2. Handball-Bundesliga : Dormagen wirft Aue in die 3. Liga

Im Kellerduell gegen den EHV hatte der TSV Bayer vor heimischem Publikum die besseren Nerven. Während die Gäste nach der Niederlage am Höhenberg keine Chance auf den Klassenverbleib mehr haben, haben die Dormagener einen großen Schritt dorthin gemacht.

Einen Handball-Leckerbissen haben die 850 Zuschauer nicht zu sehen bekommen am Freitagabend im TSV-Bayer-Sportcenter. Doch das war allen, die es mit dem TSV Bayer Dormagen hielten, herzlich egal. Nach dem 28:21 (12)-Heimsieg im so wichtigen Kellerduell gegen den EHV Aue, der die Gäste endgültig in die 3. Liga schickte, verwandelte sich die Halle am Höhenberg in eine Partymeile. Noch lange nach dem Schlusspfiff feierte die Mannschaft mit den Fans den Erfolg, der den Klassenverbleib wieder ein großes Stück nähergebracht hat. Der dritte Sieg in Folge sorgte allgemein für große Erleichterung. Schon die jetzt 29 Punkte könnten reichen, ein Sieg aus den beiden verbleibenden Spielen würde letzte Zweifel beseitigen.

„Wir sind sehr glücklich, dass wir dieses wichtige Spiel gewonnen haben. Die Jungs haben den Kampf gut angenommen. Jetzt dürfen wir uns das Wochenende freuen, ab nächste Woche geht es dann darum, in Nordhorn nachzulegen“, meinte TSV-Coach Peer Pütz nach der Partie. Auch der erneut starke Rechtaußen Jan Reimer, mit neun Treffern mal wieder bester Schütze der Gastgeber, war hinterher anzumerken, welcher Druck von ihm abfiel: „Wir haben alles noch selber in der Hand, das war unser Ziel. Das gibt uns Motivation, den Sack zuzumachen.“ Dass für beide Mannschaften viel auf dem Spiel stand, war von Beginn an zu merken. Auf beiden Seiten unterliefen zahlreiche technische Fehler, viele Abschlussversuche fanden nicht den Weg ins Tor. Ein bisschen Sorge musste den TSV-Fans die Phase machen, als Aue einen 1:3-Rückstand bis zur 8. Minute in eine 4:3-Führung verwandelte und der sonst von der Siebenmeterlinie so sichere Jan Reimer mit seinem ersten Versuch an EHV-Keeper Erik Töpfer scheiterte. Doch weil auf der anderen Seite Torwart Martin Juzbasic gegen Aki Egilsnes parierte und Alexander Senden ausglich, bekam Jan Reimer nur wenig später die nächste Gelegenheit aus sieben Metern. Dieses Mal verwandelte er mit ein wenig Glück (Töpfer war erneut dran, der Ball trudelte aber knapp hinter Linie) und bescherte dem TSV bei 5:4 (12.) eine Führung, die er bis zum Schluss nicht mehr abgeben sollte.

  • Gegen Essen mussten TSV-Kapitän Patrick Hüter
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„Wir haben unsere Schwächephasen gut weggesteckt“, meinte Bayer-Coach Peer Pütz zu diesem und weiteren Momenten im Spiel, wo es eventuell noch mal kritisch hätte werden können. Eine Qualität, die die Dormagener in den vergangenen Wochen auszeichnet, sie behalten die Ruhe und ziehen die Vorgaben von Peer Pütz durch. Exemplarisch dafür war auch der Halbrechte André Meuser, der keinen guten Tag erwischte und seine ungewohnten Freiheiten zu selten nutzen konnte. Ganz oft nahm er sich in guten Situationen den Wurf nicht und wenn doch, verzog er mehrfach deutlich. Dennoch tauchte er nicht gänzlich ab, sondern brachte sich weiter ein und erzielte auch noch wichtige Tore. So brauchte Peer Pütz nicht den Joker Artur Karvatski ziehen. Der Lette stand als passiver Spieler auf Standby und hätte im Notfall aktiv eingreifen können.

Dass das nicht nötig wurde, war bei einer relativ knappen 12:10-Pausenführung der Dormagener noch nicht abzusehen. Doch in der zweiten Spielhälfte zeichnete sich ziemlich schnell ab, dass die Gäste trotz ihrer beiden jüngsten Siege am Freitagabend nicht die Qualität und das Selbstvertrauen hatten, um den TSV noch ernsthaft in Gefahr zu bringen. Weil ihnen weiter viele technische Fehler unterliefen, Dormagen nach wie vor in der Abwehr stabil stand, sich der schon in der ersten Hälfte nicht schlechte TSV-Keeper Martin Juzbasic noch mal steigerte und die Offensive der Gastgeber ihre Effektivität steigerte, wuchs der Rückstand der Auer kontinuierlich an. Als die Dormagener nach einem Tor von André Meuser 23:18 führten und EHV-Coach Stephan Just eine Auszeit nahm, deutete schon viel auf den Sieg der Heimmannschaft hin. Und in der Tat brannte nicht mehr ansatzweise etwas an. Als die Gäste in der Schlussphase auf eine offene Deckung umstellten, konnte Dormagen dann auch noch etwas fürs Torverhältnis tun. EHV-Coach Stephan Just, der die Mannschaft erst vor wenigen Wochen übernommen hatte, trug es mit Fassung, dass der Abstieg nun feststeht: „Natürlich sind wir enttäuscht und traurig. Aber die ganze Saison war durchwachsen, wir haben viele Spiele knapp verloren.“ Er kann sich gut vorstellen, in Aue weiterzumachen: „Aue ist ein Urgestein der 2. Liga, da wollen wir auch wieder hin. Es wäre toll, wenn ich meinen Teil dazu beitragen könnte.“ Wie es aussieht, bleibt Dormagen der Gang in die 3. Liga nun doch erspart. Nächsten Samstag in Nordhorn könnte alles klargemacht werden.

Dormagen: Reimer (9/3), Meuser (4), Senden (4), I. Hüter (3), P. Hüter (3), Mast (2), Grgic (2), Seesing (1); Aue: M. Lux (5), Egilsnes (4), Kammlodt (4), Koch (3), Ribeiro (3/1), Paraschiv (1), Halfdansson (1)