mehr um alles oder nichts geht, wird Trainer Peer Pütz vor die Entscheidung gestellt: Gegen den vermeintlich übermächtigen Klassenprimus wie zuletzt alles in die Waagschale werfen, um eventuell unerwartete Punkte im Kampf gegen den Abstieg einzufahren und die sicher zahlreich erscheinenden Zuschauer zu begeistern oder den wohl aussichtslosen Kampf gedanklich abzuhaken, Kräfte für die noch anstrengenden Wochen im Tabellenkeller zu sparen und sich nur ordentlich zu verkaufen? Am besten lässt sich das Dilemma an der Personalie Artur Karvatski verdeutlichen. Denn weil der gebürtige Lette mit belarussischer Staatsangehörigkeit, der zuletzt in der russischen Super League gespielt hatte, Ende März nach Ablauf der Wechselfrist in den Bundesligen kam, konnte er nur über den Landesverband eine Spielberechtigung für die Oberliga-Mannschaft bekommen.

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Das wiederum bedeutet, dass der Halbrechte nur acht Spiele in der Dormagener Profimannschaft bestreiten darf. Beim wichtigen Sieg am Samstag in Emsdetten gehörte er schon zum siebten Mal zum Spieltagskader der Zweitligatruppe, so dass er in den acht noch ausstehenden Zweitligapartien mit noch wichtigen Duellen gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf nur noch einmal eingesetzt werden darf. Was die Personalie Karvatski anbelangt, hat sich Peer Pütz allerdings entschieden, nicht alles auf eine Karte zu setzen: „Die bisherige Saison hat zwar gezeigt, dass alles möglich ist, aber es gibt Spiele, wo es deutlich wahrscheinlicher ist zu gewinnen. Für eines dieser Spieler werden wir uns diesen Einsatz aufheben“, sagt der TSV-Coach. Björn Barthel, Handball-Geschäftsführer des TSV, will sich da nicht einmischen: „Das entscheiden die Trainer. Wir haben zum Glück aktuell keine Verletzten, so dass sowieso nicht alle Spieler auf der Bank Platz nehmen können. Bei den drei englischen Wochen, die wir aktuell haben, muss ohnehin auch auf die Belastungsteuerung geachtet werden.“

Gut möglich, dass die Entscheidung für eine Pause von Karvatski auch dadurch erleichtert wurde, dass der wurfstarke Linkshänder in den beiden jüngsten Partien nicht an seine guten Leistungen aus den Spielen davor anknüpfen konnte. Dennoch gibt es wohl großes Interesse vonseiten der Dormagener, die Zusammenarbeit über die laufende Saison hinaus fortzusetzen. „Wir befinden uns in Gesprächen“, erklärt Björn Barthel. Aber auch wenn Karvatski im Derby-Klassiker gegen Gummersbach nur die Rolle des Zuschauers bleibt, will der Handball-Geschäftsführer das keinesfalls als vorzeitige Kapitulation verstanden wissen. Seine Antwort auf das vermeintliche Dilemma ist: „Wer spielt, ist mir egal. Aber von den 16, die im Kader sind, erwarte ich, dass sie alles in die Waagschale werfen.“ Da liegt er mit Trainer Peer Pütz auf einer Wellenlänge. Denn auch der glaubt nicht, dass es grundsätzlich nötig ist, wegen der folgenden, noch anstrengenden Wochen in irgendeiner Weise die Handbremse anzuziehen: „Die Jungs sind die englischen Wochen gewöhnt. Wir werden alles versuchen, um etwas zu holen.“

Dass das bei aller unbestrittenen Qualität der Gäste nicht unmöglich ist, hat diese Saison schon gezeigt. Seine sechs bisherigen Niederlagen hat der Primus allesamt in fremden Hallen bezogen, die bislang letzte erst kürzlich beim ebenfalls noch abstiegsbedrohten Dessau-Roßlauer HV. „Das war wohl nicht so gut für uns. Dadurch ist Gummersbach gewarnt. Aber es wird eine kleine Chance geben und die wollen wir nutzen“, erklärt Peer Pütz. Ein weiteres Zugeständnis an die noch fordernden Wochen im Tabellenkeller ist für ihn allenfalls denkbar, wenn sich aller Aufwand irgendwann als aussichtslos abzeichnet. „Da müssen wir die Spielentwicklung abwarten“, erklärt der TSV-Coach. Die Zwickmühle gegen VfL Gummersbach als Zweiliga-Titelkandidat Nummer eins lässt sich nun mal nicht wegdiskutieren.