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Bayer Dormagen bringt Spitzenreiter HSV Hamburg beim 24:27 ans Limit

Handball : TSV bringt den Tabellenführer ans Limit

In einem hochintensiv geführten Duell der 2. Handball-Bundesliga verliert Dormagen zunächst Alexander Senden mit der Roten Karte und dann auch das Spiel gegen den HSV Hamburg mit 24:27. Schiedsrichter übernehmen Hauptrolle.

So ist das im Sport. Während der vorangegangenen 60 Minuten hatten sich die Handballer des TSV Bayer Dormagen und des HSV Hamburg tatsächlich bis aufs Blut bekämpft, doch schon wenige Minuten nach dem 27:24-Sieg (Halbzeit 12:11) der Gäste trafen sich die beiden Trainer Torsten „Toto“ Jansen und Dusko Bilanovic vor dem Kabinengang, um bei einem kühlen Kölsch gemeinsam mit Geschäftsführer Björn Barthel, Torwartrainer Joachim „Jojo“ Kurth sowie dem für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Detlev Zenk nicht nur das aufregende Duell zu sezieren. Unterm Strich war man sich in dieser so illustren Runde einig: Dass der Tabellenführer von der Elbe als Zweitligist im coronabedingt natürlich fast leeren TSV Bayer Sportcenter das erste Mal jubeln konnte („Auswärtssieg! Auswärtssieg!“), ging irgendwie in Ordnung. „Wir hatten unsere Chancen“, bilanzierte Bilanovic zwar, bevor er sich ins Zwiegespräch mit seinem in Hamburg als Co-Trainer tätigen Spezi Blaženko Lackovic vertiefte, räumte jedoch ein: „17 Fehlwürfe sind einfach zu viel.“

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Möglicherweise wäre die Ausbeute deutlich besser gewesen, hätten die beiden mit der Intensität und dem Tempo der Partie überfordert wirkenden Schiedsrichter Frederic Linker und Sascha Schmidt (Recklinghausen/Bochum) nicht Dormagens Rückraummann Alexander Senden schon in der fünften Minute mit der Roten Karte auf die Tribüne geschickt. „Das hat uns sehr wehgetan“, sagte Bilanovic, der seinem in Angriff und Abwehr kaum zu ersetzenden Schützling die mit dem Ausschluss sanktionierte Verteidigungsaktion gegen Philipp Bauer nicht vorhalten wollte. Der sei nämlich in ihn hineingestoßen worden, stellt er klar. Dass er den Hamburger dann mit der Hand unglücklich am Kopf erwischt habe, sei nie und nimmer Absicht gewesen. „Jeder, der Alex kennt, weiß, was für ein fairer Spieler er ist.“

 Diese Szene – und deren unterschiedliche Beurteilung – stand indes exemplarisch für die von beiden Seiten aggressiv und verbissen geführte Auseinandersetzung. Und war letztlich entscheidend für den Ausgang des Spiels. Denn weil Jansen da eine Schwäche im Verteidigungsbollwerk des Kontrahenten ausgemacht hatte („Das mag Dormagen nicht so sehr.“), erteilte der Weltmeister von 2007 seinen flinken und athletischen Jungs die „carte blanche“, den Freifahrtschein, mit voller Wucht, aber auch großem Geschick das 1:1-Spiel zu suchen. Weil sich dabei in Leif Tissier auch sein Spielmacher eine blutige Nase holte, sprach er hinterher diplomatisch von einem „intensiven Spiel mit dem ein oder anderen – unabsichtlichen – Gesichtstreffer.“

So sahen das auch die beiden Unparteiischen, die den Gästen nicht nur acht Siebenmeter zusprachen, sondern auch jede Menge Freiwürfe, was die „bis zur letzten Sekunde um jeden Millimeter kämpfenden“ (Bilanovic) Dormagener zusätzlich unter Stress setzte und ihnen die Abwehrarbeit kolossal erschwerte. „Da hätten wir gerne das ein oder Stürmerfoul gekriegt“, haderte der TSV-Coach, der bei den Schiedsrichtern, allerdings vergeblich, ebenso energisch wie ausdauernd Verstöße gegen die Drei-Schritt-Regel anmahnte.

Und trotzdem blieben die Hausherren bis zum Schluss im Spiel, lagen bis zur Halbzeitpause sogar dreimal vorne: Beim 1:0 durch Alexander Senden nach 32 Sekunden, beim 9:8 (23.), als Torhüter Sven Bartmann einen Ballverlust Tissiers gegen die mit sieben Feldspielern agierenden Hanseaten mit einem Wurf ins leere Gehäuse bestrafte, und beim 10:9 (24.) durch Patrick Hüter.

Nach dem Treffer von Benni Richter zum 13:13 (35.) lief der TSV, bei dem ab der 40. Minute Christian Ole Simonsen (parierte zwei Siebenmeter) für Bartmann zwischen den Pfosten stand, jedoch ständig einem Rückstand hinter. Der wuchs bis zur 55. Minute auf vier Treffer an (24:20/Tissier). Dormagen verkürzte zwar noch mal auf 23:25 (Linus Skroblien/58.) und 24:26 (Joshua Reuland/59.), doch Party machte am Ende nur der HSV. Jansen: „Wir sind sehr froh. Dormagen hat eine Supermannschaft. Respekt!“

TSV Bayer Dormagen – Handball Sport Verein Hamburg 24:27 (11:12)

Dormagen: Bartmann (3 Paraden, 1 Tor), Simonsen (bei vier Siebenmetern;, ab 40.Minute, vier Paraden); Reuland (3), Seesing, Senden (1), Meuser (3), Richter (4/3), I. Hüter (4), Reimer (1), Görgen (2), P. Hüter (3), Rehfus, Grbavac (1), Skroblien (1)

Hamburg: Vortmann (6 Paraden), Maier (bei einem Siebenmeter und ab 50. Minute, 1 Parade); Schimmelbauer (4), Tissier (5), Feit, Hausmann (1), Weller (5/2), Ossenkopp, Axmann (5/4), Gertges (1), Bauer (2), Wullenweber (1), Bergemann (2), Kleineidam (1)

Schiedsrichter: Linker/Schmidt

Zeitstrafen: 6:8-Minuten

Siebenmeter: 3/3:6/8 (Simonsen hält gegen Schimmelbauer und Weller)