2. Handball-Bundesliga : Dormagen holt in Essen ganz wichtige Punkte

Der TSV Bayer Dormagen hat den Derby-Klassiker bei TuSEM Essen genutzt, um einen Befreiungsschlag im harten Abstiegskampf zu landen. Durch den 29:25-Erfolg gelang bei drei noch ausstehehenden Partien zumindest vorübergehend der Sprung ans rettende Ufer.

Als am Freitagabend die letzten Sekunden der Zweitliga-Partie zwischen TuSEM Essen und Bayer Dormagen im Sportzentrum am Hallo liefen, sangen die mitgereisten TSV-Fans unter den 1385 Zuschauern mit voller Inbrunst „Oh wie ist das schön“. Zu diesem Zeitpunkt war schon klar, dass den Dormagenern der Sieg nicht mehr zu nehmen ist und dass sie zwei ganz wichtige Punkte im Abstiegskampf einfahren. Am Ende stand ein 29:25 (14:13)-Sieg im Derby-Klassiker, der die Mannschaft von Trainer Peer Pütz zumindest vorübergehend wieder auf einen Nichtabstiegsplatz springen lässt. Auch wenn parallel Ferndorf in Rimpar gewann.

Damit bleibt Essen ein gutes Pflaster für die Dormagener, denn schon 2019 hatten sie dort als Team aus dem Tabellenkeller zwei bedeutsame Zähler eingefahren. Seine Bilanz gegen TuSEM seit der Rückkehr in die 2. Liga im Jahr 2018 baute der TSV auf drei Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage aus. Die Essener kassierten am Freitagabend schon die vierte Heimniederlage in Folge. Für die Dormagener zahlte sich auch in Essen aus, dass sie ihren Matchplan konsequent verfolgten, über die ganze Partie hinweg eine enorme Ruhe ausstrahlten und sich auch von zwischenzeitlichen Rückschlägen nicht aus der Ruhe bringen ließen. „Wir glauben an uns. Wir haben jetzt gute Voraussetzungen, um in der Liga zu bleiben. Aber wir wissen, dass die Liga enorm ausgeglichen ist. Das wird bis zum letzten Spieltag ganz schwer bleiben“, sagte TSV-Coach Peer Pütz nach der Partie.

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Das Dormagener Selbstvertrauen zahlte sich das erste Mal aus, als die Gastgeber nach einer ausgeglichenen Anfangsphase bei 11:8 (22.) erstmals mit drei Toren in Führung gingen und dem TSV auch in den Minuten danach, das Spiel zu entgleiten drohte. Auch als Rechtsaußen Jan Reimer bei einem Tempogegenstoß zwar das 11:12 (26.) erzielte, dabei aber böse gefoult wurde und die insgesamt sehr freizügigen Schiedsrichter dem Essener Jonas Ellwanger nur zwei Minuten statt die Rote Karte gaben und in der Folge sogar noch das 13:11 (28.) durch den Ex-Dormagener Dennis Szczesny fiel, behielten die Gäste kühlen Kopf. Ein 3:0-Lauf durch Ian Hüter (2) und Jan Reimer bescherte ihnen sogar noch eine 14:13-Pausenführung.

Zu Beginn der zweiten Hälfte dann die im Nachhinein entscheidende Phase des Spiels. Ein wahres Fehlerfestival der Essener nutzte Dormagen, um sich mit einem neuerlichen 3:0-Lauf sogar auf 17:13 (34.) abzusetzen. TuSEM-Coach Jamal Naji, früher Jugendkoordinator am Höhenberg, sah sich schon früh gezwungen, seine zweite Auszeit zu nehmen. Doch auch danach wurde es nicht besser, auch eine 5:1-Deckung brachte die Dormagener nicht nachhaltig aus dem Konzept. Als der Halbrechte André Meuser in der 43. Minute auf 23:17 erhöhte, nahm Naji schon seine letzte Auszeit. In der Folge packten die Essener deutlich konsequenter in der Abwehr zu und deckten offensiver, so dass sich der TSV deutlich schwerer mit dem Torewerfen tat. Doch auch die Gastgeber fanden gegen eine gute Bayer-Abwehr zu selten Lösungen, zumal auch Torwart Martin Juzbasic nach einer durchwachsenen ersten Hälfte immer stärker wurde. Am Ende standen für ihn acht Paraden zu Buche.

Sein Meisterstück machte er in der 55. Minute, als er bei einem Siebenmeter gegen den zuvor extrem sicheren Noah Beyer einfach auf der Linie stehenblieb, dann blitzschnell die Hände nach oben riss, den Ball über das Tor lenkte und damit die 26:22-Führung seines Teams verteidigte. Als dann wenig später auf der anderen Seite Jan Reimer von der Siebenmeterlinie starke Nerven bewies und auf 27:23 erhöhte (57.) war eine Vorentscheidung gefallen, zumal es die Gäste im Anschluss exzellent verstanden, ihre Angriffe auszuspielen und viele Sekunden von der Uhr zu nehmen. So konnten die mitgereisten TSV-Fans zeitig „Auswärtssieg“ rufen und wenig später das Liedchen „Oh wie ist das schön“ anstimmen. Sehr zum Leidwesen von TuSEM-Coach Jamal Naji: „Das war ein verdienter Dormagener Sieg. Wir sind sehr geknickt, weil wir unbedingt gewinnen wollten. Wir tun uns zu Hause momentan sehr schwer, wissen aber nicht, woran das liegt.“

Essen: Beyer (10/7), Seidel (2), Szczesny (2), Morante (2), Dangers (2), Müller (2), Rozman (2), Elwanger (1), Ignatow (1), Firnhaber (1); Dormagen: Senden (7), Reimer (6/2), P. Hüter (4), I. Hüter (3), Grgic (3), Meuser (3), Steinhaus (2), Seesing (1)