2. Handball-Bundesliga Dormagen scheitert ganz knapp an starken Eulen

Dormagen · Die Zweitliga-Handballer des TSV Bayer wehrten sich im Match vor heimischem Publikum gegen Ludwigshafen heftig. Doch letztlich türmten sich zu viele Widerstände auf, die zu einer unglücklichen Niederlage führten.

Gegen Ludwigshafen war Ian Hüter in einer Spezialmission unterwegs. Er vertrat den kurzfristig ausgefallenen André Meuser im rechten Rückraum und traf dabei auf mächtig Gegenwehr. 

Gegen Ludwigshafen war Ian Hüter in einer Spezialmission unterwegs. Er vertrat den kurzfristig ausgefallenen André Meuser im rechten Rückraum und traf dabei auf mächtig Gegenwehr. 

Foto: Heinz J. Zaunbrecher

Matthias Flohr, Trainer der Dormagener Zweitliga-Handballer, weiß, was sich gehört im Sport. Deswegen fand er nach dem Schlusspfiff des Heimspiels gegen die Eulen Ludwigshafen zunächst noch Zeit, sich von den Schiedsrichterinnen zu verabschieden, ehe er dann in den Katakomben des Sportcenters verschwand. Er nahm sich eine Auszeit, um die vorausgegangen 60 Minuten zu verarbeiten, die mit einer großen Enttäuschung geendet waren. Die Dormagener trugen zwar mit einer großen Willensleistung dazu bei, dass den Zuschauern ein attraktives Spiel geboten wurde, doch nach zwei Siegen in Folge blieb der Lohn dafür aus. Die ihrerseits mit einer Serie von fünf Siegen angereisten Ludwigshafener setzten sich knapp mit 28:26 (13:13) durch. Unter dem Strich waren es einfach zu viele Widerstände, die sich den Gastgebern am Samstagabend in den Weg stellten.

Los ging es schon damit, dass sich kurz vor dem Spiel die ohnehin schon angespannte Personalsituation noch mal verschlechterte. Hatte sich neben den Langzeitverletzten Ole Klimpke, Artur Karvatski und Florian Träger unter der Woche Kreisläufer Aron Seesing erkrankt abgemeldet, so musste der Halbrechte André Meuser beim Aufwärmen feststellen, dass eine im Abschlusstraining zugezogenen Blessur am Daumen der linken Hand einen Einsatz nicht zuließ. Damit fehlten nicht nur zwei wichtige Leute für den Innenblock, plötzlich stand der TSV auch ohne Linkshänder für den rechten Rückraum da. Für den Notfall wurde zwar der gerade erst 18 Jahre alt gewordenen Robin Kremp aus der A-Jugend auf die Bank gesetzt, doch Flohr machte Spielmacher Ian Hüter dort zur Dauerlösung, während auf der Mitte Youngster Sören Steinhaus ganz viel Spielanteile bekam. Das funktionierte über weite Strecken der Partie auch richtig gut.

Nach dem Spiel wollte es keiner der Dormagener so offen sagen, doch zu den Widerständen, die ein erfolgreiches Abschneiden erschwerten, entwickelten sich im Verlauf der Partie auch die beiden Schiedsrichterinnen Sophia Janz und Rosana Sug. Gab es schon vorher einige zumindest diskussionswürdige Entscheidungen gegen die Gastgeber, so lagen die jungen Frauen in der gleichermaßen hektischen wie entscheidenden Schlussphase teils grob daneben. Negativer Höhepunkt war die Szene in der 58. Minute, als der TSV beim Stand von 24:27 nach einer Auszeit noch mal alles auf eine Karte setzte. Allerdings leistete sich der TSV einen Ballverlust und der Ludwigshafener Jan Remmlinger kam in der Folge in eine gute Wurfposition, traf allerdings nur den linken Innenpfosten, von wo der Ball parallel zur Torlinie am anderen Pfosten vorbei rollte. Doch die Schiedsrichterinnen entschieden zum Erstaunen aller Beteiligten auf Tor, was mit dem 28:24 für die endgültige Entscheidung sorgte. Bei seiner Erklärung, wieso es in dem knappen Match zum Sieg gereicht hatte, meinte sogar Ludwigshafens Jannek Klein hinterher: „Am Ende waren wir eine Spur ruhiger und vielleicht auch cleverer als Dormagen. Wir hatten aber auch ein bisschen Hilfe von den Schiedsrichtern und haben von den Paraden unseres Torwarts profitiert.“

Wobei die Dormagener weit davon entfernt waren, ihre Niederlage auf die Schiedsrichterinnen zu schieben. Abgesehen davon, dass sich ihnen ein bärenstarker Gegner in den Weg stellte, waren sie auch überaus selbstkritisch. „Wir haben uns das Leben schwergemacht, indem wir zu viele technische Fehler und Fehlwürfe produziert haben“, meinte Sören Steinhaus. Und auch Linksaußen Joshua Reuland bemängelte offen die schlechte Chancenverwertung: „In entscheidenden Momenten sind wir nicht cool geblieben, angefangen mit mir selber.“

Nach einem starken Start in die Partie, die in der siebten Minute nach einem ein Tor von Mislav Grgic zu einer 5:2-Führung führte, ließ die Trefferquote der Gastgeber stark nach, so dass die Eulen ihrerseits mit drei Toren in Front gehen konnten (12:9, 25.), doch angepeitscht von einer tollen Stimmung in der Halle und mit einem starken Martin Juzbasic im Tor konnte Dormagen bis zur Pause wieder ausgleichen. Nach dem Seitenwechsel nutzte der TSV den Schwung, um sich zunächst eine kleine Führung zu erarbeiten, doch als die Gäste einen 16:18-Rückstand (37.) in eine 19:18-Führung verwandelten (41.), gelang Dormagen trotz allen Einsatzes nicht mehr die Wende.

Ganz dicht dran waren sie noch mal, als zunächst der zweite TSV-Keeper Christian Simonsen parierte und dann Jan Reimer drei Minute vor Schluss per Siebenmeter auf 25:26 hätte verkürzen können. Doch er scheiterte am eingewechselten Eulen-Keeper Ziga Urbic und leitete damit die gleichermaßen hektische wie für Dormagen glücklose Schlussphase ein. „Ein Punkt wäre verdient gewesen“, meinte Matthias Flohr hinterher. Darin wollte ihm auch sein Trainerkollege Michel Abt nicht widersprechen.

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