Basketball: TG Neuss Tigers feiern ersten Saisonsieg

Basketball : Tigers melden sich eindrucksvoll zurück

Mit Herz und Verstand machen Zweitliga-Basketballerinnen aus Neuss gegen Bad Homburg in der Verlängerung ersten Saisonsieg perfekt.

Nach der Schlusssirene verschwand Antoine Braibant erstmal in der Kabine direkt hinter der Spielerbank. Dieses Match hatte Nerven gekostet. Und der Coach befand: „Es wäre wirklich tragisch gewesen, wenn wir am Ende verloren hätten.“ Dass in Dara Taylor (noch keine Arbeitserlaubnis) und Franziska Worthmann (Rippenbruch) zwei tragende Säulen fehlten, machte den in der fünfminütigen Verlängerung erstrittenen 74:73-Heimsieg (Halbzeit 35:33) des Basketball-Zweitligisten TG Neuss über die ungeschlagen angereisten Falcons Bad Homburg sogar noch wertvoller.

Okay, beim ersten Saisonsieg profitierten die Tigers auch vom Fehlen der Spanierin Garmendia Odriozola, mit 23 Punkten und 10,5 Rebounds im Schnitt die vielleicht beste Akteurin der Gäste. Zudem verletzte sich Sarah Kuschel beim Aufwärmen vor dem Anpfiff. Doch das interessierte bei den glücklicheren Siegerinnen wirklich niemanden. Der wohl entscheidende Schachzug war Braibant mit dem Wechsel in der Schaltzentrale gelungen: Er betraute Leonie Prudent mit dem Ballvortrag, eine Aufgabe, die die 1,81 Meter große Flügelspielerin über 41:43 Minuten hinweg mit zwölf Punkten (5/7 Würfe) fast optimal erfüllte. „Ich musste nach den drei Niederlagen zum Start etwas machen“, begründete der Belgier. „Und auch wenn wir natürlich als Team gewonnen haben, muss ich Leonie zu ihrer Leistung gratulieren. Sie hat auch in der Verteidigung perfekt gespielt.“

Von ihren ungewohnten Pflichten im Aufbau befreit, überzeugte auch Natalie Bastian mit hoher Effizienz: In 44:11 Minuten legte die kleine US-Amerikanerin 21 Punkte auf – und das mit einer Wurfquote von 81 Prozent (9/11 Versuche). Die 40-Minuten-Marke knackten auch Jana Heinrich (42:44) und Britta Worms (40:11) – ein Vabanquespiel, das aufging: Heinrich avancierte mit 23 Zählern zur Topscorerin der Partie und leistete darüber hinaus in der Defensive Schwerstarbeit. Worms traf hochprozentig (6/8) und bestach bei ihren zwölf Punkten mit großartigen Centerbewegungen am Korb. Und dies gegen einen Kontrahenten, der voll auf die internationale Karte setzte: Alexandra Polishchuk (Kanada) markierte 19 Punkte (4/5 Dreier), wurde sogar noch übertroffen von US-Girl Stephanie Furr (21 Punkte, 3/7 Dreier). Die in Bulgarien geborene Gergana Georgieva folgte mit 16 Punkten. Vierte Importkraft war die Britin Leah McDerment (7).

Geballte Power, die das Match nach Kristin Annawalds Korb zum 65:60 knapp zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit zu entschieden schien. Doch die Tigers schlugen zurück: Britta Worms verkürzte auf 62:65, Jana Heinrich glich per Dreier aus (65:65) und nach Polishchuks Punkten zum 67:65 für die Falcons schickte Leonie Prudent das packende Duell mit zwei verwandelten Freiwürfen nervenstark in die Verlängerung. Dort bringen Bastian, Heinrich und Worms (je 2) die Gastgeberinnen zunächst mit 73:68 in Führung. 20 Sekunden vor Schluss setzt Furr den Ball per Dreier zum 71:73 ins Netz. Heinrich nutzt mit noch 11,3 Sekunden auf der Spieluhr einen ihre beiden Freiwürfe zum 74:71 für die Tigers. Danach reicht es für Bad Homburg durch Furr nur noch zum 73:74.

Und Braibant resümierte lächelnd: „Das freut mich für die Mädels. Der Sieg war vor allem wichtig für sie. Verlierst du, ist’s die Schuld des Trainers. Gewinnst du, ist’s das Verdienst des Teams. Genauso will ich das heute auch halten.“ Und am Sonntag im Derby bei den Löwen sind dann vielleicht auch Dara Taylor und Franzi Worthmann dabei ...

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