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Basketball: TG Neuss Tigers - drei Monate Training für zwei Einsätze

Basketball : Drei Monate Training für zwei Einsätze

Am 17. August stiegen die Basketballerinnen der TG Neuss in die Vorbereitung auf die Zweitliga-Saison 2020/2021 ein. Seither trugen die Tigers gerade mal zwei Pflichtspiele aus: am 17. Oktober im Pokal und am 24. Oktober in der Liga.  

Am Wochenende haben die Tigers frei. Mal wieder! Dabei wären sie eigentlich gleich doppelt im Einsatz gewesen: Am Samstag stand in heimischer Elmar-Frings-Sporthalle die Partie gegen Chemnitz auf dem Programm, am Sonntag das Nachholspiel beim Neuling ASC Göttingen. Doch daraus wird nichts – auch in der 2. Basketball-Bundesliga führt längst wieder Corona Regie, sorgt dafür, dass der Frustfaktor parallel zu den Infektionszahlen stetig steigt.

Denn von einem wirklichen Spielbetrieb kann seit Beginn der Runde am 24. Oktober nicht die Rede sein. Seit dem 91:76-Heimsieg am ersten Spieltag über Rotenburg hängen die Schützlinge von Trainer John F. Bruhnke in der Warteschleife fest. Das Match in Göttingen am 31. Oktober wurde ebenso abgesagt wie das Gastspiel bei den Young Dolphins Marburg eine Woche später. Und das nervt. „Wir befinden uns in der 14. Trainingswoche – und haben einschließlich Pokal erst zweimal gespielt“, sagt der Coach. Die Auswirkungen auf die Psyche seiner Mädels, die trotz allem vor Energie strotzen, spürt er unmittelbar: „Über der Mannschaft schwebt eine latente Unzufriedenheit.“ Für ihn absolut nachvollziehbar, weil Woche für Woche der Lohn für die im Training geleistete Arbeit ausbleibe.

Natürlich ist er dem Wunsch der Mannschaft gefolgt, in Ermangelung von Praxiserfahrungen vermehrt Spielformen im 5 gegen 5 ins Training einzubauen. „Damit musst du versuchen, das auszugleichen, was am Wochenende eben nicht passiert.“ Doch seine Möglichkeiten, den Ernstfall proben zu lassen, sind äußerst begrenzt. „Man kann versuchen, Situationen zu simulieren, wie sie im Spiel vorkommen. Aber das kannst du im Training nur zu höchstens 80 Prozent abbilden. Spielhärte kriegst du tatsächlich nur im Wettkampf.“

Genau darum blickt er mit einem dicken Hals auf die aktuellen Spielausfälle: Für das Duell mit den ChemCats sei alles bereit gewesen, um alle Spielerinnen für die seit dem vergangenen Wochenende verpflichtenden Coronatests in Neuss zu versammeln, hätten die Tigers sogar ihre Trainingstage getauscht. Dass die Begegnung trotzdem abgesagt werden musste, weil Chemnitz die dazu nötigen Teststrukturen noch nicht errichtet habe, ist für Bruhnke völlig in Ordnung. Schließlich habe der Verband allen Zweitligisten eine Frist bis zum 21. November eingeräumt.

„Aber die Absage von Göttingen ärgert mich sehr.“ Im Vorfeld habe man sich diesen Termin gemeinsam ausgeguckt. „Und dann sagt Göttingen plötzlich, da wären noch zu viele Fragen offen, zum Beispiel, was die Testungen der Schiedsrichter anbelangt.“ Probleme, die die Austragung der Heimpartie des ASC am Tag zuvor gegen Opladen freilich nicht zu verhindern vermögen. Und das wundert Bruhnke: „Etwas, was am Samstag noch funktioniert, funktioniert am Sonntag nicht mehr? Das hat für mich schon ein Geschmäckle ...“

Fakt ist: „Jetzt sind es schon drei Spiele, die wir nachholen müssen und damit drei Wochenenden, die doppelt belegt sind“, stellt der Trainer nüchtern fest. Zwar gebe es die Möglichkeit, die Saison nach hinten raus zu verlängern, weiß TG-Geschäftsführer Klaus Ehren, gibt aber zu bedenken: „Das ist dann auch ein Kostenfaktor, denn die Spielerinnen aus dem Ausland müssten weiter bezahlt werden. Und das hat in seinem Budget keiner eingeplant.“

In einer für die anstehende Woche angesetzten Videokonferenz der Liga will er darum den Vorschlag machen, „vielleicht nur eine einfache Runde zu spielen und einen anderen Modus für die anschließenden Play-offs zu finden.“