2. Handball-Bundesliga Jetzt wird’s richtig ernst für Dormagen

Dormagen · Der offizielle Saisonauftakt der 2. Handball-Bundesliga mit dem Sieg gegen Zaporozhye war für den TSV Bayer ein voller Erfolg, aber letztlich ein Muster ohne wert. Vor dem ersten Heimspiel gegen Dessau gibt’s noch offene Fragen.

Der TSV Bayer Dormagen, hier mit André Meuser beim Wurf, präsentierte sich am Mittwoch beim Zweitligastart gegen den HC Motor Zaporozhye in guter Verfassung.

Der TSV Bayer Dormagen, hier mit André Meuser beim Wurf, präsentierte sich am Mittwoch beim Zweitligastart gegen den HC Motor Zaporozhye in guter Verfassung.

Foto: Heinz J. Zaunbrecher

Mit dem starken Auftritt am Mittwoch gegen den HC Motor Zaporozhye und einem entsprechenden 33:28-Sieg hat der TSV Bayer Dormagen seinen Start in die neue Saison der 2. Handball-Bundesliga schon erfolgreich hinter sich gebracht. Doch richtig los geht es trotzdem erst am Sonntag (17 Uhr) mit dem Heimspiel gegen den Dessau-Roßlauer HV. Denn die Punkte gegen die Gastmannschaft aus der Ukraine sind zwar ganz bestimmt gut fürs Gemüt, doch bekanntlich bringen sie nichts auf dem Weg zum angestrebten Klassenverbleib. Mit Blick auf die Entscheidungen in Sachen Auf- und Abstieg wird nämlich eine gesonderte Tabelle ohne die Osteuropäer geführt. Gegen Dessau geht’s also für den TSV um die beiden ersten „richtigen“ Punkte. Davor beantworten wir die wichtigsten Fragen rund um den Zweitligisten vom Höhenberg.

Welche Qualität hat der Kader des TSV? Auch wenn in Ole Klimpke (HSG Wetzlar) nur ein neuer Spieler im Vergleich zu der Mannschaft geholt wurde, die knapp den Klassenverbleib geschafft hat, geht der TSV mit größerer qualitativer Tiefe im Kader in die neue Saison. Die schon im Lauf der Rückrunde der vorigen Spielzeit verpflichteten Mislav Grgic und Artur Karvatski haben die Möglichkeiten im Rückraum deutlich erhöht. Und auch Klimpke hat großes Potenzial, was er gegen Zaporozhye als Teilzeitvertretung des verletzten Mittelmanns Ian Hüter unter Beweis stellte. Apropos verletzt: Damit der TSV sein komplettes Potenzial ausschöpfen kann, ist er auch darauf angewiesen, dass er von einem Verletzungspech wie in der Hinrunde der Vorsaison verschont bleibt.

Wie ist es um die Form der Dormagener bestellt? Schon in der Vorbereitung mit den dazugehörigen Testspielen unter dem neuen Trainer Matthias Flohr deuteten die Dormagener an, dass sie in der neuen Konstellation auf einem guten Weg sind. Da war dann der Auftritt in der ersten Runde des DHB-Pokals beim Ligakonkurrenten HC Elbflorenz (21:31) am vergangenen Sonntag schon ein deutlicher Stimmungsdämpfer. Doch gegen Zaporozhye setzte der TSV auf großer Bühne dann ein deutliches Zeichen in Richtung Konkurrenz. „Das Ergebnis war nicht so entscheidend, sondern die Art und Weise, wie wir aufgetreten sind. Wir haben zwar auch Fehler gemacht, doch im Gegensatz zum Spiel gegen Dresden haben wir gemeinsam gearbeitet und Lösungen gefunden“, sagt Flohr. 

Wie wird der TSV in der Öffentlichkeit außerhalb des Rhein-Kreises eingeschätzt? Der allgemeine Tenor ist, dass sich Dormagen nach der Horrorsaison 2021/2022 und dem Last-Minute-Klassenverbleib wahrscheinlich wieder nach unten orientieren muss. Zumal der Kader sich auf dem Papier kaum verändert hat. Dabei wird allerdings außer Acht gelassen, dass das nicht der Kader der schwachen Hinrunde ist, sondern der, der in der Rückrundentabelle Platz vier belegte. Den Dormagenern kann es sicher recht sein, dass sie etwas unter dem Radar fliegen können. Dazu passt, dass sie selbst als Ziel angeben, sich möglichst weit entfernt von den Abstiegsplätzen zu halten.

 

Wie sieht Dormagens Startprogramm aus? Vom Papier her haben es die Terminplaner gut gemeint mit dem TSV Bayer. Ehe es am 8. Oktober bei der HBW Balingen-Weilstetten, dem Ex-Klubs von Matthias Flohr, gegen das erste Schwergewicht der Liga geht, stehen vier vermeintlich lösbare Aufgaben auf dem Programm. Nach dem Match gegen Dessau und einem spielfreien Wochenende kommen noch die Partien gegen die beiden Aufsteiger Konstanz und Potsdam sowie gegen die Wölfe Würzburg, die einen Umbruch zu bewältigen haben. Acht Punkte wären also drin. „Solche Rechnereien mag ich nicht, weil das den Gegnern nicht gerecht wird. Wir konzentrieren uns voll auf Dessau, danach wissen wir mehr“, sagt Matthias Flohr.

Was hat sich in Dessau getan? Nach dem Aufstieg 2020 hat sich der Verein aus Sachsen-Anhalt weiterentwickelt, zweimal relativ sicher den Klassenverbleib geschafft. Trotz Corona konnte der Verein seinen Etat für die Saison auf 1,1 Millionen Euro leicht steigern und befindet sich damit auf Augenhöhe mit Dormagen. Personell hat sich im Kader von Trainer Uwe Jungandreas einiges getan, die Mannschaft hat sich deutlich verjüngt. Prominentester Zugang ist Kreisläufer Patrick Gempp, der vom Erstligisten HSG Wetzlar kam. Für Jungandreas ist klar: „Auch in dieser Saison kann unser Ziel nur Klassenerhalt lauten.“

Was erwartet TSV-Coach Matthias Flohr von Dessau? „Dessau ist ein sehr unangenehmer Gegner. Das ist schon eine ordentliche Herausforderung“, sagt der Ex-Nationalspieler mit Blick auf seine Videostudien. Aufgefallen ist ihm, dass Dessau immer wieder versucht, seine Angreifer durch sehr gutes Kreuzen in 1:1-Situationen zu bringen, zudem ist ihm das hohe Tempo aufgefallen. „Da wird unser Rückzugsverhalten enorm wichtig sein“, erklärt Flohr, der großen Respekt vor DRHV-Mittelmann Vincent Sohmann hat, auch auf Kreisläufer Patrick Gempp hält er große Stücke.

Wie sieht die Bilanz gegen Dessau aus? Seit der Rückkehr von Dessau in die 2. Liga ist die Bilanz negativ, der Saisonauftakt 2020 ging für Dormagen ebenfalls daheim mit 21:24 überraschend daneben. Es folgten ein Sieg und vergangene Saison zwei deutliche Niederlagen.

Wie ist die personelle Lage beim TSV vor dem ersten Spiel? Gegen Zaporozhye ist keine weitere Verletzung hinzugekommen. Hinter dem Einsatz von Spielmacher Ian Hüter steht wegen seiner Fersenbeschwerden weiter ein Fragezeichen. „Da schauen wir von Tag zu Tag“, sagt Matthias Flohr. Torwart Martin Juzbasic wird auf keinen Fall spielen können. „Aber für solche Fälle haben wir einen Kader so wie er ist. Ich vertraue den anderen Spielern vollkommen“, betont Flor vor seiner Pflichtspiel-Heimpremiere.

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