1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis
  4. Sport im Rhein-Kreis

Bayer Dormagen vor dem Derby bei TuSEM Essen

2. Handball-Bundesliga : Dormagen kann im Derby nicht auf Milde hoffen

Die Zweitliga-Handballer des TSV Bayer brauchen im Derby-Klassiker bei TuSEM Essen im Abstiegskampf ganz dringend einen Sieg. Das Besondere: Beide Cheftrainer sind Freunde und arbeiten nächste Saison zusammen.

Wenn sich Geschichte in diesem Fall wiederholen würde, hätten die Zweitliga-Handballer des TSV Bayer Dormagen ganz sicher nichts dagegen. Als sie am 22. März 2019 bei TuSEM Essen antraten, spielten sie sich in einen Rausch, gewannen 39:33 und sicherten sich damit die beiden im Kampf gegen den Abstieg vielleicht entscheidenden Punkte. Etwas mehr als drei Jahre später stehen die Dormagener vor der Reise zum Derby-Klassiker am Freitag (19.30 Uhr) in den Sportpark Am Hallo wieder ganz tief im Tabellenkeller und zwei Punkte in Essen würden die Aussichten auf den Klassenverbleib extrem verbessern.

Dass es in der Vergangenheit immer wieder extrem spannende sportliche Konstellationen vor den Aufeinandertreffen beider Mannschaften gab, ist aber nur ein Grund für die große Rivalität der Konkurrenten von Rhein und Ruhr. Im Laufe der Jahrzehnte haben sich etliche Verbindungen zwischen den beiden Klubs gebildet, sind Spieler und Trainer hin und her gewechselt. Im aktuellen TuSEM-Kader besitzen Traimer Jamal Naji, Co-Trainer Michael Hegemann, Rückraum-Hüne Dennis Szczesny und Mittelmann Eloy Morante Maldonado eine Dormagener Vergangenheit. Ganz zu schweigen davon, dass die Essener sich zuletzt kräftig aus der Dormagener Talentschmiede bedienten und für nächste Saison neben dem bereits in der 2. Liga etablierten Tim Mast auch noch die Youngster Finn Wolfram und Finley Werschkull verpflichteten. Es ist aber eine ganz andere personelle Konstellation der kommenden Spielzeit, die der nächsten Auflage des Derbys eine besondere Würze verleiht – auch wenn Essen und Dormagen davon dann nicht mehr betroffen sein werden. Schließlich wird Jamal Naji Cheftrainer beim Bundesligisten Bergischer HC und hat sich schon vor längerer Zeit die Dienste seines alten Kumpels Peer Pütz als Assistent gesichert. Eben jenem Peer Pütz, mit dem er lange in der Jugendabteilung des TSV zusammen gearbeitet hatte und der inzwischen als Nachfolger von Dusko Bilanovic versucht, die Dormagener als Cheftrainer in der Liga zu halten. Beide stehen also regelmäßig im Austausch, wenn es darum geht, die Zukunft zu planen.

 Peer Pütz (l.) und Jamal Naji zu gemeinsamen Dormagener Zeiten.
Peer Pütz (l.) und Jamal Naji zu gemeinsamen Dormagener Zeiten. Foto: Heinz J. Zaunbrecher
  • Dank eines überzeugenden Heimsieges gegen den
    Handball in Dormagen : Der TSV Bayer gehört in die 2. Liga
  • Dormagens Basis beim Erfolg gegen Rostock
    2. Handball-Bundesliga : Ein gelungener Samstag für Dormagen
  • Die erfolgreichen Teams des TSV Bayer
    Fechten : Drei Titel für TSV bei U20-DM in Eislingen

„Natürlich gibt es ab und zu Dinge zu klären. Auch wenn unsere aktuellen Mannschaften aufeinandertreffen, haben wir uns keine Funkstille verordnet“, sagt Pütz mit Blick auf die besondere Konstellation vor dem vor allem für Dormagen extrem wichtigen Spiel. Der TSV-Coach betont aber auch: „Klar ist, dass wir uns keine Hinweise geben. Das Spiel ist einfach kein Thema in unseren Gesprächen.“ Insofern rechnet Pütz auch nicht damit, dass ihm sein Freund und zukünftiger Chef in irgendeiner Weise dabei unterstützt, mit dem TSV den Klassenverbleib zu schaffen. „Ich befürchte, dass er die Punkte auch gerne haben möchte. Rücksicht wegen der Dormagener Connections wird es nicht geben“, sagt Pütz. Wobei die Essener die Punkte im Grunde genommen gar nicht mehr benötigen. Die direkte Rückkehr in die Erste Liga ist nur noch ein theoretisches Konstrukt und weit abrutschen kann TuSEM auch nicht mehr. Schon im Hinspiel zeigte sich das Team von Jamal Naji generös und gestattete den kriselnden Dormagenern, damals noch unter Dusko Bilanovic, beim 25:25 einen nicht unbedingt erwarteten Punkt. Überhaupt spricht die jüngere Derbybilanz für Dormagen. 

„Im Hinspiel hatte Essen aber auch nicht den besten Tag erwischt. Es würde uns helfen, wenn es wieder so käme“, erklärt TSV-Coach Peer Pütz, der aber grundsätzlich große Stücke auf die Gastgeber hält. Ganz stark sind sie etwa in der Mitte mit dem Ex-Dormagener Eloy Morante Maldonado und Justin Müller besetzt, in Noah Beyer (163 Tore) und Lukas Becher verfügen sie auf Linksaußen über zwei Spieler, die zur neuen Saison in die 1. Liga wechseln. „Schnelle Spieler, die auch stark im 1:1 sind und die wir in den Griff bekommen müssen“, weiß Peer Pütz, dem allerdings auch nicht bange sein muss. Zum einen steht ihm nach der ersten kompletten Trainingswoche seit langer Zeit wohl derselbe Kader zur Verfügung wie beim Heimsieg gegen Rostock, zum anderen hat er mit seinem Team gegen Hüttenberg und Hagen bewiesen, ähnliche Kaliber wie Essen, dass auch gegen Gegner auf diesem Niveau etwas drin.

Auch in Essen haben sie freilich registriert, dass der TSV im Aufwind ist. „Dormagen verfügt über sehr viel Geschwindigkeit und ist in der Rückrunde deutlich stärker aufgetreten, als noch in der Hinrunde. Es ist mittlerweile eine klare Spielanlage zu erkennen“, sagt Jamal Naji. Und TuSEM-Kapitän Jonas Ellwanger betont nach zuletzt zwei Heimniederlagen: „Wir sind gut vorbereitet und wollen unbedingt diesen Heimsieg. Das sind wir unseren Fans einfach schuldig.“