2. Handball-Bundesliga Dormagen kassiert unnötige Niederlage

Dormagen · Nach zwei Siegen in Folge wollte der TSV Bayer daheim gegen Aufsteiger Potsdam nachlegen. Doch daraus wurde nichts, es setzte eine Niederlage, die sich bei einer besseren Chancenverwertung hätte vermeiden lassen.

 Martin Juzbasic gelang ein starkes Comeback im TSV-Tor.

Martin Juzbasic gelang ein starkes Comeback im TSV-Tor.

Foto: Heinz J. Zaunbrecher

In der vorletzten Minute war es Linksaußen Jaka Zurga, der die Tür zu einem verdienten Punktgewinn für die Zweitliga-Handballer TSV Bayer Dormagen im Heimspiel gegen den Aufsteiger 1. VfL Potsdam aufstieß. Nach einer Auszeit von Trainer Matthias Flohr nutzte er die letzten Sekunden einer doppelten Überzahl zum 22:23. Und weil sich die Gäste weiter mit einem Mann weniger von der offensiven Deckung der Dormagener aus der Ruhe bringen ließen und sich durch Emil Hansson einen Fehlwurf am Tor vorbei leisteten, präsentierten sie dem TSV die Chance auf den Ausgleich auf dem Silberteller. Der brachte seinen Halbrechten Artur Karvatski in der Schlussminute auch gut in Position, doch der Lette scheiterte zum wiederholten Mal an VfL-Keeper Lasse Ludwig. Eine Szene, die Gäste-Coach Bob Hanning meinte, als er nach dem 24:23 (13:11)-Sieg seiner Mannschaft im TSV-Bayer-Sportcenter meinte: „Wir haben Dormagen genug Chancen gegeben, um das Spiel zu gewinnen.“

Klar, in der Schlussphase wäre nur noch ein Unentschieden drin gewesen, aber schon zuvor hatte es die junge Potsdamer Mannschaft trotz fast permanenter Führung nicht geschafft, sich gegen tapfer kämpfende Dormagener abzusetzen. Sie ließen die Gastgeber immer wieder ins Spiel zurück. Doch immer, wenn sich denen die Chance bot, die Partie in ihre Richtung zu ziehen, versagten ihnen die Nerven. So sammelte sich auf beiden Seiten die enorme Zahl von jeweils 23 Fehlversuchen an. Großen Anteil daran hatten auch die Torhüter, wobei TSV-Keeper Martin Juzbasic bei seinem Comeback nach längerer Verletzung mit starken 13 Paraden gleichauf mit seinem Gegenüber Lasse Ludwig lag. Der Routinier setzte aber noch einen drauf, indem er mit drei gehaltenen Siebenmetern dazu beitrug, dass die Potsdamer nicht einen Strafwurf verwandeln konnten, den vierten warfen sie auch noch an den Pfosten. Zudem gab es auf beiden Seiten jeweils einen Spieler, der sich ganz besonders im Auslassen von Chancen hervortat. Bei Dormagen war das der schon erwähnte Artur Karvatski, der lange Zeit den auch unglücklich agierenden André Meuser vertrat, mit einer Wurfquote von nur 30 Prozent (3/10). Bei den Potsdamern hatte der ebenfalls auf Rückraum Rechts agierende, erst 19 Jahre alte Max Beneke bei acht Fahrkarten (7/15) ebenfalls nicht seinen besten Tag erwischt.

TSV-Coach Matthias Flohr war nach der Partie anzusehen, dass ihm der Spielverlauf nach zuvor zwei Siegen in Folge zugesetzte hatte: „Das war eine sehr schmerzhafte Niederlage“, gestand er ein, „wir hätten das Spiel in der Tat gewinnen können, wenn wir die Potsdamer Angebote genutzt hätten. Doch wir haben uns nicht belohnt.“ Wobei seiner Mannschaft hoch anzurechnen ist, dass sie bis zum Schluss im Rennen blieb, obwohl sie in der Anfangsphase einen herben personellen Rückschlag hinnehmen musste. Hatte Kapitän Patrick Hüter wegen einer Trainingsverletzung schon vor der Partie passen müssen, verabschiedete sich sein Bruder und Spielmacher Ian Hüter schon in der sechsten Minute mit einer Roten Karte. Eine harte Entscheidung, die das nicht immer glücklich agierende Schiedsrichterduo Alexander Kittel und Lars Scharfe dadurch gutzumachen versuchte, indem es auf der anderen Seite Joshua Thiele in der 14. Minute mit Rot des Feldes verwies. „Das hat das Spiel in seiner Struktur verändert“, fand VfL-Coach Bob Hanning.

Mit dem Treffer zum 7:6 (13.) durch Max Beneke ging seine Mannschaft erstmals in Führung, ab dem 8:7 (16.) durch David Akakpo lagen die Gäste immer vorne. Auch nach der Pause gelang es den Dormagener trotz aller Einladungen nicht einmal mehr, zwischenzeitlich auszugleichen. Nach dem Ausfall war Ian Hüter war Youngster Sören Steinhaus anzumerken, dass die ganze Last als Spielmacher auf seinen schmalen Schultern in der 2. Bundesliga noch ein wenig zu viel ist. Doch wenn die Niederlage etwas Gutes hatte, dann, dass das Ausnahmetalent ganz sicher viel aus der Partie für die Zukunft mitnehmen konnte. Immerhin ließen sich Dormagener nicht abschütteln, kämpften sich auch trotz der Vier-Tore-Rückstande bei 16:20 (43.) und 17:21 (48.) mit ihrer mannschaftlichen Geschlossenheit immer wieder zurück.

Auffällig in der abwechslungsreichen Partie war auch, dass die in Bestbesetzung angereiste junge Mannschaft aus Potsdam nur selten ihr hohes Tempo auf die Platte bringen konnte. Darauf hatte TSV-Coach Matthias Flohr schon im Vorfeld hingewiesen und offenbar an den richtigen Stellschrauben gedreht. Gästecoach Bob Hanning verteilte jedenfalls ein Sonderlob an die Dormagener Defensivarbeit: „Der TSV hat uns fast völlig unser Tempo genommen. Ich glaube, ich habe es noch nie erlebt, dass der Schiedsrichter so oft zurecht den Arm wegen passivem Spiel gehoben hat. Das zeigt die Qualität der Dormagener.“ Für Matthias Flohr war das allerdings nur wenig Trost. Vor der schweren Partie nächsten Samstag bei seinem Ex-Verein HBW Balingen-Weilstetten hätte er nur allzu gerne etwas Zählbares in den Händen gehalten.

TSV-Tore: Reuland (1), Meuser (3), Senden (1), Karvatski (3), Zurga (3), Rehfus (1), Reimer (1), Grgic (4), Sterba (1), Seesing (3); Steinhaus (2)

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