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Basketball: TG Neuss Tigers müssen ein ganz neues Team aufbauen

Basketball : Tigers müssen ein neues Team aufbauen

Viele Stammkräfte haben den Basketball-Zweitligisten aus Neuss verlassen, in Wiedereinsteigerin Centa Herrmann steht bislang erst ein Zugang fest. Auch die Gruppen-Zusammensetzung ist weiter offen. Der Liga-Dino steht vor ganz schwierigen Wochen.

Wie gut, dass sich Angela Krings als Aktive und Entscheidungsträgerin an der Spitze der Basketball-Abteilung in mehr als drei Jahrzehnten Nerven aus Stahl zugelegt hat, denn zartbesaitetere Zeitgenossinnen könnten angesichts der aktuellen Situation bei der TG Neuss arge Schwierigkeiten bekommen, nachts in den Schlaf zu finden. Angela Krings nicht. Dass Trainer John F. Bruhnke in Jana Heinrich, Britta Worms, Leonie Prudent, Jill Stratton, Ronja Spießbach und Lisa Spießbach sowie jetzt auch noch Lotti Ellenrieder nahezu seine komplette Mannschaft verloren hat und erst eine Neuverpflichtung unter Dach und Fach ist, veranlasst sie nur zu dieser gewohnt nüchternen Feststellung: „Wir sind noch nicht komplett.“

 Planen kann der Liga-Dino, der dem Erstliga-Unterhaus seit 2010 ununterbrochen angehört, für den Augenblick nur mit Christina Krick, Hannah Wischnitzki, Jana Meyer sowie Céline Glock und Luisa Lukas aus dem in der Bundesliga spielenden U18-Nachwuchs. Dazu hätte eigentlich auch Larissa Kuhlmann zählen sollen, doch die 18-Jährige muss aus familiären Gründen eine Pause vom Basketball einlegen. Vieles ist im Fluss. Darum ist es gut, dass nach einjähriger Auszeit Eigengewächs Inga Krings wieder voll einsteigt. Auch die bislang einzige Neuverpflichtung ist eine Wiedereinsteigerin: Centa Herrmann gehörte beim Bundesliga-Aufsteiger Capitol Baskets Düsseldorf quasi zum lebenden Inventar, machte als Kapitänin den Durchmarsch von der Landesliga bis in Liga zwei mit. Weil die 1,79 große Flügelspielerin in Köln wohnt, ihr Referendariat aber in Mönchengladbach ableistet, hatte sich die 27-Jährige in der Landeshauptstadt aus Zeitgründen schon nach dem ersten Spieltag abgemeldet. Neben zwei Talenten aus der weiterhin von Dragan Ciric trainierten WNBL-Mannschaft soll definitiv auch noch eine Import-Spielerin an Bord kommen. Die Zusage vom Hauptverein für einen Profi liegt vor.

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Klar ist für Angela Krings indes, „dass wir noch Verstärkungen brauchen.“ Den zu bekommen sei jedoch schwieriger geworden, fügt sie an. Inzwischen sei das Bundesliga-Unterhaus nämlich tatsächlich zu einer Ausbildungsliga geworden, „viele Vereine setzen verstärkt auf Jugend und deutsche Spielerinnen.“

Darüber hinaus drängen aus der Regionalliga West in den VfL AstroStars Bochum, der  BG Bonn und Citybasket Recklinghausen gleich drei Klubs nach oben. Wer aufrückt, darüber entscheidet ab dem 26. Juni eine Aufstiegsrunde. Für das plötzliche Interesse an der 2. Liga, die in den zurückliegenden Jahren mitunter große Mühe hatte, überhaupt ihre Sollstärke von zwölf Teams zu erreichen, sind mehrere Gründe zu nennen. Krings: „Weil die Saison in der Regionalliga wegen Corona ausgefallen ist, ist es jetzt ja relativ leicht aufzusteigen. Du brauchst dafür nur zwei Siege – und nicht eine ganze Saison, in der wirklich alles passen muss.“

„Für uns ist ein Aufstieg wichtig, um unseren vielen Nachwuchstalenten und Auswahlspielerinnen eine Perspektive zu bieten“, erklärt derweil Citybasket-Vorsitzende Inga Bielefeld und sieht sich damit auf einer Linie mit der bis 2018 bei der TG Neuss beschäftigten Trainerin Janina Pils. „Denn wenn sie sich sportlich nicht angemessen weiterentwickeln können, wird es schwer, sie dauerhaft im Verein zu halten.“

Schließlich ist die Nachfrage nach gut ausgebildeten Nachwuchsspielerinnen gewachsen – gerade in Nordrhein-Westfalen, wo in der Saison 2021/22 im Herner TC, den Rheinland Lions aus Bergisch Gladbach und den Capitol Baskets Düsseldorf drei Erst- sowie Neuss, Opladen und dem Aufsteiger aus dem WBV-Oberhaus drei Zweitligisten an den Start gehen wollen. Was das heißt, musste die TG gerade erst am eigenen Leib erfahren, ist die seit 2017 mit viel Mühe und noch größerer Geduld ausgebildete Centerin Lotti Ellenrieder doch „dem Ruf der  1. Liga gefolgt“ (Krings) und hat sich den Rheinland Lions angeschlossen. Der zweite herbe Verlust auf dieser Position nach dem Wechsel von Britta Worms zu den Capitol Bascats. Der sich verschärfende Kampf ums Personal macht Kooperationen salonfähig. So haben im Großraum Köln die Rheinland Lions und das BBZ Opladen ein neues, kommunen-übergreifendes Projekt für den Nachwuchs- und Leistungsbasketball im weiblichen Bereich auf den Weg gebracht. Ein denkbarer Ansatz auch für den Niederrhein mit Düsseldorf und Neuss?

Fürs Erste müssen die Tigers aber erstmal selber klarkommen. Darum backt der geborene Play-off-Kandidat in einer Liga, die in der Spielzeit 2022/23 bis zu vier Klubs aus der Eliteklasse aufnehmen muss, diesmal kleine Brötchen. Krings vorsichtig: „Unser Ziel ist ein guter Mittelfeldplatz.“