Basketball-Zweitligist TG Neuss arbeitet Blackout gegen Opladen auf.

Basketball : Konstruktive Selbstkritik der Tigers

Vor der Partie in Berlin arbeitet Basketball-Zweitligist Blackout gegen Opladen auf.

Nein, es war nicht alles schlecht am Samstagabend in der kleinen Elmar-Frings-Sporthalle. Sicher, die 68:76-Niederlage der TG Neuss Tigers gegen Opladen nach einem fünfminütigen Blackout im letzten Viertel schlug schon ziemlich aufs Gemüt – und doch endete die Partie der 2. Basketball-Bundesliga Nord mit einem Lächeln.

Die von TG-Topscorerin Franziska Worthmann in Zusammenarbeit mit den Neusser Stadtwerken initiierte Spendenaktion brachte der Berliner Charité bis jetzt rund 2000 Euro für ihre Grundlagenforschung zur unheilbaren Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ein. „Manchmal geht es einfach um mehr als Basketball, und ich hoffe, dass meine Aktion zu ein bisschen mehr Reichweite für diese Krankheit geführt hat“, fasste die 32-Jährige, deren Vater vor kurzem an ALS gestorben ist, dankbar zusammen. Die Rückkehr in den schnöden Liga-Alltag fällt ihr und ihren Teamkolleginnen jetzt natürlich schwer, muss aber gelingen, denn das Match am Samstag (17.30 Uhr) in einer der Max-Schmeling-Nebenhallen bei Alba Berlin soll den Tigers nicht die dritte Niederlage in Folge bescheren.

Auch darum hatte Trainer John F. Bruhnke seine Schützlinge am Ende einer ungewöhnlich langen Ansprache direkt nach der Enttäuschung am Samstag mit dem Auftrag ins Restwochenende geschickt, „sich mal ein paar Gedanken zu machen.“ Die Ergebnisse trugen die Tigers dann am Montag beim extra um eine halbe Stunde vorverlegten Training im Anschluss an das Video mit der verheerenden 0:15-Serie gegen Opladen vor. „Aus der halben Stunde ist dann eine Stunde geworden“, verrät der Coach, den die Fähigkeit seines Teams zur kritischen Selbstreflexion außerordentlich freute. Und er betonte: „Das sollte ja keine Standpauke sein, nein, wir müssen da konstruktiv rangehen.“

Für sich zog der erfahrene Trainer aus dem Meeting vor allem diesen Schluss: „Wir müssen versuchen, das Aufbauspiel auf mehrere Schultern zu verteilen.“ Dazu werde er während eines Spiels stärker auf die Mannschaft einwirken, „die Leine etwas kürzer machen.“ Es dürfe einfach nicht mehr passieren, dass eine Lotti Ellenrieder, die gegen Opladen trotz perfekter Quote (6/6 Versuche) in mehr als 26 Minuten auf dem Feld nur sechs Würfe bekomme. Auf eines legt Bruhnke allerdings großen Wert: „Das war kein Krisengespräch. Natürlich sind zwei Niederlagen in Folge nicht schön, aber für uns ist in dieser Saison ja trotzdem noch was drin. Und wir wissen, dass wir es besser können.“

Grit Schneider (Opladen) umarmt Franziska Worthmann. Foto: WORO

In Berlin muss auf jeden Fall eine Leistungssteigerung her, denn Alba hat sein junges Team gegenüber der Debüt-Saison verstärkt. In US-Girl Erika Livermore (21,3 Punkte im Schnitt) darf Trainer Cristo Cabrera, der bei seiner Arbeit von einem „erstligatauglichen Staff“ (Bruhnke) unterstützt wird, nun sogar eine von zwei Importstellen besetzen. Ex-Nationalspielerin Ireti Amojo (14,0) und die vom Erstligisten TK Hannover an die Spree zurückgekehrte Lena Gohlisch (11,8) gehören zum Besten, was die Liga zu bieten hat. Bruhnke: „Alba wacht auch im Damenbereich auf. Und ich kann nur begrüßen, was da in Berlin passiert.“

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