Jüchen: Bauhof unterstützt Feuerwehr

Jüchen: Bauhof unterstützt Feuerwehr

Neun Mitarbeiter des Bauhofes rücken ab morgen mit zu Feuerwehr-Einsätzen aus. Damit packt die Wehr ein Personalproblem an: Viele Feuerwehrleute arbeiten außerhalb der Gemeinde, stehen tagsüber nicht bereit.

Jüchen Sie schneiden Hecken, pflegen Straßen und steuern im Winter die Streufahrzeuge. Ab morgen übernehmen einige Mitarbeiter des Bauhofs in Jüchen noch ganz andere Aufgaben: Sie löschen Brände, retten Menschen. Neun Gemeindebedienstete verstärken jetzt die Feuerwehr Jüchen, stehen während ihrer Arbeitszeit bis 16 Uhr für Einsätze bereit — genau dann, wenn es bei der freiwilligen Feuerwehr personell eng ist.

"Abends, nachts und an Wochenende verfügen wir über ausreichend Feuerwehrleute. An Werktagen aber arbeiten viele außerhalb der Gemeinde", beschreibt Bürgermeister Harald Zillikens das Problem. "Der Notstand bei der Tagesverfügbarkeit betrifft fast alle Wehren in Deutschland", ergänzt Feuerwehrchef Mario Heitbrink. In den drei Löschzügen in Jüchen rücken tagsüber etwa je fünf bis zehn Einsatzkräfte aus. Die Feuerwehr hat längst reagiert: "Bei vielen Einsätzen alarmieren wir tagsüber gleich zwei oder drei Löschzüge gemeinsam."

Heitbrink hatte die Idee, Mitarbeiter des Bauhofes anzusprechen und sie für die Mitarbeit im Löschzug Jüchen zu gewinnen. "Für mich ist das Neuland, aber mit unserer Bereitschaft helfen wir der Feuerwehr", sagt Herbert Dürselen, einer der Neuen. Zu denen gehört auch Daniel Wimmer (25): "Freunde haben mir von der Arbeit der Feuerwehr erzählt. Ich fand das interessant, hatte mich bislang aber nicht dazu durchgerungen, der Wehr beizutreten", erzählt der Giesenkirchener.

Fünf der Bauhofmitarbeiter waren bereits vorher Feuerwehr-Mitglied. Wimmer, Dürselen und zwei andere mussten dagegen erst einmal kräftig lernen — heute stehen die Prüfungen für ihre Feuerwehr-Grundausbildung an. "Bei der ersten Übung lief noch nicht alles rund, wusste nicht jeder sofort, was er zu tun hatte — aber das ist ganz natürlich", sagt Mario Heitbrink.

Ab morgen rücken die neun in ihrer neuen Schutzausrüstung — je Mann für 1500 Euro — mit aus. Bürgermeister Harald Zillikens und Mario Heitbrink sind von der Motivation der Neuen "begeistert". Und sie betonen, dass die Einstellung hauptamtlicher Feuerwehrleute als Alternative die Gemeinde deutlich teurer käme. "Ein Hauptamtler würde rund 35 000 Euro im Jahr kosten", sagt der Feuerwehrchef. Die Verstärkung durchs Bauhof-team ist nur der erste Schritt zur Lösung des Personalproblems: "Der Brandschutzbedarfsplan sieht für die drei Löschzüge Jüchen, Gierath und Hochneukirch je 50 Aktive vor." Diese Zahl wird aber nur im Löschzug Gierath erreicht, die Einheit in Hochneukirch bleibt mit 24 Aktiven deutlich darunter.

"Wir wollen neue Mitglieder gewinnen, haben dafür im vergangenen Jahr eine Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit gegründet", erklärt Heitbrink. "Beim Familienfest werden wir unsere Arbeit und Fahrzeuge vorstellen, auch bei anderen Veranstaltungen wollen wir präsent sein."

(NGZ)